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Weißwasseraner zu Besuch bei Schweigs in Israel

Weißwasser. Mehrere Weißwasseraner sind im Rahmen einer Pilgerreise Anfang März nach Israel gereist. Dabei haben sie sich nicht nur die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem angesehen, sondern auch die Tochter des Weißwasseraner Glasfabrikanten Joseph Schweig besucht. Christian Köhler

Herzlich und aufgeschlossen seien die Weißwasseraner in Israel bei der Tochter Joseph Schweigs aufgenommen worden. "Charlotte hatte überhaupt keine Berührungsängste und wollte so viel wie möglich aus Weißwasser wissen", erzählt Uwe Mühle, Mitglied der Denkmalkommission in Weißwasser. Dabei habe Uwe Mühle auch über die Glasindustrie gesprochen, die ihr Vater Joseph Schweig maßgeblich in Weißwasser mit aufgebaut hat. "Wir haben auch von unseren Problemen berichtet", erklärt Uwe Mühle, "beispielsweise dass uns die demografische Entwicklung große Schwierigkeiten bereitet." Gleichzeitig beschrieb Charlotte Schweig, welche politischen und religiösen Veränderungen sie in Israel erlebte. "Sie erklärte, dass alles, was Israel macht, von aller Welt mit einer Lupe betrachtet wird. Dabei sei das Bild, was von ihrem Land gezeichnet wird, nicht immer realistisch", so Uwe Mühle.

Mit im Gepäck hatte die Weißwasseraner Delegation auch vier Steine aus Weißwasser, die für das Grab von Peter Schweig bestimmt waren. Er war im November des vergangenen Jahres verstorben. "Wir wollten nach jüdischer Tradition die Steine an sein Grab legen", so Uwe Mühle. Die Reisegruppe war zusammen mit mehreren Weißwasseranern über den Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) zu einer Pilgerreise nach Israel Anfang März aufgebrochen. Dabei hatte es sich die Delegation vorgenommen, die Schweigs zu besuchen. Den Kontakt zur Familie hatte Heimatforscher Werner Schubert vermittelt.

Außerdem hatte sich die Gruppe vorgenommen, die "Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust" in Yad Vashem anzusehen. "Dort habe ich sowohl einen negativen als auch einen positiven Anhaltspunkt unserer Stadt entdeckt", erzählt Uwe Mühle.

Einerseits habe er sich eine Karte vom Gefangenen-Marsch der Frauen von 1945 angesehen. Damals wurden zahlreiche Frauen aus dem Konzentrationslager Groß Rosen im heutigen Polen unter Zwang von den Nazis durch Bad Muskau und Weißwasser getrieben. Auch Frauen aus dem Groß Rosener KZ-Außenlager in Weißwasser, das sich am heutigen Neuteichweg befunden hatte, sollten vor der anrückenden Roten Armee nach Westen marschieren, so Uwe Mühle.

Andererseits entdeckte der Weißwasseraner auf einer Gedenktafel den Namen Joseph Tudyka. Der hatte in jener KZ-Außenstelle bei Kriegsende einer jüdischen Frau das Leben in Weißwasser gerettet. Noch heute erinnere eine Gedenktafel in Yad Vashem an dieses Ereignis.