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| 17:39 Uhr

Filmprojekt
Geschichte ist identitätsstiftend

Gefilmt wurde in den vergangenen Jahren auch in der Schule in historischer Kleidung. Stefan Kutsche (l.) von SAEK hilft dabei. 
Gefilmt wurde in den vergangenen Jahren auch in der Schule in historischer Kleidung. Stefan Kutsche (l.) von SAEK hilft dabei.  FOTO: Christian Köhler
Weißwasser. Schüler der Bruno-Bürgel-Oberschule haben in Weißwasser den dritten Teil ihres Filmprojektes vorgestellt. Von Christian Köhler

Wenn Dirk Nieter, Schulleiter der Bruno-Bürgel-Oberschule in Weißwasser, den Humanisten Alexander von Humboldt zitiert, will er auf Entscheidendes hinaus: „Weltanschauung kommt von Welt anschauen“, hatte Humboldt festgestellt. Genau damit richtet sich Nieter an die mehr als 100 Gäste am Dienstagnachmittag in der Schule. Dort hatten Schüler den dritten Teil ihres Filmprojektes vorgestellt, der sich mit der Geschichte von Weißwasser im 20. Jahrhundert beschäftigt. „Ich bin froh und auch stolz auf die Schüler, dass sie sich mit dem Umfeld ihrer Heimat eine eigene Anschauung erarbeitet haben“, betont der Schulleiter. Dies meine er gar nicht politisch oder patriotisch, sondern: „Ich bin überzeugt, dass solche Projekte den Zusammenhalt stärken und die Schüler lernen, dass sie mit eigener Leistung positive Resonanzen erzeugen.“

Immerhin, für Besucher, die durch München, Hamburg oder Berlin spazieren, stehen die Chancen nicht schlecht, dort ehemalige Weißwasseraner zu treffen. Damit die Jugend aber nicht weiter fortzieht, sei eine „Identifikation mit der Geschichte unserer Stadt Weißwasser“ unerlässlich, so Dirk Nieter. Genau jene Möglichkeit bot sich den Schülern schon vor mehreren Jahren, als im Tagebau Reichwalde ein Pechofen entdeckt wurde. „Wir hatten in Geschichte gerade über den Beginn der Menschheit gesprochen“, erinnert sich Klassenlehrerin Cornelia Staruß, die das Filmprojekt der Schüler maßgeblich ermöglichte. „Und die Einladung der Archäologen, an der Ausgrabung als Schule mitzuwirken, war der Auftakt für das mehrjährige Filmprojekt“, so die Lehrerin.

Inzwischen sind zwei Filme über die Frühgeschichte der Region und den Glasproduktionsstandort Weißwasser entstanden. Nun also steht die Premiere des dritten Teils auf dem Programm. „Leider gibt der Lehrplan sehr wenig Zeit für regionale Geschichte her“, sagt Cornelia Staruß. Da sei das Projekt also gerade richtig.

Die Schüler, inzwischen sind sie in der Zehnten, haben mit Begeisterung an dem etwas anderen Geschichtsunterricht mitgewirkt. „Als es um den Nationalsozialismus ging, haben wir uns gar nicht vorstellen können, dass dieser auch mit der Stadt zu tun hatte“, sagt beispielsweise die 15-jährige Julia Lehnigk. Entsprechend heißt der Titel des Films: „Weißwasser – Geschichte einer dunklen Zeit“.

Gemeinsam mit Stadthistoriker Lutz Stucka und dem Medienpädagogen Stefan Kutsche von der Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle (SAEK) in Bautzen haben sich die Schüler der Stadtgeschichte genähert. „Es haben alle gefilmt und sich eingebracht“, erzählt der 15-jährige Florian Marschall. Für ihn und die gesamte Klasse hätten sich mit jedem Jahrzehnt weitere Geschichten aufgetan, die es zu erkunden galt. Ins Stadtarchiv sind sie gegangen, haben mit Zeitzeugen gesprochen und die Entstehung des Eishockeysports nachvollzogen. Dabei stand Torwartlegende Klaus Hirche Rede und Antwort. „Es hat richtig Spaß gemacht“, erinnert sich Julia, „die Geschichten zu entdecken.“ Am schweißtreibensten allerdings seien nicht das Filmen oder die Tonaufnahmen gewesen, sondern das Schneiden des Films.

Von dem Ergebnis zeigten sich nach dem Film alle Besucher beeindruckt. „Ich bin hier, weil mich interessiert, was die Jugendlichen über die Stadtgeschichte in Erfahrung gebracht haben“, sagt beispielsweise Klaus Frommelt. Dass nun ein Film für die Öffentlichkeit und auch für den Unterricht entstanden ist, mache Schüler und Lehrer  stolz.

Übrigens: Alle Teile sind in der Weißwasseraner Buchhandlung „Hugendubel“ zu kaufen. Der Erlös geht an den Förderverein und in die Klassenkasse der Zehnten.

Auf einem Plakat haben die Schüler ihre drei Filmprojekte festgehalten. Dafür haben bereits mehrere Auszeichnungen erhalten.
Auf einem Plakat haben die Schüler ihre drei Filmprojekte festgehalten. Dafür haben bereits mehrere Auszeichnungen erhalten. FOTO: Christian Köhler
Gemeinsam haben Schüler und Lehrerin Cornelia Staruß die Zuschauer zur Premiere begrüßt.
Gemeinsam haben Schüler und Lehrerin Cornelia Staruß die Zuschauer zur Premiere begrüßt. FOTO: Christian Köhler