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| 06:08 Uhr

Interview mit Michael Berndt
„Die schlimmste Nacht hatte ich mit fünf Schwedinnen“

Weltenbummler Michael Berndt im kristallklaren Wasser in Palawan auf den Phillipinen. Für ihn ist das die schönste Insel der Welt.
Weltenbummler Michael Berndt im kristallklaren Wasser in Palawan auf den Phillipinen. Für ihn ist das die schönste Insel der Welt. FOTO: Michael Berndt
100 Länder, 100 Frauen, 100 Räusche: Der Kamenzer Weltenbummler und Buchautor Michael Berndt gibt der RUNDSCHAU ein „Interview der Superlativen“. Am 16. November spricht er in Rietschen live über seine Erlebnisse.

Acht Jahre war er auf Achse, hat 100 Länder bereist, 100 Frauen geküsst, 100 Räusche erlebt und ein Buch darüber geschrieben, das sich 18 000 Mal verkauft hat. Heute lebt der 33-jährige Michael Berndt mit Frau und Kindern in Kamenz. Seine Erlebnisse auf der ganzen Welt teilt er weiterhin mit seinen Fans: Am 16. November spricht er in Rietschen in einer Multimediashow über all die Abenteuer, die es nicht in sein Buch „100 Länder, 100 Frauen, 100 Räusche“ geschafft haben. Die RUNDSCHAU hat mit ihm ein „Interview der Superlative“ geführt.

Welcher war der schönste Ort auf der Reise?

Berndt Das war die Insel Pawalan auf den Philippinen, von hier aus am Ende der Welt. Dort gibt es türkisfarbenes Wasser, weiße Sandstrände direkt an den Bergen gelegen, atemberaubende Aussichten. Beim Tauchen sieht man Schiffswracks und Korallenriffe. Pawalan ist eine Insel der Superlative und überhaupt nicht massentouristisch, denn sie ist schwer zu erreichen. Entweder man bezahlt sehr viel Geld für einen Flug oder man ist drei Tage auf dem Boot unterwegs.

Weltenbummler Michael Berndt machte am 12. Mai sein Familienglück perfekt und heiratete seine Lisa.
Weltenbummler Michael Berndt machte am 12. Mai sein Familienglück perfekt und heiratete seine Lisa. FOTO: Michael Berndt

Das klingt traumhaft. Sicher gab es auch weniger schöne Momente. Welche war denn die gefährlichste Situation auf all den Reisen?

Berndt Das war in Johannesburg in Afrika, als ich einem Kumpel geholfen habe, seinen gestohlenen Laptop wiederzufinden. Wir sind dort auf den Schwarzmarkt gegangen, ich hatte nur wenig Geld dabei, mein Kumpel hatte aber Kamera und Handy eingepackt. Wir haben seinen Laptop dann auch gefunden, er musste das Teil für 500 Euro zurückkaufen. Wir haben uns dann wieder auf den Rückweg gemacht, waren aber weit und breit die zwei einzigen Weißen. Wir wurden wieder ausgeraubt. Mich hat das nicht gestört, ich hatte ja nichts dabei. Aber mein Kumpel hat stark protestiert. Und plötzlich haben sie die Waffe gezogen und auf uns gerichtet. Da hatte ich zum ersten Mal richtig Angst. Mein Kumpel hatte am Ende gar nichts mehr in der Hand.

Du hast auf deinen Reisen 100 Räusche erlebt. Welcher Rausch war am krassesten?

Berndt Es gibt zwei krasse Erfahrungen. Das war einmal in Pakistan beim Rauchen von Opium unter kontrolliertem Gebiet der Taliban. Und einmal habe ich in Bolivien Ayahuasca, das ist eine Pflanze die nur im Amazonas wächst, unter Aufsicht eines Schamanen zu mir genommen. Das war eine Zeremonie mit Musik und allem drum und dran. Man trinkt das dann, aber weil es so widerlich ist, kotzt man es auch wieder aus. Es ist kein Rausch im eigentlichen Sinne, sondern eine komplette Bewusstseinserweiterung. Ich habe am Amazonas gesessen und zum Beispiel Geräusche gehört, die kilometerweit entfernt sind. Andere haben Gott gesehen oder Kontakt zu Verstorbenen aufgenommen.

Neben 100 Räuschen gab es auch jede Menge Frauen. Um genau zu sein 100 Frauen aus unterschiedlichen Nationen. Wo hast du die heißeste Frau getroffen?

