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Motorsport
Wenn die Autos nur 0,1 Sekunden trennen

Christian Doerr, Anders Gröndal, Matthias Kahle und Roger Eilertsen (v.l.n.r.) lieferten sich bei der Rallye ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
Christian Doerr, Anders Gröndal, Matthias Kahle und Roger Eilertsen (v.l.n.r.) lieferten sich bei der Rallye ein Kopf-an-Kopf-Rennen. FOTO: Regina Weiß / LR
Boxberg . Die Lausitz-Rallye kann man mit allen Sinnen genießen.  Die Motoren sind lautstark zu hören. Es riecht nach zu heißer Bremse. Benzin liegt in der Luft. Und man kann die Rallye schmecken. Etwas sandig okay, aber kein Wunder bei dem Schotterevent.

Es ist die 20. Rallye, die  rund um Boxberg über die Bühne gegangen ist. Sie hat sich selbst beschenkt. Zum einen mit Kaiserwetter am Samstag und zum anderen mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen der ersten beiden Teams. Als der Showstart am Freitag in Uhyst stattfindet, ahnt keiner, dass die Starter 1 und 2 auch als Erster und Zweiter auf den Plätzen landen werden. Im Gegenteil, der Norweger Anders Gröndal mit Roger Eilertsen sowie die Lokalmatadoren Matthias Kahle und Christian Doerr machen es bei den Wertungsprüfungen spannend, wie noch nie. Am Freitagabend trennt beide Teams gerade mal eine Sekunde. Aber das geht noch besser. Nach dem Rundkurs um den Bärwalder See sind es 0,1 Sekunden (!).  Es hat fast den Anschein, als wollten die beiden Teams gemeinsam über die Ziellinie fahren. „Das wäre sicherlich der goldene Weg“, sagt Christian Doerr der RUNDSCHAU  und schiebt gleich hinterher: „Es ist überhaupt keine Schande, wenn wir diesmal nicht gewinnen und es Anders macht.“ Doerr hatte schon vor dem Rennstart gesagt, dass der Norweger der Maßstab sein werde. Er war in diesem Jahr auch mehr auf Schotter unterwegs gewesen. Die Erfahrung macht dann am Ende doch 22 Sekunden Vorsprung aus.

Und so geht der Sieg der 20. Rallye an  das norwegische Team. Diese freuen sich sichtlich über den Titel. Ist es doch der vierte, den sie aus der Lausitz entführen.

Erik Lorenz aus Thum im Erzgebirgskreis sollte nun überlegen, ob er Lotto spielt. Der Schüler hatte nämlich auf den Norweger als Sieger gesetzt. Extra einen Tag schulfrei hat er sich genommen, um wieder beim Rennspektakel dabei zu sein. Mit seinen Eltern ist er wie im Vorjahr in die Lausitz gereist und  wieder begeistert. „Wir haben uns das ganze Jahr schon darauf gefreut“, lassen die Gäste wissen. Aus Moritzburg und Eckartsberg sind Karl, Thea und Timo dabei. Die Väter Thomas und Michael Knöbel und der Rest der Familie haben an alles gedacht. Auf den Klappstühlen lässt es sich bequem sitzen und an Verpflegung mangelt es nicht. Sogar „Renn-Ersatzfahrzeuge“ sind dabei. Zumindest ganz kleine. Timo hält sie fest und überlegt schon mal laut, so in ungefähr zwölf Jahren auch an den Start gehen zu wollen. „Er sucht schon mal einen Sponsor“, wird lachend eingeworfen. Motorsport liegt bei den Knöbels nämlich in den Genen. Sie drücken alle ihre Daumen für Matthias Kahle. „Aber der muss noch mehr den Splint ziehen“, findet Michael Knöbel.

