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Weißwassers Weg zur Normalität

Weißwasser.. Obwohl kaum Freizeit und Mittel vorhanden waren, begannen nach dem Krieg einige der in dieser schweren Zeit unversehrt gebliebene Weißwasseraner Sportler wieder mit ihrer früheren Freizeitbeschäftigung. Das Leben musste sich normalisieren, nach den vielen Jahren der Entbehrung und der Schrecken. Von Lutz Stucka

Besonders die älteren Sportfreunde übernahmen die Initiative und begannen den Wiederaufbau ihrer früheren Sportgemeinschaften. Unter den vielen Initiatoren seien nur einige genannt: Paul Bittner, Herbert Bornack, Josef Ehnert, Alfred Husgen, Franz Kraus, Gerhard Lehnigk, Walter Michalk, Paul Philipp, Artur Schmidt, Herbert Scholta, Kurt Witzmann ... . Im Jahr 1950 wurde das Natureisstadion am Jahnteich eröffnet und im Jahr darauf bildete sich am 3. September 1951, aus den bestehenden Sportmannschaften der Glasindustrie, die unter der Bezeichnung Betriebssportgemeinschaft (BSG) der Vereinigung der Volkseigenen Betriebe (VVB) „Ostglas“ auftraten, die BSG Chemie Weißwasser. Der besseren Organisation wegen entschied man im Jahr 1953, diese Großorganisation in drei Teile zu zerlegen. Es entstanden die BSG Chemie Weißwasser-West unter der Trägerschaft des Glaswerkes Bärenhütte, die BSG Chemie Weißwasser-Mitte, der Oberlausitzer Glaswerke (OLG) zugehörig und die BSG Chemie Weißwasser-Ost, wo das Spezialglaswerk „Einheit“ der unterstützende Betrieb war. Jetzt wurden die einzelnen Sportabteilungen den Betrieben zu geordnet, was zu nicht unerheblichen Kontroversen und später zu unerwünschten Rivalitäten in einigen Sportarten führte. Erst der Zusammenschluss der beiden großen Glaswerke OLG und Bärenhütte zum Kombinat Lausitzer Glas ermöglichte auch den Zusammenschluss der beiden BSG Chemie Weißwasser-Mitte und -West am 30. Mai 1969, was viele Sportler begrüßten. Als gemeinsamer Name wurde BSG Chemie Weißwasser gewählt. Damit war die umfangreichste Sportgemeinschaft im Kreis Weißwasser mit ihren Sektionen Fußball, Handball, Faustball, Tennis, Kegeln, Federball, Billard, Schwimmen und Schach entstanden. Die BSG Chemie Weißwasser-Ost mit ihren Sektionen Ringen, Turnen und Gymnastik, Tennis, Volleyball, Kegeln, Kanu, Faustball, Leichtathletik und Eisbaden blieb weiterhin best ehen.
Die Zahl der Sportler und Sportbegeisterten wuchs in der Stadt schnell an. Die vorhandenen Sportstätten waren längst zu klein geworden, als 1954 der Sportstadionplan erneut aufgegriffen wurde. Es entstand ein Stadionprojekt mit sechs 400-Meter-Laufbahnen um eine Rasenfläche verlaufend und mit einem Fassungsvermögen von 10 000 Zuschauern. Voraussetzung für den Bau war, dass die Erfüllung der Arbeiten im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes (NAW) erfolgten. Das Vorhaben wurde jedoch so nicht genehmigt, denn das NAW sollte nur Aufgaben im Rahmen des Wiederaufbaus, der im Krieg zerstörten Gebäude und Anlagen erfüllen. Der Neubau eines Stadions in dieser schlechten Zeit, wo Wohnraum Mangelware war, konnte keinen Vorrang haben. Schließlich erfüllte sich der Wunsch am 2. August 1969, nach drei jähriger Bauzeit wurde das lange geplante Sportstadion am Turnerheim, anlässlich des Jubiläums der DDR, mit dem Namen „20. Jahrestag“ , und einer 400-Meter-Bitumen Laufbahn eröffnet. Aber auch das war bald nicht ausreichend, der rasche Anstieg der Einwohnerzahl in den siebziger Jahren, forderte weitere Sportstätten. Inmitten der neu errichteten Südstadt begann der Bau eines weiteren Stadions. Am 4. Oktober 1978 wurde das „Stadion der Kraftwerker“ eingeweiht. Neben vielen Sportanlagen waren auch vier Kegelbahnen und eine Gaststätte vorhanden.
Nach der politischen Wende mussten die Vereine eine neue Rechtsform wählen und so schlossen sich am 28. Juni 1990 die BSG Chemie Weißwasser mit der BSG Chemie Weißwasser-Ost zum Sportverein Grün-Weiß Weißwasser e. V. zusammen. Ein Jahr später, am 31. Juli, erfolgte die Aufnahme des Vereins in den Landessportbund Sachsen. Der Name des Stadions „20. Jahrestag“ verlor seinen realen Bezug und wurde in „Turnerheimstadion“ umbenannt. Im Jahr 1995 begann eine umfangreiche Rekonstruktion des Turnerheimgebäudes und des gesamten Geländes. Die Sanierung der Außenflächen, wie Fassade und Dach, des Sportgebäudes konnte aber erst im Mai 2005 mit Fördermitteln des Freistaates für den Tag der Sachsen beginnen und Ende August abgeschlossen werden.

