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Wenn sich Eltern trennen …

Derzeit arbeiten im Team in Weißwasser Bettina Rießner (M), Diana Zielske (hinten l.), Sabine Wehe (3.v.r.) und Gudrun Wenzel (2.v.r.). In der Außenstelle in Niesky sind Johanna Kirmes (r), Anja Noatsch (vorn l.), Sandra Neumann (in Elternzeit) und Roswitha Friese (hinten 2.v.l.) tätig.
Derzeit arbeiten im Team in Weißwasser Bettina Rießner (M), Diana Zielske (hinten l.), Sabine Wehe (3.v.r.) und Gudrun Wenzel (2.v.r.). In der Außenstelle in Niesky sind Johanna Kirmes (r), Anja Noatsch (vorn l.), Sandra Neumann (in Elternzeit) und Roswitha Friese (hinten 2.v.l.) tätig. FOTO: Diakonie
Weißwasser. Seit zwei Jahrzehnten gibt es die Familien- und Erziehungsberatungsstelle nun schon in Weißwasser. In dieser Zeit haben sich die Themenschwerpunkte total verändert, sagt Bettina Rießner. Gabi Nitsche

Die 52-Jährige aus Niesky leitet die Beratungsstelle seit 2003. "Die Probleme, mit denen wir konfrontiert werden, sind heute bedeutend vielfältiger. Am Anfang kam eine Mutter zu uns, weil ihr Kind mit sieben Jahren noch immer einpullerte. Heute gibt es noch so viele Dinge um ein Problem herum, die wir beachten müssen." Es könne ein Familienleben schon ganz schön durcheinander bringen, wenn einer arbeitslos oder schwer krank wird, wenn die Oma als innige Bezugsperson stirbt. "Seit 2013 sind Trennungen zum Beispiel bei uns das Thema Nr. 1", so Bettina Rießner. Wenn vieles zusammenkommt, frage man sich schon, wo man am besten anfängt, die Familie zu unterstützen.

Seit 2009 sind Richter angehalten, Eltern, die sich trennen wollen und vor Gericht streiten, zuerst in eine Beratung zu schicken. Ziel sei es, so die Leiterin, wenigstens zu versuchen, dass sich Mutter und Vater friedlich einigen. Mal gelinge das, mal weniger. Bettina Rießner und ihre Kolleginnen sehen sich ein bisschen als "Brückenbauer". "Es geht darum, das Kind im Blick zu haben und den Konflikt auf Paarebene außen vor zu lassen. Es ist oft nicht einfach, das den streitenden Eltern zu vermitteln. Manche zerren an ihren Kindern herum, das ist echt gruselig."

Was den Beratern große Sorge bereitet, sind die gewaltigen Dimensionen von Cyber-Mobbing, denen manche Kinder und Jugendlichen ausgesetzt sind. "Da wird in sozialen Medien irgendwas gepostet, ohne vorher groß darüber nachzudenken, und dann geht's los." Bettina Rießner und ihre Mitarbeiterinnen wissen um so manche schlimme Geschichte und wie sich Jugendliche gegenseitig rundmachen. "In Klassen-Chats reagiert ja nicht nur einer, sondern sehr viele." Und das würde dann alles auf den "Absender" einprasseln.

Doch nicht nur im Internet ist Mobbing ein Thema. Auch im Schulalltag. "Kinder können untereinander sehr hässlich sein." Meist seien es die Mütter, denen es auffällt, wenn mit ihrem Kind irgendetwas nicht stimmt, und bitten dann in der Erziehungs- und Familienberatung um Hilfe und Rat. Sie würden die Angebote nutzen. Im Vergleich zu vor 20 Jahren sehen es längst nicht mehr so viele Eltern als Makel, sondern als Kompetenz, wenn sie sich Hilfe holen, berichtet Bettina Rießner.

Auffällig sei: "Mütter sind überwiegend die Familien-Manager. Wobei auch im Verhältnis zu unseren Anfängen inzwischen mehr Väter den Weg zu uns suchen", berichtet Bettina Rießner von den Erfahrungen im Alltag der Beratungsstellen in Weißwasser und Niesky mit insgesamt acht Mitarbeitern.

Diese unterstützen die Rat suchenden Menschen - egal, ob es sich um Erziehungsfragen, Schwierigkeiten im Lern- und Leistungsbereich, verhaltens- oder psychosomatische Auffälligkeiten oder traumatische Erfahrungen handelt, wenn ein Elternteil psychisch erkrankt ist.

Altersmäßig würden Eltern oftmals mit ihren Kindern nicht klarkommen, wenn diese in der Trotzphase sind, also im Alter von drei oder vier Jahren. "Die nächste Herausforderung kommt meist mit der Pubertät." Da sich vor allem die Mädchen gegenüber früher heutzutage rasant entwickeln, kann das schon ab zehn, elf Jahren der Fall sein.

Auch an Quantität haben die Anforderungen an die Fachleute in den 20 Jahren zugenommen. Bettina Rießner lässt Zahlen sprechen: "Angefangen haben wir 1997 mit 74 Familien. Ein Jahr später stieg die Betreuungszahl auf 195, und für 2016 stehen 519 Familien zu Buche. 345 Familien davon allein in Weißwasser."

"Wir blicken stolz auf die vergangenen Jahre zurück", sagt die Chefin und weiß sich eins mit ihren Frauen im Team. Dass Ratsuchende ihnen so viel Vertrauen entgegenbringen, sei ein Grund dafür. Aber da sind auch "die vielen wundervollen Momente, in denen wir sie ein Stück auf ihrem Weg begleiten konnten", formuliert es Bettina Rießner.

Zum Thema:
Die Beratungsstelle gehört zur Diakonie Hoyerswerda-Görlitz. Im März 1997 nahmen die Mitarbeiter ihre Arbeit in einer Wohnung in Weißwasser-Süd auf. Im gleichen Jahr erfolgte der Umzug ins Korczak-Haus in Weißwasser. Dort fühlte sich das Team sehr wohl. Kinder, Jugendliche und deren Eltern nahmen die verschiedenen Angebote zunehmend in Anspruch.Die Zusammenarbeit mit der ebenfalls dort tätigen Suchtberatung sowie dem Impulsverein war für alle, auch die Rat suchenden Familien, sehr bereichernd.Im Zuge der Kreisgebietsreform 1999 öffnete in Niesky eine Außenstelle. Im Jahr 2012 zogen Familien- und auch Suchtberater der Diakonie in das von der Stadtverwaltung Weißwasser sanierte "Haus am Lutherpark" an der Brunnenstraße 8a.Sprechzeiten:Montag, Dienstag und Donnerstag von 8 bis 12 Uhr, Montag von 13 bis 15, Dienstag und Donnerstag von 13 bis 17.30 Uhr.Es gibt auch Angebote für Säuglinge und Kleinkinder. Durch individuelle Beratung der Eltern und den seit 2013 von Diana Zielske angebotenen PEKiP-Kurs in Weißwasser kann bereits in den ersten Lebensjahren eine gelingende Eltern-Kind-Interaktion gefördert werden.