Celine Funke aus Uhyst ist glücklich, trägt sie doch gerade zwei Autogramme ihres Vorbildes stolz nach Hause. Das junge Mädchen ist Billardsportlerin. Ihr Vorbild ist Matthias Kahle. Per Handy hat sie die Ergebnisse der Rallye genau im Blick. „Er hat aufgeholt“, teilt sie der RUNDSCHAU-Reporterin freudestrahlend mit. Aufgeholt haben auch andere. Albert von Thurn und Taxis nimmt sich am Start vor, bei der 20.Lausitz-Rallye auf Platz fünf zu landen. Am Ende erreicht er mit seiner Beifahrerin Sandra Bufe Platz drei. Carsten Mohe und Alexander Hirsch aus dem Erzgebirge gehen am Freitag ganz entspannt an den Start. Gerade mal 20 Kilometer Training haben sie mit ihrem Allrad-Fahrzeug beim Shakedown hinter sich. Mohe ist sonst Spezialist für Frontantrieb.  Am Samstag schleppt er deshalb schon einige Sekunden als Zusatzgepäck mit, doch er wird immer besser. Wenn die Rallye doch nur eins, zwei Tage länger wäre, unkt sein Sandkastenfreund Andreas Härtel. Gemeinsam mit Tochter Jule ist er am Samstag in Crottendorf um 6 Uhr aufgestanden, um pünktlich in der Arena in Sprey zu sein. Dort fliegt der Schotter, wenn die Autos driften. Genau das sei hier das besondere Flair, so Haertel.

Ellen und Günter Klemm haben aus Weißwasser nicht so eine lange Anreise. Seit zig Jahren zählen sie sich zu den Fans des Events. „Dass die Autos hier auf Schotter fahren, macht was ganz anderes her. Außerdem ist es wie eine große Familie“, beschreibt Günter Klemm das Gefühl. Dieses versucht er auch, in hunderten von Fotos festzuhalten. Beide bedauern, dass es zum 20. Geburtstag keinen Showstart in Weißwasser gegeben hat. So ein Auftritt hätte sich die Rallye einfach verdient gehabt.

Der Umzug an den neuen Standort in Uhyst hat nicht nur erheblichen Aufwand gekostet, sondern auch Nachteile gehabt. „Der Platz für das Fahrerlager ist nicht wirklich geeignet. Auch die eine Aus- und Einfahrt haben Probleme gemacht“, muss Chef-Organisator Wolfgang Rasper vom Gastgeber Rallye-Renn- und Wassersport-Club Lausitz bei allem Positiven rund ums Jubiläum schon mal resümieren. Landrat Bernd Lange (CDU) hat ihm noch bei der Sieger-Ehrung versprochen, dem Club bei der Suche nach einem neuen Platz zu helfen. Außerdem hat er Rasper gebeten, weiter am Ball zu bleiben. Damit hat der Boxberger seinen Dienstauftrag für die 21. Rallye schon erhalten...  

Der Parkplatz an der Arena spricht Bände. Die Besucher kamen aus allen Teilen Deutschlands sowie aus Polen und Tschechien.
Der Parkplatz an der Arena spricht Bände. Die Besucher kamen aus allen Teilen Deutschlands sowie aus Polen und Tschechien. FOTO: Regina Weiß / LR
Blick ins Allerheiligste - das Rallye-Zentrum in Boxberg.
Blick ins Allerheiligste - das Rallye-Zentrum in Boxberg. FOTO: Regina Weiß / LR
Der Schotter fliegt auch auf dem Rundweg am Bärwalder See
Der Schotter fliegt auch auf dem Rundweg am Bärwalder See FOTO: Regina Weiß / LR
Thomas, Karl, Thea und Timo sind als Zuschauer bestens für die Rallye ausgestattet
Thomas, Karl, Thea und Timo sind als Zuschauer bestens für die Rallye ausgestattet FOTO: Regina Weiß / LR
Pentti Veikkanen und Timo Jaakokola sind  mit ihrem historischen Porsche zum ersten Mal in der Lausitz am Start. Sie wollen ihren Porsche hier zum Fliegen bringen, scheiden aber schon am Freitag aus.
Pentti Veikkanen und Timo Jaakokola sind  mit ihrem historischen Porsche zum ersten Mal in der Lausitz am Start. Sie wollen ihren Porsche hier zum Fliegen bringen, scheiden aber schon am Freitag aus. FOTO: Regina Weiß / LR