| 17:54 Uhr

Nach Hausbrand
Welle der Hilfsbereitschaft schlägt hoch

Das Haus in Mulkwitz, das in der Nacht zum Samstag durch einen Brand schwer beschädigt wurde, ist nicht mehr bewohnbar.
Das Haus in Mulkwitz, das in der Nacht zum Samstag durch einen Brand schwer beschädigt wurde, ist nicht mehr bewohnbar. FOTO: Regina Weiß
Mulkwitz. Hausbrand-Opfer Anja Brzezinski aus Mulkwitz ist von Herzen dankbar, wie viele Menschen sich für ihre Familie einsetzen. Die 31-Jährige und ihre beiden Kinder haben alles verloren. Sie suchen dringend ein neues Zuhause. Von Gabi Nitsche

Anja Brzezinski findet kaum Worte für das, was ihr und ihren Kindern in dieser schwierigen Zeit an Solidarität und Mitgefühl entgegengebracht wird. „Ich bin sehr dankbar, beeindruckt, wie viele Leute helfen wollen, die ich gar nicht kenne“, sagt die 31-Jährige und fragt sich, wie sie all diesen Menschen je danken könne.

In dem Haus an der Neustädter Straße in Mulkwitz, in dem die Familie seit 2015 lebte, wütete in der Nacht zum Samstag ein Großfeuer. Alles Hab und Gut fiel den Flammen zum Opfer. „Ich bin so dankbar, dass wir nicht zu Hause waren“, gesteht die junge Frau. Sie will sich gar nicht vorstellen, was mit ihnen hätte passieren können. „Meine Familie lebt, und das ist das allerwichtigste.“

Ihre Familie – das sind der neunjährige Sohn Arnim und die siebenjährige Tochter Emmi-Lotte. Zurzeit leben die drei sozusagen verstreut – die Kinder bei der Oma in Mühlrose, die Mutter beim Freund oder bei ihrer Mutter in Weißwasser. Und auch für Paula, die sechsjährige Labrador-Hündin, ist bei einer Freundin ein Unterschlupf gefunden worden. „Dass Paula noch lebt, haben wir der Feuerwehr zu verdanken, die unseren Hund aus den Flammen geretttet hat.

“ Anja Brzezinski nennt ihren sehnlichsten Wunsch: „Als Erstes brauchen wir dringend eine neue Wohnung.“ Am liebsten wäre ihr natürlich eine Wohnung zur Miete in einem Häuschen in Schleife oder einem der Dörfer ringsherum. „Die Kinder und ich haben uns in Mulkwitz, in der Natur, sehr wohl gefühlt, und beide gehen auch in Schleife in die Schule“, erzählt sie.

Der Schleifer Lars Stechemesser, ein guter Freund von ihr – die Kinder gehen zusammen zur Schule –, helfe ihr bei der Suche und den Behördendingen. „So ein Kumpel ist Gold wert“, so die 31-Jährige.

Dass die Familie so schnell wie möglich wieder eine Wohnung findet, wünscht sich auch Richard Rolski. Der 60-Jährige und Hans-Joachim Unger sind die Eigentümer des Wohnhauses in Mulkwitz, das nun nicht mehr bewohnbar ist. Am Gebäude entstand Totalschaden. Der liegt bei mehreren Zehntausend Euro, hatte die Polizei in einer ersten Einschätzung am Wochenende gemeldet. Rolski hat Tränen in den Augen, als er am Dienstag sagt: „Alles ist ersetzbar. Hauptsache, den Kindern ist nichts passiert.“ Die beiden seien ihm in den Jahren ans Herz gewachsen. Und als er Samstagnacht aufwachte, weil ihm kalt war – „ich hab schwer Rheuma, brauche es immer warm“ –, hörte er es knistern. „Doch es war nicht mein Kamin ... Ich bin sofort rausgerannt und hab nach den Kindern geschrien.“ Als Richard Rolski das Auto von Anja Brzezinski nicht auf dem Hof sah, hoffte nur inbrünstig, dass die Kinder nicht in ihren Zimmern sind. „Ich war total kopflos. Die Funken flogen nur so ...“

Der 60-Jährige hatte die Feuerwehr alarmiert. 54 Feuerwehrkameraden aus Mulkwitz, Rohne, Schleife, Trebendorf, Mühlrose, Groß Düben, Halbendorf und Weißwasser waren vor Ort. „Sie haben uns regelrecht umzingelt und dafür gesorgt, dass das Feuer nicht übergreifen konnte. Die Kameraden haben alles bedacht, sogar die Holzvorräte. Es hat super geklappt. Rolski spricht in höchsten Tönen von allen Einsatzkräften – Feuerwehr, Rettungssanitäter, Notarzt, Polizei. „Ich möchte mich bei allen bedanken.“

Seit Montag um 13 Uhr ist das Grundstück von den Brandgutachtern freigegeben worden. Für ihn steht der Abriss fest. Was noch nicht fest steht, sei die Brandursache. Die Kripo ermittelt laufen noch, sagt der Vermieter. Wenn mit der Versicherung alles geklärt ist, möchte er Anja Brzezinski und ihren Kindern auch gern helfen. So wie viele andere Menschen.

