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Wie aus Häuten Leder und Pelze entstehen

Gerbermeister Manfred Oettrich (r.) zeigte den Teilnehmern des Gerberseminars, wie durch verschiedene Gerbverfahren aus Häuten Leder und Pelze hergestellt werden.
Gerbermeister Manfred Oettrich (r.) zeigte den Teilnehmern des Gerberseminars, wie durch verschiedene Gerbverfahren aus Häuten Leder und Pelze hergestellt werden. FOTO: B. Donke/bdo1
Förstgen. Ein fast vierstündiges Gerberseminar hat Gerbermeister Manfred Oettrich dieser Tage in der Naturschutzstation Östliche Oberlausitz in Förstgen bestritten. Es war Teil des Projektes "Der Wolf und die sieben Burenziegen". bdo1/br

Kleintierzüchterin Barbara Kirch aus Bautzen sagte zu ihrer Teilnahme: "Wir haben selbst Kaninchen und wollen einmal versuchen, deren Felle zu gerben." Diethard Blücher (69) hat Gerber gelernt. "Doch ich habe nicht lange im Beruf gearbeitet. Ich bin neugierig, ob sich die Gerbverfahren verändert haben", sagte er Gerbermeister Oettrich aus Doberlug-Kirchhain. Dessen Familie hat dort 200 der insgesamt 400 Jahre Gerbergeschichte mitgeschrieben. Oettrich selbst ist Gerbermeister in 5. Generation.

Theorie und handwerkliche Techniken seines Handwerks vermittelte er den Seminarteilnehmern. "Die Gerberei ist uralt. Damals wie heute sollen Häute und Pelze den Menschen schützen und wärmen. Heute findet die Gerberei fast nur noch in Asien statt. Ich habe mir vorgenommen, dieses alte Handwerk weiterzuvermitteln", erklärte er seine Mission. Grundsätzlich sei zu unterscheiden, ob eine Tierhaut zu Leder durch Gerbung ohne Haare oder durch Pelzgerbung zu Leder mit Haaren verarbeitet werden soll. Beiden Verfahren gehe die chemisch-mechanische Bearbeitung der Häute voraus. Oettrich zeigte, wie aus Schaf- und aus Kaninchenhaut weicher Schafpelz beziehungsweise wärmende Nierenschoner werden. Aus Schweine- oder Rinderhaut entstehe weiches Leder für Schuhe, Taschen oder Jacken. Fragen der Seminarteilnehmer wurden ausführlich beantwortet. Das Seminar wurde durch die Förderung C2 vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Gartenbau vollständig finanziert. Die Mitarbeiterin der Naturschutzstation, Meike Biskop, schätzte ein: "Die Resonanz für das Gerber-Seminar war nicht ganz so groß wie beim Sensen-Dengel-Seminar Ende Juli. Aber es wird ja auch nicht jeder Kaninchenhalter die Häute seiner Tiere zu Leder oder Pelzen verarbeiten wollen.