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| 13:52 Uhr

Muskauer Park
Die doppelte Inszenierung

 Fürstin Lucie von Pückler-Muskau muss sich erst mal die Gartenschürze ablegen, bevor sie die Gäste der „Blauen Stunde“ in Empfang nehmen kann.
Fürstin Lucie von Pückler-Muskau muss sich erst mal die Gartenschürze ablegen, bevor sie die Gäste der „Blauen Stunde“ in Empfang nehmen kann. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau . Die Besucher der Premiere der „Blauen Stunde“ 2019 haben im Muskauer Park nicht nur jede Menge Spaß, sondern auch einen lehrreichen Zugewinn. Von Regina Weiß

Da hat sich Rosl Huber extra das Hufeisen um den Hals gehängt, damit es ihr auf Schritt und Tritt Glück bringt – natürlich mit den Enden nach oben, sonst fällt das Glück raus – und dann das. Da sitzt ihr Mann Sepp lallend auf der Schlossrampe ans Geländer gelehnt und hält sich an seinem Bierkrug fest. Auch wenn Rosl das am liebsten für die Parkbesucher ungesehen machen möchte, aber ihr Mann spielt da nicht mit. Er ist so laut, dass alle alles mitkriegen. Später am Abend wird es noch krasser: Dann kassiert Sepp sogar Schläge, weil seine Angetraute über sein Benehmen regelrecht in Rage gerät.

Um Himmelswillen, wer verliert denn hier im Weltkulturerbe so was von die Contenance? Die Antwort: Bierernst darf man das alles nicht nehmen. Wobei Bier das richtige Stichwort ist. Das hat nämlich Sepp erst in diese für seine Ehe so verhängnisvolle Situation gebracht. Der Fürst persönlich – also Hermann von Pückler-Muskau – hat den Bayern Sepp extra in die Lausitz geholt, damit der den Muskauern zeigt, wie richtig Bier gebraut wird. Doch die „Saupreußen“ – O-Ton Braumeister Sepp – haben ja überhaupt keine Ahnung. Wurzeln und Kräuter und anderen Dreck haben sie ins Gebräu geschmissen. Dabei gehören doch nur drei Sachen rein: Gerste, Hopfen und Wasser. So macht das der Sepp. Und mit jedem Schluck mehr wächst sein Stolz auf sein Muskauer Schlossbräu. Da ihm Eigenlob nicht reicht, lässt er auch die Zaungäste kosten. Und da das Bier seine Zunge lockert, erfahren die Besucher, dass schon die alten Ägypter damit zufällig Erfahrungen machten. Der Brotteig ging über. Sie schütteten Wasser drauf. Es gärte und siehe da, der Trank drehte.

Damit das Bier in Muskau gut wird, muss man sich aber nicht nur an die richtigen Ingredienzien halten, sondern darf nur zwischen dem 29. September und 23. April brauen. In der neuen Brauerei am Mühlgraben passiert das. Außerdem gibt es mit dem neuen Eiskeller gute Lagerungsmöglichkeiten. Doch das heutige Bier wird noch gebraucht. In der Küche vom Schloss. Schließlich soll der Braten eine Biersoße bekommen. „Die Köchin braucht die doppelte Menge“, weist Fürstin Lucie an. Sepp hat die passende Antwort: „Dann bekommt sie Doppelbock.“ Damit hat er die Lacher auf seiner Seite.

 Braumeister Huber (alias Dietmar Damzog) ist ganz ins seinem Element. Später steigt ihm sein eigenes Gebräu allerdings zu Kopf.
Braumeister Huber (alias Dietmar Damzog) ist ganz ins seinem Element. Später steigt ihm sein eigenes Gebräu allerdings zu Kopf. FOTO: Regina Weiß
 Braumeister Huber (alias Dietmar Damzog) ist ganz ins seinem Element. Später steigt ihm sein eigenes Gebräu allerdings zu Kopf.
Braumeister Huber (alias Dietmar Damzog) ist ganz ins seinem Element. Später steigt ihm sein eigenes Gebräu allerdings zu Kopf. FOTO: Regina Weiß