Weltenbummler Michael Berndt ist in Kapstadt angekommen - nach sage und schreibe zwei Monaten reisen per Anhalter durch Afrika.
Weltenbummler Michael Berndt ist in Kapstadt angekommen - nach sage und schreibe zwei Monaten reisen per Anhalter durch Afrika. FOTO: Michael Berndt

Berndt Na meine jetzige Frau Lisa, die habe ich zu Hause getroffen. Im Mai haben wir geheiratet. Die ganzen anderen Erfahrungen beschreibe ich in meinem Buch.

Na gut, dann fragen wir mal nach der Superlative der anderen Seite: In welchem Land waren die Frauen denn am zurückhaltendsten?

Berndt Das war in Saudi-Arabien. Als ich da endlich mal halbwegs mit einer ins Gespräch kam, habe ich mitbekommen, dass es Sittenwächter gibt, die richtig aufpassen. Allgemein in den arabischen Ländern sind die Frauen sehr keusch.

Spaß und Absurditäten gehören zu jeder Reise dazu. Welches war das lustigste Erlebnis?

Berndt Das war in Australien mit dem Camperwagen, den ich immer ganz liebevoll „Hilton“ genannt habe. Wenn ich abends auf Party war, habe ich die Frauen gefragt, ob sie mal eine Nacht im „Hilton“ verbringen wollen. Die Gesichter waren ziemlich genial, wenn ich ihnen dann meinen Camper „Hilton“ vorgestellt habe. Manche sind gegangen, andere nicht.

Von witzig zu betrübt: Was war das traurigste Erlebnis?

Berndt So viele gibt es nicht. Aber wenn man sich mit anderen Reisenden zusammenschließt und am letzten Tag von diesen sogenannten Freunden bestohlen wird, dann macht mich das traurig. Einmal wurde mir die Hälfte meines Rucksacks geklaut inklusive Kamera und Handy. Das Geld ist einem dann egal, aber wenn Fotos weg sind, ist das ärgerlich.

Du bist Tausende Kilometer gereist. Welche war die längste Fahrt am Stück?

Berndt Weil die Busse in Afrika oft miserabel und überladen sind, wollte ich eine Strecke von etwa 2500 Kilometern Tansania bis nach Zentralsambia mit dem Zug fahren. Das sollte gut 50 Stunden dauern, ich habe ein Schlafabteil gebucht. Aus 50 Stunden wurden aber fünf Tage, weil der Zug ständig irgendwo im nirgendwo angehalten hat. Niemand wusste wo und warum. Das hieß also fünf Tage aus dem Fenster gucken, schwitzen, nicht duschen, Reis essen. Ich hab mich gefühlt wie Gammelfleisch. Aber wenigstens wurden die Biervorräte zwischendurch immer wieder aufgefüllt.

Wo hast du denn die allerschlimmste Nacht verbringen müssen?

Berndt Das war gleich am Anfang in Melbourne in einem Sechsbettzimmer im Partyhostel. Da war ich mit fünf Schwedinnen in einem Zimmer. Viele hätten mich dafür beneidet, ich bin aber weder an eine Steckdose, noch ins Badezimmer gekommen, hatte viel gefeiert und wollte eigentlich nur schlafen. Als die Damen in der Nacht aufs Zimmer kamen, hatten die alle einen Kerl im Schlepptau und haben es ordentlich krachen lassen. Also wenn man oben im Doppelbett schläft, ist das dann wie auf einer Bootsfahrt. Und in einem anderen Hostel hatte ich mal Bettwanzen. Das hat die ganze Nacht durchgejuckt und ich musste alle Sachen auskochen.

Kommen wir zur finalen Superlative: Was ist die wichtigste Weisheit, die du aus den ganzen Abenteuern mit nach Hause gebracht hast?

Berndt Dafür zitiere ich mal einen Satz: ‚Abenteuer ist das Ergebnis schlechter Planung.’ Und ich hatte nie einen Plan. Das ist meine Weisheit. Wenn man sich zu viel vornimmt und zu viele Gedanken macht, wird man bloß enttäuscht. Außerdem achte ich jetzt ganz pingelig auf die Umwelt, weil ich sehr gerne getaucht bin und überall Plastikmüll gesehen habe. Das hat mein Leben stark verändert.

Mit Michael Berndt sprach
Anja Hummel

Weltenbummler Michael Berndt bei einer Vorlesung im Stadttheater Kamenz.
Weltenbummler Michael Berndt bei einer Vorlesung im Stadttheater Kamenz. FOTO: Michael Berndt