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Ehrenamt
Wenn sich Nachbarn streiten

Roswitha Häder war Friedensrichterin und bleibt Friedensrichterin in Weißwasser. Foto: Gabi Nitsche
Roswitha Häder war Friedensrichterin und bleibt Friedensrichterin in Weißwasser. Foto: Gabi Nitsche FOTO: Gabi Nitsche
Weißwasser. Roswitha Häder bleibt für weitere fünf Jahre die engagierte und kompetente Friedensrichterin in Weißwasser. Von Gabi Nitsche

Gestritten wird in jedem Alter und das unabhängig von Bildung und Beruf. Diese Erfahrung hat Friedensrichterin Roswitha Häder gemacht. Vor allem Reibereien zwischen Nachbarn seien oft an der Tagesordnung. „Leute werden älter. Und ich hab das Gefühl, manch’ einer sucht Streit aus Langeweile, wo früher zusammen gefeiert wurde.“

Es sind die so genannten Tür- und Angelgeschäfte, die Menschen zu schaffen machen. „Die Leute haben ein Problem und verlernt, mit dem anderen zu reden. Sie wünschen sich dann eine Lösung von uns.“ Roswitha Häder und ihre Stellvertreterin Ulrike Berghof raten dann, eben dem Nebenmann zu schreiben, was missfällt und bis wann er die Hecke oder die überhängenden Äste verschneiden soll. „Ob mündlich oder schriftlich – Höflichkeit sollte immer an erster Stelle stehen“, rät sie

Wenn die Kiste schon zu verfahren ist, der andere partout nicht mehr mit sich reden lässt, können die Friedensrichter versuchen, den Streit zu schlichten. Das kostet eine Gebühr von 50 Euro. In einem Vorgespräch mit dem Kontrahenten zeige sich, dass dieser die Sache oft ja ganz anders sieht, so Roswitha Häder. Wie die „Kampfhähne“ säßen manche bei der Verhandlung an einem Tisch. „Sie können Dampf ablassen, aber sich anschreien gibt es nicht.“ Roswitha Häder könnte Geschichten erzählen..., macht sie aber nicht. Denn: „Wir sind zur Verschwiegenheit verpflichtet, haben einen Eid geleistet. Alles, was in dem Raum gesagt wird, bleibt auch in diesem.“  Meist würdigen sich die Gegner keines Blickes, schauen beim Reden die Friedensrichterin an. „Wir bitten dann, sich direkt anzusprechen.“  Bei manchen verzwickten Geschichten sei es nicht einfach, eine Lösung zu finden, mit der beide Kontrahenten leben können. „Sie sollten sich wenigstens künftig guten Tag sagen am Gartenzaun.“ Oder, wie nach einem Streit vor fünf Jahren, wo es um Garagenzufahrt ging, die im Winter mit Schnee zugeschippt oder -geschoben wurde. „Unsere Lösung war, beide Parteien laden ihre weiße Pracht per Schubkarre auf einer 200 Meter entfernte Wiese ab. Seither ist Ruhe.“ Aber es gibt auch Fälle, so Roswitha Häder, wo nur noch das Gericht helfen kann. „Erfahrungsgemäß sind es keine oberflächlichen Gründe, die die Zwistigkeiten auslösen, sondern tiefgründige, die über Jahre schwelen ...“ Streitigkeiten wie um einen Baum, der so groß geworden ist, dass er jetzt dem Nachbarn die Sonne nimmt, oder der Komposthaufen an der Grundstücksgrenze können eines Tages zum Zankapfel werden. Roswitha Häder kennt viele solcher Altlasten-Probleme. „Da haben die Eltern früher etwas mit den Anrainern abgesprochen, aber das nicht schriftlich und per Unterschrift festgehalten. Die nächste Generation stört nun das überstehende Garagendach. Nichts mehr von wegen Gewohnheitsrecht. Das Thema Wegerecht sei auch ein heißer Kandidat für Streitereien. Friedensrichterin Häder  rät, sich dringend diese Grunddienstbarkeit im Grundbuch eintragen zu lassen, um späterem Frust vorzubeugen. Denn: „Wegerechte kann man nicht vererben.“

Die Aufgabenpalette von Roswitha Häder und Ulrike Berghof ist vielfältig. Ärger mit dem Vermieter. Beleidigungen und Verleumdungen spielen ebenso eine Rolle wie leichte Körperverletzungen, Hausfriedensbruch, Verletzung des Briefgeheimnisses und Sachbeschädigungen.

Als der Stadtrat jüngst Roswitha Häder das Vertrauen für weitere fünf Jahre als Friedensrichterin schenkte, war das eine große Freude für sie. „Das Ehrenamt ist sehr wichtig für mich im Ruhestand. Ich werde gebraucht“, sagte sie den Räten. Seit zwei Jahren ist Roswitha Häder außerdem Vorsitzende der Bezirksvereinigung Görlitz der Schiedsleute – 51 Friedensrichter, Stellvertreter und Protokollführer halten so den Kontakt untereinander.

Und diese Aufgabe ist nicht die einzige, der sie sich widmet. Viele Jahre im Verkauf tätig, orientierte sie sich noch einmal neu als Pflegehilfsschwester. Einmal die Woche bringt sie sich nach wie vor im Kursana in Bad Muskau ein, ist bei der Sterbebegleitung der Diakonie Niesky engagiert, gehört zum DRK-Malkurs. „Ja, ich bin noch sehr aktiv. Ich brauche das.“ Genauso wie ihre Familie, sagt sie. Ihren vier Kindern haben sie und ihr Mann sieben Enkel zu verdanken. Diese leben hunderte Kilometer entfernt, Häders fahren oft zu ihnen. „Und im Sommer kommen die Enkel zu uns.“ Dann ruht auch mal das Ehrenamt. Doch sie möchte keineswegs auf all diese Aufgaben verzichten. Denn: „Das Schöne ist, wir geben und erhalten von vielen etwas zurück – ein Dankeschön.“