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| 01:35 Uhr

Wie der Kaisertrutz die Spitze verlor

Fast wie in echt: Zahlreiche Besucher bestaunten das soeben enthüllte Modell des Görlitzer Kaisertrutzes. Foto: Uwe Menschner/ume1
Fast wie in echt: Zahlreiche Besucher bestaunten das soeben enthüllte Modell des Görlitzer Kaisertrutzes. Foto: Uwe Menschner/ume1
Königsbrück. Das hat es in 500 Jahren Geschichte nicht gegeben: Dem Görlitzer Kaisertrutz brach die Spitze ab. Was wochenlange Bombardements und kriegerische Handlungen von höchster Intensität nicht vermochten, schaffte der Leiter der Landesdirektion Dresden, Henry Hasenpflug, mit einer Handbewegung. Von Uwe Menschner

Passiert war das Malheur, als das Tuch, das den Prachtbau bedeckte, weggezogen werden sollte, um dieses für die interessierten Besucher zu enthüllen.

Glücklicherweise nahm das kleine Türmchen, das den bekannten Wehrbau in der Neißemetropole krönt, bei der Aktion keinen Schaden und konnte problemlos wieder an seinen Platz gesetzt werden. Sonst hätten die fleißigen Modellbauer des Heimatvereines Königsbrück womöglich noch einmal mit ihrer filigranen Fleißarbeit beginnen müssen.

Immerhin bauten sie in den vergangenen zehn Jahren schon 28 Modelle von Bauwerken, die die alte Königsstraße Via Regia an ihrem Verlauf säumen - darunter so berühmte wie das Eisenacher Lutherhaus, das Alte Rathaus Leipzig und den Bautzener Reichenturm, aber auch solche von eher regionaler Bedeutung wie das Apothekerlusthaus im heimischen Königsbrück oder das Wildenhainer Tor in Großenhain.

Der Görlitzer Kaisertrutz ist Modell Nummer 29 und gleichzeitig ein ganz Besonderes - er entstand nämlich pünktlich zum 10. Jubiläum des Königsbrücker Modellbauprojektes, das seine Heimstatt in einem ehemals militärisch genutzten Gebäude am Schlosspark gefunden hat. Deshalb soll er auch den weiten Weg in die sächsische Landesvertretung nach Berlin finden und dort für die 3. Landesausstellung, die 2011 eben unter dem Thema “Via Regia„ in Görlitz stattfindet, werben. Und für diesen Zweck eignet sich wohl kein anderes Gebäude so gut wie der Kaisertrutz, wurde er doch - genauer gesagt sein Original - zum Hauptschauplatz der Ausstellung erkoren.

“Als wir vor zehn Jahren zunächst im Schloss, später im Neuen Lager mit dem Modellbauprojekt begannen, ahnten wir nicht, welche Ausmaße dieses einmal annehmen würde„, erklärte der Mitinitiator und frühere Bürgermeister Jürgen Loeschke. Mit dem einst militärisch genutzten Gebäude Am Schlosspark 19, in dem sich auch die Touristinformation befindet, fanden die kunstvoll gearbeiteten Modelle ein würdiges und besuchergünstig gelegenenes Domizil. Allerdings sollen sie nicht für immer zwischen Steinwänden gefangen sein: “Wir haben die Vision des Via-Regia-Parkes, in dem die Modelle unter freiem Himmel den Verlauf der alten Handelsstraße nachzeichnen sollen„, so Jürgen Loeschke. Gegenwärtig wird der geopolitische Umkreis mit der Fruchthalle Kaiserslautern und dem Goldschmiedehaus Hanau erheblich erweitert, das Goldene Tor in Kiew befindet sich in Planung. So entwickelt sich das kleine Königsbrück zum wahren Zentrum der Via Regia, wo alle wichtigen Sehenswürdigkeiten entlang der Straße innerhalb eines Tages besucht werden können.