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Weißwasseraner prellt Nutzer auf Ebay

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Weißwasser. Ein 37-Jähriger hat sich am Dienstag in dieser Woche vor dem Schöffengericht in Weißwasser wegen mehrfachen Betruges verantworten müssen. Er hatte Waren auf der Internetplattform Ebay verkauft, die er gar nicht besaß. Das Gericht verhängte eine Bewährungsstrafe mit Auflagen. Christian Köhler

Drei, zwei, eins - meins. Das haben sich im Sommer 2015 insgesamt zwölf Nutzer der Auktionsplattform Ebay gedacht, als sie auf die Angebote von Martin K. eingegangen waren. Der 37-Jährige Weißwasse raner hatte mehrere Elektronikgeräte, darunter Handys, Tablets oder eine Musikanlage, feilgeboten, ohne diese beim Verkauf zu besitzen. Der Angeklagte konnte sich so um mehrere Tausend Euro - zu Lasten der Käufer - bereichern. Die zuständige Staatsanwaltschaft warf deshalb dem Familienvater vor, er habe gewerbsmäßigen Betrug begangen.

Immer gleiche Vorgehensweise

Mehrere Zeugen, die aus der gesamten Republik zum Prozess nach Weißwasser gekommen waren, berichteten von der immer gleichen Vorgehensweise K.'s: Nachdem sie den entsprechenden Artikel ersteigerten, überwiesen die Käufer das Geld auf ein Konto. Das wiederum gehörte, wie sich später herausstellte, K's minderjähriger Tochter. "Ich habe 2100 Euro für eine Soundanlage überwiesen", so ein Zeuge vor Gericht. Anschließend bemühte sich der Angeklagte, Zeit zu gewinnen. Es verging eine Woche, in der nichts passierte. "Ich hatte ihn dann angeschrieben, und er versicherte mir, das Paket umgehend loszuschicken", so der Zeuge weiter.

Zwar hatte K. bei Ebay tatsächlich angegeben, das Paket losgeschickt zu haben, aber in Wirklichkeit tat sich nichts. Erst eine Woche später, so bestätigte der Angeklagte, habe er dann ein Paket versandt. Das hatte der Käufer auch erhalten, aber: "Ich habe es geöffnet und fand darin Schaumstoff", so der Zeuge.

In diesem Zusammenhang wollte der Vorsitzende des Schöffengerichtes Ralph Rehm wissen, warum der Zeuge überhaupt 2100 Euro ohne Sicherheiten an K. überwiesen hatte. "Weil er über zehn Jahre registriert war und über 240 sehr gute Bewertungen hatte", begründete der Zeuge. Auch andere Nutzer gaben an, deshalb dem Weißwasseraner vertraut zu haben. Als dann jedoch die ersten negativen Bewertungen auf K.'s Ebay-Profil zu sehen waren, sei es zu spät gewesen. K. löschte sein Profil.

Ausgleich durch Käuferschutz

So erging es mehreren Ebay-Nutzern, die auf I-Phones, Tablets oder Handys zum Schnäppchenpreis gewartet haben. Während einige dabei direkte Überweisungen auf ein Konto getätigt hatten, setzten andere auf das Bezahlsystem "Paypal". "Durch den dabei integrierten Käuferschutz", so hielt der Richter fest, "wurde diesen Käufern das Geld für die nicht erhaltene Ware von ,Paypal' erstattet." Dadurch sei den Nutzern kein Schaden entstanden, sondern letztlich "nur" dem Unternehmen "Paypal" selber. Den Unternehmensschaden will K. bereits beglichen haben.

"Finanzieller Engpass"

Was K. bewogen hatte, so zu handeln, erklärte er so: "Ich hatte Schwierigkeiten, meine Rechnungen zu bezahlen." Deshalb sei ihm die Idee gekommen, über das Versandhaus "Otto" Elektronikartikel einzukaufen und diese günstiger auf Ebay anzubieten. "Ich habe mit dem Versandhaus eine Vereinbarung treffen wollen, sodass ich erst drei Monate später bezahlen muss", erklärte der Beschuldigte. Den finanziellen Verlust habe K. in Kauf genommen, um liquide zu sein. "Ich hatte einfach einen finanziellen Engpass", so der Familienvater.

Das Problem dabei: Das Versandhaus hatte einen Schufa-Eintrag des Weißwasseraners gefunden und deshalb K.'s Bestellungen nicht versandt. "Deshalb konnte ich diese den Ebay-Käufern auch nicht aushändigen", führte K. an. Richter Ralph Rehm und die Staatsanwaltschaft konnten da nur den Kopf schütteln: "Sie können doch nicht Waren verkaufen wollen, die sie gar nicht besitzen", sagte Rehm. Zumal sich weitere Schulden angehäuft hätten, wenn K. teure Artikel über einen Versandhändler bestellt und viel günstiger auf Ebay weiterverkauft. Weil K. sämtliche ihm vorgeworfenen Taten einräumte, bereits einen Großteil der entstandenen Schäden beglich, urteilte das Schöffengericht milde. K. erhielt eine Haftstrafe von neun Monaten, die zu einer Bewährungszeit von drei Jahren umgewandelt wurde. Ferner muss K. innerhalb eines Jahres einen Schaden von 2735 Euro begleichen.

Zum Thema:
Seit März 2016 hat "Paypal" eine neue Käuferschutzrichtlinie eingeführt. Das Landgericht Saarbrücken urteilte dazu am 31. August 2016: Bei dem Käuferschutzverfahren handele es sich um eine von "Paypal" angebotene gesonderte Dienstleistung, hieß es. Dass das Unternehmen dem Käufer den Kaufpreis erstattet, wenn ein Antrag auf Käuferschutz erfolgreich ist, sei rechtens. Aber: Die Ebay-Tochter "Paypal" ist nicht unumstritten. So werfen Kritiker dem Unternehmen vor, willkürlich zu entscheiden, wann es Geld zurückgibt. Zudem würden die Rechte der Verkäufer kaum berücksichtigt. Es gilt: Ebay sowie "Paypal" sind keine Gerichte. Käufer und Verkäufer können auch bei abgelehntem Käuferschutz zivilrechtlich vor Gericht gehen.