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| 02:55 Uhr

Wenn dein Marktwert null ist

Olaf Winkler (l.) und Dirk Heth haben den Film "Der Große Irrtum" gedreht.
Olaf Winkler (l.) und Dirk Heth haben den Film "Der Große Irrtum" gedreht. FOTO: Agentur
Weißwasser. Wie Bürgerarbeit als Instrument der Arbeitsbeschaffung in Ostdeutschland gewirkt hat, will der Dokumentarfilm "Der große Irrtum" zeigen. Der Verein Kultursofa zeigt ihn am Samstag und hat dessen Schöpfer eingeladen. Christian Köhler

"Meine eigene Betroffenheit hat mich dazu gebracht, einen Film über das Projekt Bürgerarbeit zu machen", sagt Olaf Winkler. Er hat den Film "Der Große Irrtum" zwischen 2007 und 2011 gemeinsam mit Regisseur Dirk Heth gedreht und produziert hat. Die beiden Männer sind durch den Osten von Deutschland gereist und haben dabei Menschen getroffen, die seit Jahren arbeitslos sind und in verschiedenen Maßnahmen der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter tätig waren.

"Das Projekt Bürgerarbeit habe ich damals als sehr spannend empfunden", erklärt Winkler, "und für mich war es geradezu ein Hoffnungsschimmer, Arbeitsbeschaffung völlig neu zu denken."

Mittlerweile sieht auch er das Projekt, so wie es letztlich umgesetzt wurde, als gescheitert an. "Wir bewegen uns, was die gesellschaftliche Richtung angeht, eher rückwärts als vorwärts", so Winkler. Deshalb richte sich der Film besonders an die Jugend. Wie hoch wird ihr Marktwert einmal sein?, fragt Winkler.

Er und Heth haben in ihrem Film das Projekt selbst begleitet und dabei die Menschen gezeigt, die es umgesetzt haben sowie die, die es letztlich betroffen hat. "Wir haben eine sehr subjektive Erzählstrategie gewählt", erläutert Winkler. Dass der Film dabei polarisiert, ist ihm durchaus klar. Deshalb will er mit den Menschen diskutieren und ihre Sicht erfahren. "Wir haben beide etwa 30 Diskussionen miterlebt", erinnert sich der Filmemacher. Diese hätten von kompletter Abneigung bis zur Zustimmung gereicht. Es komme darauf an, ob sich die Leute mit den dargestellten negativen Aspekten identifizieren oder über vorgestellte Alternativkonzepte unterhalten wollen, ist sich Olaf Winkler sicher. Winkler hat sich dabei die Reaktion einer Frau eingeprägt, die nach dem Film gesagt hat: "Am betroffensten hat mich die Achtlosigkeit der Unbetroffenen gemacht."

Er selbst sei noch nicht in Weißwasser gewesen, freue sich jedoch darauf, mit dem Publikum nach dem Film sprechen zu können. Genau das hat den Weißwasseraner Verein Kultursofa besonders gereizt. "Wir haben schon einige Filme in den letzten Jahren gezeigt", berichtet Vereinsvorsitzender René Richter, "die nicht zum Mainstream gehören und zu Diskussionen zwangsläufig führen." Deshalb sei er besonders froh darüber, dass am Samstag in der Station Junger Naturforscher und Techniker auch der Filmemacher selbst anwesend ist. "Etwas Besseres kann doch gar nicht passieren", so Richter.

Zudem habe der Verein auch den Bürgermeister und weitere Mitglieder der Stadtverwaltung sowie der Agentur für Arbeit eingeladen. Ob sie kommen, bleibt offen.

"Auch wenn der Film nicht in Weißwasser gedreht wurde, so sind die sozialen und gesellschaftlichen Probleme, die der Film aufwirft, hier genauso allgegenwärtig", stellt der Vorsitzende fest. Für die Mitglieder des Vereins sei es daher ein Anliegen gewesen, jedem die Möglichkeit zu geben, den Film zu sehen und ihn nach Weißwasser zu holen.

Um 21 Uhr in der Station Junger Naturforscher Techniker zeigt das Kultursofa den Film "Der Große Irrtum". Der Eintritt ist frei. Seite 6