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Wenn sich Nachbarn streiten

Schleife. Seit zwei Jahren ist Edwin Neubauer aus Halbendorf ehrenamtlicher Friedensrichter in der Verwaltungsgemeinschaft Schleife. Für fünf Jahre hat der jetzt 66-Jährige den Streitschlichter-Job übernommen. Gabriela Nitsche

Bisher habe er den Eindruck, dass auf den Dörfern nicht so viel gestritten werde wie in anderen Gegenden. Das zumindest besagt die Statistik des Friedensrichters.

Wenige Grundstücksgeschichten und Erbrechtssachen hätten seine Hilfe in den vergangenen zwei Jahren erfordert. "Einmal war ein Baum ein Streitpunkt. Das Problem konnten wir ausräumen. In einem anderen Fall war einem Nachbarn eine Mauer zu hoch. Da funktionierte es nicht", berichtet Neubauer.

Er erinnert sich auch an eine Familie, wo die Kinder das Grundstück nicht von ihren Eltern erben wollten. "Wir haben das klären können." Edwin Neubauer freue sich, wenn er auch in solchen Dingen Hilfe bieten kann. Gerade bei Grundstücksangelegenheiten stünden die Leute häufig vor einem Berg ungeklärter Fragen. Bei einigen könne er helfen, Licht ins Dunkel zu bringen, bei anderen nicht. "Dann schicke ich sie zum Notar." Neubauer habe die Erfahrung gemacht, dass oftmals Unverständnis Ausgangspunkt für Zwistigkeiten sei. Wenn man ruhig und sachlich miteinander spreche, gehe es meistens voran.

Die Schiedsstelle in Schleife ist eine von 33 im Landkreis Görlitz. Laut dem Statistischen Landesamt Sachsen stieg die Zahl der sogenannten bürgerlichen Streitigkeiten im vergangenen Jahr gegenüber 2013. Wurden vor zwei Jahren nur 24 Anträge auf Schlichtungsverhandlungen gestellt, waren es 2014 mit 46 fast doppelt so viele im Landkreis Görlitz. 27 Fälle konnten als erledigt zu den Akten gelegt werden. Im Vorjahr waren es 15.

Was die eigentliche Herausforderung der ehrenamtlichen Friedensrichter ist, das sind die "Tür- und Angelfälle". Also Streitigkeiten, wie sie auch der Halbendorfer Edwin Neubauer beschreibt. Die Menschen kämen größtenteils Rat suchend zu den Schiedspersonen/Friedensrichtern oder würden sich telefonisch an sie wenden. Nach Beratung oder Aufklärung sehen sie in der Regel von einem Schlichtungsverfahren ab.

Dass Friedensrichter versuchen, Streitigkeiten des täglichen Lebens durch Einigung der Parteien gütlich, unbürokratisch und kostengünstig beizulegen, ist kein Phänomen der Schleifer Region oder im Landkreis Görlitz. Das trifft auf ganz Sachsen zu, wie die aktuelle Statistik belegt, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Diese bezieht sich auf die Arbeit von 315 Schiedsstellen für 431 Gemeinden. Diese führten demnach insgesamt 510 Schlichtungsverfahren in Zivil- und Strafsachen durch - 8,1 Prozent weniger als 2013. Die Zahl der Tür- und Angelfälle" verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr um 182 auf 2496 Fälle. Die Mehrzahl der Schlichtungsverfahren waren laut Landesamt mit 86 Prozent und 437 Fällen bürgerliche Rechtsstreitigkeiten wie Nachbar- und Mietrechtsprobleme. Über zwei Drittel konnten erledigt werden.

In strafrechtlichen Privatklagesachen, den "kleinen Strafsachen", habe sich die Zahl der Anträge verringert. Der Schleifer Friedensrichter Edwin Neubauer ist wochentags unter Telefon 03576 207418 zu erreichen.