Dazu gehört vor allem auch Anja Brzezinskis Arbeitgeber. Die 31-Jährige ist beschäftigt beim Ambulanten Pflegedienst Zehm & Brauner GbR in Weißwasser. „Natürlich helfen wir als Arbeitgeber und Kollegen“, bringt es Stefanie Zehm auf den Punkt.

Am Montag hätten sie von dem Unglück der ihnen liebgewordenen Kollegin erfahren und sofort eine Spendenaktion gestartet. Via Facebook wurde zuerst um Unterstützung gebeten. „Als Erstes haben wir um Kleidung für die Kinder und die Mutter gebeten, die ja durch den Brand nichts mehr hatten. Wer was spenden will, kann das gern bei uns in der Jahnstraße 53 abgeben. Auch, was altersgerechtes Spielzeug angeht.“ Entsprechende Flyer seien jetzt in Grundschulen verteilt worden. „Jede kleine Spende hilft, und wir sammeln das bei uns. Was die Familie nicht braucht, übergeben wir später dem DRK-Sozialkaufhaus“, so Stefanie Zehm.

Des Weiteren hat der Pflegedienst ein Spendenkonto für seine Mitarbeiterin eingerichtet (siehe Info). Außerdem hat der VfB Weißwasser sofort zugesagt, sich an einem Benefiz-Fußballspiel zu beteiligen, berichtet Stefanie Zehm. Sie lobt die Mitarbeiter, die sich bereiterklärten, von Anja Brzezinski Dienste zu übernehmen. Und was Möbelspenden und größeren Hausrat angeht, können die Leute anrufen, es wird alles aufgelistet. „Bei Bedarf holen wir es dann auch ab. Aber erst einmal braucht Anja Brzezinski eine neue Wohnung.“

Da ziehen Arbeitgeber und Gemeindefeuerwehr Schleife  an einem Strang. „Die beiden Kinder sind Mitglieder unserer Kids-Feuerwehr, und wir wollen unbedingt der Familie helfen“, erklärt Thomas Kasper. Ein feuerwehrinterner Aufruf für die Kameraden in der Gemeindewehr wurde gestartet. Es geht auch hier um Bekleidung (Junge, Größe 140, Schuhgröße 34, Mädchen Größe 122, Schuhe 33) sowie altersgerechtes Spielzeug wie Lego.

Aber auch um Haushaltsgegenstände – „eben alles, was die große Not ein bisschen lindert. Nun wurde unser Aufruf letztlich öffentlich bei Facebook geteilt, und nun müssen wir zusehen, dass nicht alles aus dem Ruder läuft, wir am Ende nicht 50 Kühlschränke, 20 Schrankwände und so weiter erhalten. Es ist wichtig, dass wir die Spendenfreudigkeit und Hilfsbereitschaft in geordnete Bahnen lenken“, bittet Thomas Kasper um Verständnis.

„Wir haben uns mit dem Arbeitgeber von Anja Brzezinski verständigt, dass wir separat die Spendenangebote entgegennehmen und die Listen am Ende der Woche abgleichen, um dann die Spendenwilligen zu informieren, was konkret in Anspruch genommen wird.“ Deswegen bittet Feuerwehrmann Thomas Kasper, sich gern per E-Mail an die Gemeindewehr unter info@gemeindefeuerwehr-schleife.de mit den Angeboten zu wenden.

Eine weitere Anlaufstelle für Kleinspenden gibt es in Weißwasser. Robert Ehmann im Prof.-Wagenfeld-Ring 102 nimmt diese gern entgegen. Der freiwillige Feuerwehrmann und Initiator der Gruppe „Aktion Weißwasser“ rief per sozialem Netzwerk gleichfalls zu einer Hilfsaktion auf. Viele User erklärten sich bereit, diese zu unterstützen.

Mulkwitz ist Ortsteil der Gemeinde Schleife, die ebenfalls der Familie helfen möchte. Dazu hat die Gemeindeverwaltung ein Spendenkonto eingerichtet (siehe Info).

Anja Brzezinski ist überwältigt von dieser Welle der Hilfsbereitschaft. „Das erfüllt mich mit so viel Wärme. Auch wenn in meinem Kopf zurzeit eine gewisse Leere ist, meine Tochter viel weint und richtig krank geworden ist, hab ich die Hoffnung, dass alles wieder gut wird.“