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Wenn die Seele krank ist

Teilnehmer der Gesprächsrunde (v.l.n.r.): Ramona Fritzsche und Kai Förster, die selbst an einer Zwangserkrankung litten, Dr. Annett Hentschel sowie Kerstin Panoscha vom Sozialteam und Robert Seidel vom Sozialen Netzwerk Lausitz.
Teilnehmer der Gesprächsrunde (v.l.n.r.): Ramona Fritzsche und Kai Förster, die selbst an einer Zwangserkrankung litten, Dr. Annett Hentschel sowie Kerstin Panoscha vom Sozialteam und Robert Seidel vom Sozialen Netzwerk Lausitz. FOTO: M. Arlt/mat1
Weißwasser. "Bin ich anders, weil ich zwangserkrankt bin?" so ist eine Gesprächsrunde am Montagnachmittag in den Räumen der "Garage – Orte der Soziokultur" im Telux-Gebäude überschrieben gewesen. Sie fand im Rahmen der "Woche der seelischen Gesundheit" im Landkreis Görlitz statt. Martina Arlt / mat1

Mehr als 30 interessierte Gäste waren gekommen. Fachlich begleitet wurde der Nachmittag von Dr. Annett Hentschel (41), die seit 2014 in Weißwasser mit ihrer Psychotherapeutischen Praxis präsent ist. Gern stellten sich auch Ramona Fritzsche aus Löbau und Kai Förster aus Beiersdorf diesem Thema, denn sie waren selbst von Zwangserkrankung betroffen und wissen genau, wovon sie sprechen.

"Von diesen Erkrankungen ist circa ein Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens betroffen. Dabei handelt es sich um die vierthäufigste psychische Störung, die einfach viel zu oft in der Gesellschaft verschwiegen wird", so Dr. Annett Hentschel. Es gibt Reinigungs- und Waschzwänge, Ordnungszwänge oder man schaut mehrmals hintereinander, ob das Bügeleisen, der Herd oder die Kaffeemaschine ausgeschaltet wurden oder kontrolliert viele andere Dinge, die sich der Betroffene dann einredet.

Doch was sind Zwangserkrankungen? Es handelt sich um eine psychische Störung, deren wesentliche Kennzeichen wiederkehrende unerwünschte Gedanken und zwanghafte Handlungen sind, die den Betroffenen immer wieder stereotyp beschäftigen. Von einer Zwangsstörung wird erst gesprochen, wenn sich derartige Verhaltensweisen andauernd wiederholen und ein solches Ausmaß annehmen, dass der Betroffene im Alltag beeinträchtigt ist.

So konnte auch Ramona Fritzsche aus Löbau aus eigenen Erfahrungen davon berichten: "Beispielsweise war es bei mir das Prüfen, ob die Tür wirklich geschlossen ist. Man geht immer wieder zurück, obwohl man weiß, dass man sie gerade erst abgeschlossen hat. Es macht sozusagen einfach nicht Klick im Kopf, dass man es gerade getan hat und man nicht noch einmal zurückgehen muss."

Auch Kai Förster hatte mit dieser Erkrankung zu kämpfen, doch er hat wieder eine gute Lebensqualität bekommen. Er erzählte, wie er beispielsweise extrem lange unter der Dusche stand, ewig lange mit dem Zähneputzen beschäftigt war oder auch eine extreme Angst vor Autos hatte. Doch meist können diese Erkrankungen nicht nur durch Medikamenteneinnahmen überwunden werden. Kai Förster stellte sich diesem Problem, unterzog sich einer Therapie in einer Klinik und ist heute sehr froh, dass er sich für diesen Weg entschieden hat.

Besonders für Angehörige in der Familie ist es oft schwer, diese besonderen Verhaltensweisen nachzuvollziehen. Akzeptanz ist ganz wichtig, wenn jemand von dieser Zwangserkrankung betroffen ist, weiß Kai Förster aus eigenem Empfinden.

In der "Woche der seelischen Gesundheit" wird am heutigen Mittwoch in Weißwasser in der alten Formwerkstatt in der Telux der Film "Vergiss mein nicht" präsentiert. Es schließt sich eine Diskussion zum Thema Demenz an. Die Mitarbeiter vom Sozialen Netzwerk Lausitz laden ein. Der Besuch der Veranstaltung ist kostenfrei. Beginn ist um 17 Uhr.