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Rietschen
Zukunfts-Diskussion um den Erlichthof

Auf dem Erlichthof erwartet den Besucher Handwerk, Gewerbe, Museum und vieles mehr. Regelmäßig gibt es auch Kabarett in Rietschen. Archivfoto: Erlichthof
Auf dem Erlichthof erwartet den Besucher Handwerk, Gewerbe, Museum und vieles mehr. Regelmäßig gibt es auch Kabarett in Rietschen. Archivfoto: Erlichthof FOTO: Erlichthof / Erlichthofsiedlung
Rietschen. Geschäftsführerin Marion Girth geht Ende 2018 – und noch ist kein Nachfolger in Sicht. Der Gemeinderat sträubt sich gegen eine Übergabe an die kommunale ArTour. Von Sascha Klein

Der Erlichthof ist das Aushängeschild der Gemeinde Rietschen. Darüber sind sich Verwaltung, Gemeinderat und auch die Siedler am Erlichthof einig. Worüber sich jedoch zumindest Gemeinderat und Bürgermeister Ralf Brehmer uneinig sind: Wie soll der Erlichthof ab 2019 weiterbetrieben werden? Denn: Der Verein LPV Lausitz zieht sich zurück und wird sich auflösen. Geschäftsführerin Marion Girth geht in Rente.

Der Plan des Bürgermeisters: Das kommunale Unternehmen ArTour soll ab 2019 das Siedlungsmanagement übernehmen. Dafür müsste im Jahr 2018 eine Person eingestellt werden, die von Marion Girth in alle Themenfelder eingearbeitet wird. Doch der Gemeinderat hat Ralf Brehmer am Montag einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Gemeinderäte haben das Thema zwar rund eine Stunde lang diskutiert – aber nicht entschieden. Auf Initiative von Gemeinderat Helmut Perk (WVR) wurde der Beschluss von der Tagesordnung genommen.

Denn der Mehrheit der Gemeinderäte fehlt ein schlüssiges Konzept, wie es nach dem Ausscheiden Marion Girths und dem Verein LPV mit dem Erlichthof weitergehen soll. „Ein Konzept und Zahlen fehlen völlig“, so Gemeinderat Helmut Perk. „Völlig blind und ohne Vorbereitung kann man nicht in solch eine Aufgabe hineingehen“, betont er. Was Perk aber auch zugibt: Der Gemeinderat habe sich zuletzt stiefmütterlich um dieses Thema gekümmert.

Auch Gemeinderat Torsten Lorenscheit (WfR) fordert Veränderungen. Anders als Perk, der sich eine privatwirtschaftliche Lösung für den Erlichthof vorstellen kann, sagt Lorenscheit: „Ich finde eine Lösung mit einem kommunalen Unternehmen besser. Dadurch hat die Gemeinde mehr Einfluss.“ Doch auch er fordert ein Konzept für den Erlichthof. „Es reicht nicht, jetzt einfach so weiterzumachen.“ Zum Hintergrund: Der Erlichthof finanziert sich zum Großteil selbst. Die Gemeinde gibt jährlich 15 000 Euro aus dem Haushalt, damit dort drei Personen beschäftigt werden können.

Für die Gemeinde Rietschen wird jetzt langsam die Zeit knapp, denn die Nachfolgeregelung am Erlichthof drängt. Zwar ist noch ein Jahr Zeit, bevor Marion Girth sich in die zweite Reihe zurückzieht, doch: „Ich brauche jemanden mindestens ein Jahr, um ihn einzuarbeiten“, sagt Marion Girth auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Bereits jetzt steht ein Großteil der Planung für das Jahr 2018. Im Herbst 2018 werde sie die Planung für 2019 nicht mehr verantworten. Das bedeutet: Bis zum Herbst 2018 muss sich jemand Neues am Erlichthof in die Organisation eingearbeitet haben. Spätestens im März 2018 – so der Plan der Verwaltung – soll jemand gefunden sein, der Marion Girth ersetzt. Laut Plan unter dem Dach der ArTour. Ob das jedoch zustande kommt, ist aufgrund der jüngsten Entscheidungen im Gemeinderat offen. Marion Girth sagt: „Wir brauchen jemanden mit Marketing- oder Tourismuserfahrung.“

Am Rande des Gemeinderates hat es auch eine Art Hilferuf seitens der Pächter gegeben. „Mir fehlt eine Perspektive für den Erlichthof“, sagt Konstanze Jahn von der Bäckerei Höfchen. Das Rietschener Familienunternehmen betreibt das Backhaus. „So, wie es ist, kann es nicht bleiben“, so Konstanze Jahn weiter. Viele Betreiber dort seien älter als 50 Jahre. Zudem dürften nicht noch mehr Häuser zu Ferienwohnungen oder -häusern umgenutzt werden. Diese Meinung teilt auch Marion Girth: „Wenn das passiert, wäre es einfach nur eine Ferienhaussiedlung. Aber unsere Besucher erwarten das Gesamtpaket aus Gewerbe, Museum und Information.“ Sie bedauert, dass sich die Gemeinde nicht mehr einbringt. „Wir sind ein kleiner Leuchtturm für Rietschen geworden. Es kann nicht nur Lippenbekenntnisse vom Gemeinderat geben“, sagt sie. Was sie sich vorstellen kann: eine weitere finanzielle Unterstützung der Gemeinde beim Marketing. „Denn bisher müssen wir uns bei jedem Schritt genau überlegen, ob wir uns das leisten können“, sagt Marion Girth.

Doch es gibt Hoffnung: Am 25.Oktober treffen sich Gemeinderat, Erlichthof-Unternehmer und die Verwaltung zu einer Klausurtagung bei der Feuerwehr. Dann sollen bestehende Probleme aus dem Weg geräumt werden. Das Ziel: ein zukunftssicherer Erlichthof.