In einer Pressemitteilung vom Dienstag bezeichnet Rauh ihren Einzug in den Stadtrat als „eine bedauerliche Entwicklung, der dem Ansehen unserer Stadt schadet“. Er betonte aber zugleich, „dass meine mehrfach geäußerten Vorbehalte gegen die NPD sich ausschließlich gegen die Partei als solche richten“, nicht aber gegen die Person des Abgeordneten selbst. „Auch ihm biete ich wie allen anderen Stadträten weiterhin meine Zusammenarbeit an“, so Rauh.Erst auf Nachfrage der RUNDSCHAU distanzierte er sich später von dieser „unglücklichen Formulierung“.

Auch Stadträte aller Fraktionen gingen zu einer solchen Einladung zur Zusammenarbeit auf Distanz. „Bedauerlich“ findet Wolfgang Gröscho von der Fraktion „Die Linke“ die Äußerung des Oberbürgermeisters. „Da hat er sich etwas weit aus dem Fenster gelernt“, erklärt er gegenüber der RUNDSCHAU, „aber sein Amt lässt wohl eine distanzierte Haltung nicht zu“. Gröscho selbst schließt eine Zusammenarbeit mit dem NPD-Abgeordneten aus. „Ich kenne Herrn Ackermann nicht persönlich, wenn er aber für die NPD ins Rennen ging, sagt das genug zur Person. Wir haben uns in der Fraktion zum Umgang mit der NPD nach der Wahl noch nicht konkret verständigt, ich denke aber, dass keiner einen anderen Standpunkt dazu haben wird“, so Gröscho. Für ihn ist klar, dass es auf der Basis rechtsextremen Gedankenguts keine Gemeinsamkeit geben kann. Auch schließt er aus, politisch motivierten Anträgen des NPD-Stadtrates zuzustimmen. „Wenn Ackermann allerdings einem unserer Anträge zustimmt, ist das seine Sache. Wir werden uns durch sein Ja oder Nein bei Abstimmungen nicht beeindrucken lassen.“

Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Karl-Heinz Kittan, erklärte, er könne „im Augenblick“ eine Zusammenarbeit mit dem NPD-Stadtrat generell nur ablehnen, zumal er die Person gar nicht kenne.„Diskussionen mit Herrn Ackermann und der Partei, die er vertritt, zu Themen mit rechtsextremistischen Tendenzen wird es mit uns nicht geben - klare Distanzierung der Wählervereinigung Klartext“, so deren Sprecher Torsten Pötzsch. Dieser stellt klar: „Einer sachbezogenen Zusammenarbeit im Interesse der Bürgerinnen und Bürger von Weißwasser können und werden wir uns jedoch nicht verschließen.“ In der nun folgenden Stadtratsarbeit werde sich bei allen Stadträten zeigen, so Pötzsch, wer sich an die demokratischen Grundsätze halte oder nicht.

SPD-Stadträtin Kathrin Schmied
dagegen sagt deutlich: „Für die SPD wird es eine Zusammenarbeit mit einem NPD-Stadtrat nicht geben. Wir müssen die Entscheidung der Wähler akzeptieren, aber eine Zusammenarbeit nicht anstreben. Ich kann und will mich mit den Inhalten dieser Partei nicht identifizieren.“ Es sei ohnehin sehr bedauerlich, dass ein Verbot der NPD nicht juristisch nicht hinzubekommen war. Sie könne einen NPD-Stadtrat dennoch nicht als demokratischen Vertreter empfinden.



Auch Hartmut Schirrock – Stadtrat von „Wir für hier“ – schließt eine politische Zusammenarbeit mit dem NDP-Stadtrat aus. Wenn dieser Vorschläge in den Stadtrat einbringen werde, „dann werden wir sicherlich nicht dafür stimmen.“ Erschreckend für Schirrock sei, dass so viele Menschen rechts gewählt haben, „aus welchen Gründen dies auch immer passiert ist.“Noch am Dienstagabend verschickte Hartwig Rauh eine Ergänzung zu seiner ersten Pressemitteilung, worin er sich von seinen ersten Aussagen über den Einzug der NPD in den Stadtrat vollständig distanziert. „Richtig ist, dass der Einzug der NPD in den Stadtrat der Großen Kreisstadt Weißwasser/ O.L. dem Ansehen der Stadt schadet. Ich muss dieses Wahlergebnis akzeptieren, obwohl es mir grundlegend widerstrebt.“ Als OB sei er aber zur Gleichbehandlung der Stadträte verpflichtet.„Schon lange vor der Wahl habe ich begonnen, die Wähler zum Ignorieren der NPD aufzurufen. Bei etlichen Gelegenheiten warnte ich vor Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeit“, schreibt Rauh. „Nun mit dem Einzug der NPD in den Stadtrat konfrontiert und dadurch gezwungen zu werden, meine persönlichne Gefühle dem Prinzip der Gleichbehandlung zu unterwerfen, erzeugt einen großen inneren Widerstreit. In dem Bemühen, meinen Widerwillen zu neutralisieren, habe ich bei der hastig formulierten Stellungnahme zum Wahlausgang nicht die richtigen Worte gefunden, was ich sehr bedaure.“