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Weniger Masse, dafür hohe Qualität

Die Ernte 2017 kann sich durchaus sehenlassen. Allerdings ist der Ertrag geringer als im vergangenen Jahr.
Die Ernte 2017 kann sich durchaus sehenlassen. Allerdings ist der Ertrag geringer als im vergangenen Jahr. FOTO: amz1
Rietschen. Traditionell zum Natur- und Fischerfest ist im zweieinhalb Hektar großen Erlichtteich neben dem Rietschener Erlichthof Erntezeit. Die Fischer der Fischzucht Rietschen GmbH holen mit ihren Netzen Plötze, Barsche, Welse, Hechte und insbesondere Karpfen aus dem zehn Grad warmen Wasser. amz1

Geschäftsführer Helmut Tusche rechnet mit einer geringeren Ernte als vor zwölf Monaten.

Dafür sei aber die Qualität der Kiemenatmer erstklassig. "Ich habe diesmal gemischte Gefühle", sagt der Experte. "Denn die Fische wiegen pro Stück etwa 100 Gramm weniger als vor einem Jahr. Das liegt am wechselhaften Sommer. 2016 kam uns der sehr warme September entgegen. Dafür ist aber die Qualität der Tiere 1A." Pro Hektar Wasserfläche werde mit einem Ertrag von gut 500 Kilogramm gerechnet. Vor einem Jahr waren es 550 Kilogramm.

Die Fischverluste durch Krankheiten hätten sich in der zu Ende gehenden Saison in Grenzen gehalten. Dafür seien aber die "üblichen Verdächtigen" wieder sehr aktiv, Beispielsweise Kormorane, Fischreiher und Fischotter. Allein von den Kormoranen kämen im Rietschener Teichgebiet zwischen 300 und 500 Vögel vor. Nur an einem einzigen Tag vertilge diese Meute zwischen 100 und 150 Kilogramm Fisch. Die Rietschener Fischer bewirtschaften drei Gewässergruppen mit insgesamt 48 Teichen, die eine Gesamtwasserfläche von 350 Hektar umfassen.

Knapp 3000 Besucher zählt das Rietschener Natur- und Fischerfestes. Viele verfolgen gespannt das Abfischen. Dazu gehört auch Gisela Nicko aus Sagar. "Ich bin heute das erste Mal dabei. Und natürlich nehme ich gleich Fisch mit. Zander oder Karpfen in Butter gebraten, einfach lecker." Als Stammgast beim Abfischen am Erlichtteich bezeichnet sich Julia Walther aus Bremenhain. "Für meine beiden Kinder ist das natürlich eine richtige Attraktion. Und die beiden essen auch gern Fisch."

Auf dem eigentlichen Erlichthof-Gelände ist ebenfalls eine Menge los. Nach Angaben von Marktleiterin Sabine Wiering haben sich fast 80 Händler aus drei Bundesländern angekündigt, so viele wie wohl noch nie. Neu seien ein Fackel-Hersteller, eine Pantoffel-Produzentin sowie eine Töpferei. "Wir legen großen Wert auf heimisches Handwerk", erklärt Wiering. Das große Besucherinteresse sei für sie und ihr Team der größte Lohn. "Wir haben lange genug unter der gesperrten Rietschener Ortsdurchfahrt leiden müssen", so die Expertin.

Riesenandrang herrscht auch bei der Pilzausstellung des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Herbert Schnabel und seine Mannschaft haben innerhalb eines Vormittages sage und schreibe 173 Pilzarten zusammengetragen. Darunter befänden sich auch solche Exemplare, die noch nicht einmal in den gängigen Fachbüchern verzeichnet sind. Schnabel hat den Namen dennoch recherchiert: "Es handelt sich um einen Douglasien-Röhrling". Den habe der Ranger in der Nähe seines Heimatortes Wittichenau aufgespürt.

Gärtnerin Christina Schuster aus Laubusch trumpft dagegen mit einem reichhaltigen Pflanzenangebot auf. "Mein Hauptaugenmerk liegt auf den winterharten Herbststauden", erklärt sie. Jetzt im Herbst sei die beste Pflanzzeit. Warum? "Weil zum einen der Boden noch warm ist und zum anderen die Pflanzen nur in die Wurzeln, nicht aber in die Blüten investieren müssen", erklärt Schuster.

Auch innerhalb des Museums am Erlichthof herrscht reger Betrieb. Beispielsweise durch die fleißigen Frauen des Schleifer Stickzirkels. Verschiedene sorbische Trachtenteile werden ebenso hergestellt wie auch Spielzeug für Kinder. "Wir treffen uns immer jeden Montag um 15 Uhr in der Schleifer Schule", sagt Petra Nakoinz.

Darüber hinaus können die Erlichthof-Gäste von außen bereits die neue alte Bauernküche bewundern. Diese stammt aus der Weißwasseraner Gegend und wurde erst kürzlich in Rietschen wieder aufgebaut. Das hölzerne Ensemble enthält unter anderem einen großen Gastraum, eine Küche sowie einen nostalgischen Kachelofen, in den auch schon mal eine Gans geschoben werden könne, wie Marktleiterin Sabine Wiering erklärt. Die Eröffnung der Bauernküche sei für Anfang 2018 vorgesehen.

Der nächste Höhepunkt auf dem Erlichthof findet bereits am 8. Oktober statt. Dann wird von 10 bis 17 Uhr zur Streuobstbörse mit Herbstgartenmarkt eingeladen.