Die Handballer
Im Jahr 1946 bildete sich bei den Handballern wieder eine Männermannschaft unter Franz Wellschmidt und im Jahr darauf folgten die Frauen mit ihrer Leiterin Thea Jeschke. In der neu gegründeten Betriebssportgemeinschaft (BSG) „Turbine“ bestritten beide Teams ihre ersten Punktspiele unter Leitung des Sportlers Ernst Klinke, vielen als Korbmacher und Spielzeughändler an der Karl-Marx-Straße bekannt. Im Jahr 1948 wurde diese Sektion der BSG „Kristall“ angegliedert.
Die neuen Machthaber im Osten Deutschlands übernahmen vieles, was sich in der nationalsozialistischen Zeit, besonders an organisatorischem bewährt hatte und so auch die Gliederung der Sportinteressenten in Betriebssportgemeinschaften und dort wieder in Sektionen und Abteilungen. Auch die Beibehaltung größerer Sportgemeinschaften entgegen den kleinen Vereinen wurde vom früheren Regime übernommen.
Im Jahr 1951 brachte sich die BSG „Kristall“ in die neu gegründete BSG Chemie-Mitte ein. Jetzt wurden die ersten Kinder- und Jugendmannschaften aufgestellt. Bis 1952 gehörten die Frauen und Männer der Sachsenliga an, bis sie durch die Verwaltungsstruktur in diesem Jahr in die Bezirksliga Cottbus gegliedert wurden. Mitte der sechziger Jahre hatte der Verein einige personelle Rückschläge zu durchleben, konnte sich aber wieder neu organisieren. In den siebziger Jahren tat sich besonders die Frauenmannschaft unter ihren Trainern Joachim Krüger und Alfred Schimmank hervor. Leider fehlte der Männermannschaft nach dem Ausscheiden von Reinhard Wegner ein ähnlich engagierter Trainer, was sie gegenüber den Frauen etwas ins Hintertreffen geraten ließ. Immerhin errangen die Chemie-Handballer bis zur politischen Wende zwölf Bezirksmeistertitel und acht Bezirkspokale. Obwohl nach der politischen Wende viele, besonders finanzielle Schwierigkeiten auftraten, blieben die Handballer in der neuen Organisation, dem Verein Grün-Weiß, ihrem Sport treu. Im Jahr 2000 zählten sie rund einhundert Mitglieder, darunter waren etwa 60 Kinder und Jugendliche. Es gab nun wieder eine Männer- und eine Frauenmannschaft, die beide in der Ostsachsenliga spielten. 1994 erkämpften sich die Grün-Weißen Handball-Damen den Bezirkspokal und Mitte der neunziger Jahre die Nachwuchsmädchen zweifach den Ostsachsenmeistertitel - eine bemerkenswerte Leistung.

