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| 19:23 Uhr

Tag der offenen Tür
Wenn Kinder einmal Richter spielen

Wer ein Gerichtsgebäude betritt, muss mit Einlasskontrollen rechnen. Diese Erfahrung haben die Kita-Kinder ebenfalls gemacht. Aber natürlich haben sie dem Wachtmeister gleich einmal die Arbeit abgenommen und den Detektor ausprobiert.
Wer ein Gerichtsgebäude betritt, muss mit Einlasskontrollen rechnen. Diese Erfahrung haben die Kita-Kinder ebenfalls gemacht. Aber natürlich haben sie dem Wachtmeister gleich einmal die Arbeit abgenommen und den Detektor ausprobiert. FOTO: Christian Köhler
Weißwasser. Beim Tag der offenen Tür im Weißwasseraner Amtsgericht ist unter anderem ein Metalldetektor sehr interessant. Von Christian Köhler

Schuldig oder nicht schuldig, das ist die wichtigste Frage, die ein jedes Strafgerichtsverfahren klären soll. Als am Freitagvormittag die Kids der Kita Regenbogen aus Weißwasser das Amtsgericht und vor allem den Gerichtssaal in Beschlag genommen haben, verteilen sich die Kleinen schnell auf den Sitzen im Saal. Wer aber Richter, Angeklagter oder Staatsanwalt ist, spielt eigentlich keine Rolle. Denn interessant sind vor allem die Süßigkeiten, die auf den Plätzen liegen. „Wir machen eine Stadtrallye und waren erst vor Kurzem bei der Polizei“, erzählt Erzieherin Nicole Noack. Dort hatten die Beamten dem Nachwuchs erzählt, wer etwas stiehlt oder jemanden anderen schlägt, muss sich vor Gericht verantworten. „Insofern passt es ganz gut, dass wir heute im Gericht sind“, erklärt die Erzieherin.

Das Amtsgericht der Glasmacherstadt hat am Freitag nämlich – wie alle Gerichte im Freistaat – zum Tag der offenen Tür geladen. Auf eine Feierstunde anlässlich 25 Jahre unabhängige Gerichtsbarkeit hatte man bewusst verzichtet, sondern stattdessen lieber Interessenten, Einwohnern und eben den Kita-Kindern Einblicke in die Arbeitsweise eines Gerichtes geben wollen. Trotzdem wissenswert: Am 1. Januar 1993 sind die Amts-, Landes- und Oberlandesgerichte samt Staatsanwaltschaften eingerichtet worden. Die Kreis- und Bezirksgerichte wurden aufgelöst. Fortan ist Weißwasser Sitz eines Amtsgerichtes gewesen, dessen Zuständigkeit bis heute einen großen Teil des Görlitzer Landkreises abdeckt. Bis fast an die A 4 im Süden und bis zur Kreisgrenze im Westen reicht das Gebiet.

Das aber ist den Kindern nicht ganz so wichtig. Sie haben sich lieber beim Wachtmeister am Eingang zum Gericht den Metalldetektor geschnappt. „Damit kontrollieren wir, dass niemand einen scharfen Gegenstand oder eine Waffe ins Haus bringt“, erklärt die Geschäftsstellenleiterin Anja Fritsche den Kleinen. Die probieren prompt aus, wann das Gerät piept.

Den Erwachsenen aber erklärt Amtsgerichtsdirektor Martin Hinrichs weiter, dass es im Weißwasseraner Gericht mehrere Bereiche gibt, die von unterschiedlichen Gerichtsbediensteten betreut werden. „Man denkt bei Gericht immer an Richter, aber ein entscheidender Faktor für das Funktionieren eines Gerichtes sind auch die Rechtspfleger“, so der Direktor. In Weißwasser sind gegenwärtig neun im Einsatz, die sich beispielsweise im Nachlass-Gericht oder im Grundbuchamt in der Carl-Friedrich-Gauss-Straße tummeln. „Wir haben jährlich aber auch etwa 80 Strafverhandlungen, 70 Verhandlungstage bei Zivilsachen und etwa 1600 ständige Verfahren in Sachen Betreuung“, erklärt Martin Hinrichs. Gerade bei den Betreuungen greift das Gericht auf den Betreuungsverein zurück, der vom Gericht dann eingesetzt wird, wenn „Menschen aufgrund ihrer gesundheitlichen Verfassung sich nicht mehr um sich selbst kümmern können und keine Angehörigen da sind“, erklärt Simone Schwarzkopf. Die Weißwasseranerin ist Mitarbeiterin im Verein, setzt sich seit Jahren für Menschen ein, die eine psychische Krankheit oder eine Behinderung haben. „Wir nutzen den Tag, um uns vorzustellen und den Leuten unsere Arbeit näher zu bringen“, erklärt Simone Schwarzkopf.

Unterdessen sind die Kids der Regenbogen-Kita schon wieder aus dem Gerichtssaal raus. Und wer weiß, vielleicht arbeitet der ein oder andere einmal hier. „Wir suchen tatsächlich Mitarbeiter im Justizvollzug“, sagt Anja Fritsche. Aber dafür sind die Kinder noch viel zu klein. Aber zur Info: In Weißwasser gibt es die Ausbildungsberufe zum Justizfachwirt und zum Rechtspfleger.

Das ist nur eine Übung! Die Kids der Kita Regenbogen in Weißwasser haben im Gerichtssaal eine Verhandlung nachgestellt.
Das ist nur eine Übung! Die Kids der Kita Regenbogen in Weißwasser haben im Gerichtssaal eine Verhandlung nachgestellt. FOTO: Christian Köhler
Rechtspflegerin Caroline Schmidt, Elina Wyrtki und Simone Schwarzkopf vom Betreuungsverein Weißwasser.
Rechtspflegerin Caroline Schmidt, Elina Wyrtki und Simone Schwarzkopf vom Betreuungsverein Weißwasser. FOTO: Christian Köhler