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| 19:58 Uhr

Aus dem Gericht
Automaten-Bruch in der Spielothek: 17 000 Euro verschwunden

Weißwasser. Ein 44-Jähriger ist in Weißwasser zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Gegen den Betreiber des Casinos wird gesondert weiterermittelt. Von Christian Köhler

Als am 31. März 2015 die Polizei die Spielothek an der Friedrich-Bodelschwingh-Straße in Weißwasser aufsuchte, bot sich den Beamten eine große Verwüstung. Endlos viele Einzelteile lagen auf dem Boden herum. „Ich habe mich daran gemacht, alle Spuren zu sichern“, erklärt ein Polizist im Zeugenstand vor dem Weißwasseraner Amtsgericht, „aber Einbruchsspuren habe ich nicht entdeckt“.

Immerhin hatte der Eigentümer angegeben, dass insgesamt 17 000 Euro aus den Automaten am Vormittag entwendet wurden. Weil der oder die Diebe sich mit solcher Gewalt an den Spielautomaten zu schaffen machten, konstatierte der Eigentümer an ihnen einen Schaden von mehr als 15 000 Euro. Nach langer Spurensuche hat die Polizei den mutmaßlichen Täter ermittelt, der sich jetzt vor Gericht verantworten muss.

„Ich hatte an jenem Abend gespielt und etwa 300 Euro Gewinn nicht ausgezahlt bekommen“, erklärt der heute 44-jährige Angeklagte Martin K.* Deshalb habe er sich an den Betreiber der Spielothek gewandt, der ihm daraufhin vorgeschlagen haben will, „dass wir die Automaten aufbrechen und uns das Geld rausnehmen“. Mit einem Brecheisen bestückt will K. anschließend im Beisein des Betreibers drei Automaten aufgebrochen haben, „denn er wollte das mit dem Automatenbesitzer klären“, gibt K. zu Protokoll. Es verhalte sich nämlich so, dass die Spielautomaten nicht dem Betreiber des Casinos gehören, sondern der diese anmietet. „Ich habe mir keine Gedanken gemacht und ich wusste, dass auch der Betreiber spielsüchtig ist und Geldprobleme hat“, so der Angeklagte. Leicht habe er die Geräte knacken können und sei „ohne Probleme an die Geldkassetten“ gekommen.

Für seine Mühen will K. dann vom Betreiber „1000 Euro sowie die 300 Euro, die ich gewonnen hatte“, bekommen haben. Mehrmals führt der Beschuldigte aus, dass man sich im Nachhinein die Beute ungleich geteilt habe. Aus heutiger Sicht meint der Angeklagte, dass „der wohl bloß einen Dummen gesucht hat, der für ihn die Automaten aufmacht“.

Amtsrichter Ralph Rehm will schließlich den Betreiber im Zeugenstand befragen. Als dieser Platz in der Mitte des Gerichtssaals nimmt, belehrt ihn der Richter, „dass Sie nichts sagen müssen, wenn Sie sich möglicherweise selbst belasten“. Tatsächlich nimmt der Zeuge sein Verweigerungsrecht in Anspruch. Der Polizei aber will er an jenem 31. März Folgendes erklärt haben, wie ein Beamter im Zeugenstand dem Gericht eröffnet: Am Vormittag will der Betreiber den Laden betreten und dann erst den Einbruch bemerkt haben. Ein weitaufgerissenes Fenster habe den Dieben Zugang zur Spielothek verschafft, mutmaßt er.

Der zuständige Kriminaltechniker erklärt dazu im Zeugenstand: „Also wir haben keinerlei Einbruchsspuren entdeckt. Und dabei hätte man Spuren finden müssen, wenn jemand über das Fenster ein- oder ausgestiegen ist.“ Ferner habe er in seiner Dienstlaufbahn hunderte aufgebrochene Spielautomaten gesehen, „aber das dort sah aus wie drapiert“. Allerdings habe er Blutspuren an dem Automaten gefunden, die eben nicht vom Casino-Betreiber stammten, „sonst hätte ich gleich empfohlen, die Ermittlungen in seine Richtung zu führen“, so der Beamte.

Die Blutspuren wiederum stammten von K. Der gab auch zu, sich möglicherweise an einem der Geräte im Automateninneren verletzt zu haben. „Die Technik darin ist sehr kompliziert“, erklärt der Automateneigentümer. Der berichtet dem Gericht auch, dass in jedem Automaten ein Chip eingebaut ist, der auch ohne externe Stromversorgung aufzeichnet, „wann und ob sich ein Unbefugter daran zu schaffen macht“. Deshalb habe er die genaue Zeit herausfinden können, wann die Spielgeräte aufgebrochen wurden. „Und zwar um 3.45 Uhr“, so der Zeuge. Sein Techniker wiederum berichtet, dass durch die angewendete Gewalt an den Automaten „in jedem Fall etwas von den Betreibern der Spielothek hätte bemerkt werden müssen.“ Diese wohnen nämlich unmittelbar über dem Casino. „Es kann also nicht stimmen, dass dort am Vormittag eingebrochen wurde“, konstatiert der Amtsrichter.

Verteidiger Kai Rosenstengel gibt dem Gericht zu bedenken, dass es sich nicht mehr um Diebstahl seines Mandanten handele, sondern um „Beihilfe“. Ferner sei nicht aufzuklären, ob der Angeklagte allein den Schaden an den Automaten verursacht habe. „Und außerdem fehlte ihm ja der Gewinn.“ Den hätte eigentlich der Betreiber auslegen müssen, wie der Automatenbesitzer erklärt. Rosenstengel hält eine Bewährungsstrafe und die Zahlung von 1000 Euro, die K. zu Unrecht erhalten hat, „für Tat-und schuldangemessen“. Staatsanwalt Heiko Strampke dagegen zieht auch die langen Vorstrafen von K. heran. Drei Gerichte haben ihn wegen Fahrens ohne Führerschein verurteilt, weshalb er zum Tatzeitpunkt nur auf Bewährung frei gewesen sei. „Deshalb beantrage ich ein Jahr Haft ohne Bewährung“, so der Staatsanwalt. Der Angeklagte selbst nutzt die Gelegenheit, das letzte Wort im Prozess zu ergreifen. „Ich weiß, dass es blöd von mir war. Aber ich habe mir seitdem nichts mehr zuschulden kommen lassen. Ich wäre sehr dankbar, wenn ich noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davon käme.“

Das letztlich entscheidet auch Amtsrichter Ralph Rehm. Die zehnmonatige Haft wird in vier Jahre Bewährung umgewandelt, heißt es im Urteil. „Der Betreiber muss ein Mittäter sein, der sicher noch gesondert verfolgt wird“, konstatiert  Rehm. Der Angeklagte muss zudem 1000 Euro zahlen und trägt die Kosten des Verfahrens.

Gegen das Urteil des Amtsgerichts Weißwasser sind noch Rechtsmittel möglich.
*Name geändert