Die Kegler
Im Volkshaus fanden sich im Jahr 1946 wieder die Kegelfreunde zusammen, um eine Sportgemeinschaft unter Leitung von Artur Schmidt zu gründen. Nur kurze Zeit später bildeten Anni Lehnigk und Erna Schmidt eine Frauenmannschaft. Zur Verbesserung der finanziellen Mittel schlossen sich die Kegler im Jahr 1951 der neu gebildeten BSG Chemie Weißwasser-Ost an. Jetzt bestanden je eine Frauen-, Männer-, Jugend- und Kindermannschaft. Aber auch die Betriebssportgemeinschaft des Glaswerkes Bärenhütte hatte eine Sektion Kegeln, mit je einer Frauen-, Männer- und Jugendmannschaft unter der Oberhoheit der BSG Chemie Weißwasser-West aufgebaut. Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Erika Proske von der Sektion Chemie-West holte 1956 bei der Deutschen Meisterschaft den 2. Platz nach Weißwasser. In den Jahren 1959 bis 1964 erkämpfte sich Renate Peschel wechselweise den Kreis- bzw. den Bezirksmeistertitel. Ihr grö* amp*szlig;ter Erfolg war aber der Vize-DDR-Meistertitel der Jugend im Jahr 1961. Gekegelt wurde in den 50er Jahren auf Bohlen und anschließend auf Asphalt.
Die Frauen von Chemie-West kegelten auf Kreis- und Bezirksebene. Aber auch die Männer von Chemie-Ost waren sehr erfolgreich und kegelten in der DDR-Oberliga. Ebenso in den Einzelmeisterschaften konnten sich Chemie-Kegler namhafte Erfolge sichern und standen oft gegenüber der Mannschaft von Dynamo Weißwasser, einem weiteren örtlichen Sportsverein, im Vordergrund. Sektionsleiter war über viele Jahre Dieter Junge, welcher von Gisela Weidl bis 1990 zur Auflösung der Sektion ersetzt wurde. Der Trägerbetrieb, das Spezialglaswerk „Einheit“ , beendete die Bezuschussung und „privatisierte“ das Keglerheim durch einen Pachtvertrag.
Die enormen Kosten konnten die Sportler nun nicht mehr aufbringen und lösten den Verein auf. Ein Teil der Mitglieder schloss sich der Turn- und Sportgemeinschaft (TSG) Kraftwerk Boxberg e. V. beziehungsweise dem Knappensportverein 90 Weißwasser e. V. an. So begann hier für sie ein Neuanfang.

Zeittafel Als die Eishockey-Ära begann
15. Dezember 1932. Der Verein „Eishockey Weißwasser“ wird im Keglerheim an der Gartenstraße gegründet. Die Gründer sind u. a. Günter Lehnigk, Fritz Dutschke, Siegfried Rohrbach und Helmut Bertko. Vorsitzender wird Martin Schulz. In zwei Mannschaften aufgeteilt, beginnt das Spiel mit Spazierstöcken, oder Schlägern aus Birkenholz und einer Holzscheibe als Puck. Auch auf der Osram- und der Gartenstraße wird mir einem kleinen Ball „trocken“ trainiert. Zwei fachkundige Görlitzer Trainer können gewonnen werden, die den Spielern die Wettkampfbedingungen nahe bringen. Das erste offizielle Spiel kann die Mannschaft aus Weißwasser gegen Spremberg mit 5:0 gewinnen.
Mit der Bildung des Gesamtsportvereins TSV Weißwasser entsteht die „Schwimm- und Eishockey-Abteilung“ , deren Vorsitz 1939 Dr. Weckerle, ein Direktor vom Osram-Konzern, übernimmt. Sportwart wird Günter Lehnigk. Das zweite Spiel des Vereins am 1. Januar 1934 gegen den Görlitzer Eislaufverein endet mit einer 0:5-Niederlage. Ehrgeizig wird trainiert - und die Revanche endete mit einem 5:4-Sieg vor 500 Zuschauern in Görlitz. Ein weiteres Spiel vor 1 500 Zuschauern auf dem Braunsteich endet wieder mit einer Niederlage gegen den Oberschöneweider Hockey-Club. Auch bei den Deutschen Meisterschaften 1936/37 sind die Weißwasseraner erfolglos. Aber in der folgenden Saison 1937/38 gelingt es ihnen nach hartem Training, den schlesischen Meistertitel zu erkämpfen. Noch heute zeugt dieser Pokal vom Startschuss der Weißwasseraner in dieser Sportart. Die Begeisterung ist groß und der Wille, ganz oben mitzuspielen, schiebt alle Bedenken beiseite.