Der Einstieg zur „Blauen Stunde“ 2019 ist sehr amüsant und wahrlich gelungen. Man braucht dafür nur in die Gesichter der 45 Premierengäste zu schauen. Bereits im zehnten Jahr unterhalten Laienschauspieler bei ihren Spaziergängen durch den Park mit Muskauer Geschichte(n). Dabei kommen sowohl Figuren aus der Historie zu Wort wie auch erfundene Charaktere. Die Cottbuserin Katrin Moschner hat die Texte innerhalb einer Woche zusammengestellt. „Ich hatte Zeitdruck“, lacht sie. Die Ideen standen allerdings schon am Saisonende 2018 fest. Dass mit der Brauerei und der Muskauer Keramik zwei Themen vorkommen, auf die in diesem Jahr auch die Stiftung Fürst-Pückler-Park setzt, ist ein wahrlich glücklicher Umstand. Zehn Darsteller – Parkführer, Angestellte der Stiftung oder Freunde des Parks – sowie Dorothea Wollstadt von der Musikschule Dreiländereck bilden auch in diesem Jahr das Ensemble. Nach einer Generalprobe habe sie am Freitagabend ihre Premiere gut gemeistert, finden die begeisterten Gäste, die aus nah und fern stammen.

Sie werden in die Zeit von 1826 zurückversetzt. „In den Oktober – die Temperaturen stimmen schon mal“, spielt Katrin Moschner aufs Wetter an. Sie schlüpft wieder in die Rolle von Lucie von Pückler-Muskau. Sie muss sich um Schloss und Park allein kümmern. Der Ex-Gatte weilt schließlich in England. Zur Brautschau. Zu allem Unglück ruft er auch noch Gärtnermeister Rehder ab. Hinzu kommt, dass das Bankhaus der Pücklers Bankrott gegangen ist. Kein Wunder also, dass sich Lucies Tochter Adelheid Sorgen um „Maman“ macht. Doch die Tochter kennt ihre Mutter gut: Lucie kann endlich schalten und walten... Dabei gehören doch, wie Leutnant von Müffling den Besuchern erklärt: Weiber in die Küche, zum Kochen und Unterhosen waschen. Er hat schon wieder eine ganz große Klappe, dabei hat ihn Gartenmeister Rehder gerade beim Diebstahl von Pflanzen erwischt.

Dabei ist das richtige Grün an der richtigen Stelle so wichtig für den Park. Mit ihrem Hermann habe sie schließlich alles vor ihrem inneren Auge schon gesehen. In Wirklichkeit wird es weder Lucie noch Hermann gelingen. „Es braucht doch 150 Jahre, bis alles groß ist“, erklärt die Fürstin. Sie lehrt den Gästen des besonderen Spaziergangs, wie man den Park zu lesen hat. Die Malerei habe Pate gestanden. So haben Gebäude immer einen Rahmen: einen grünen im Muskauer Fall. Man sieht Schloss oder Orangerie nur richtig, wenn man ganz davor steht. „Vorhang auf, Vorhang zu“, ist beim Rundgang zu hören. Eine perfekte Inszenierung. Zudem gibt Lucie den Gästen noch zwei Tipps mit an die Hand: „Die Wege sind die stummen Führer, man braucht nur auf ihnen zu laufen. Und das Wasser ist das Auge der Landschaft – es spiegelt sie.“

 Das Neue Schloss übernimmt bei der „Blauen Stunde“ eine „Nebenrolle".
Das Neue Schloss übernimmt bei der „Blauen Stunde“ eine „Nebenrolle". FOTO: Regina Weiß
 Das Neue Schloss übernimmt bei der „Blauen Stunde“ eine „Nebenrolle".
Das Neue Schloss übernimmt bei der „Blauen Stunde“ eine „Nebenrolle". FOTO: Regina Weiß

Für Töpfersfrau Maja ist der Park eine Idylle, wo sie am Abend verschnaufen kann. Kein Wunder hat sie doch seit den Morgenstunden auf dem Muskauer Markt ihre Keramik verkauft. 20 Töpfermeister und das doppelte an Gesellen haben einst mit ihrem Können dafür gesorgt, dass „Muskauer Töpferwaren weltbekannt sind.“ Jetzt ist es der Park.

Die Führungen zur „Blauen Stunde“ finden am 17. Mai , 14. Juni, 12. Juli, 16. August (ab 20 Uhr) und 13. September (ab 19 Uhr) statt. Interessenten sollten sich wegen der großen Nachfrage anmelden: 035771 63100 oder info@muskauer-park.de.

 Fürstin Lucie von Pückler-Muskau muss sich erst mal die Gartenschürze ablegen, bevor sie die Gäste der „Blauen Stunde“ in Empfang nehmen kann.
Fürstin Lucie von Pückler-Muskau muss sich erst mal die Gartenschürze ablegen, bevor sie die Gäste der „Blauen Stunde“ in Empfang nehmen kann. FOTO: Regina Weiß