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| 15:56 Uhr

Der Auftritt ihres Lebens
Weißwasseranerin singt bei Voice Senior

 Elvira Slawinski bei ihrem Auftritt bei Voice Senior.
Elvira Slawinski bei ihrem Auftritt bei Voice Senior. FOTO: André Kowalski
Elvira Slawinski begleitet Musik schon ein Leben lang. Ihr Auftritt im Fernsehen hat Nachwirkungen – bis an die Kasse beim Supermarkt. Von Regina Weiß

Elvira hat noch nicht ihr Abi in der Tasche, als sie 1969 als Sängerin des Döberner Tanzorchesters Conradis ihren Mann steht. Die Band will in der DDR die Prüfung zur Sonderklasse schaffen. Das klappt auch, genauso wie später die Prüfung zum Abitur. Schule und Arbeit sind die eine Seite der Medaille, Musik die andere, die immer wichtig war. Schlagerchor, Puck Quintett und die Matadors sind weitere Ensembles, denen die Sängerin ihre Stimme verleiht. „Ganz früher habe ich sogar Klavierunterricht und auch mal ein Jahr Gesangsunterricht genommen“, erfährt die RUNDSCHAU von Elvira Slawinski. Bilder von den Auftritten sind nicht nur in Kopf und Herz abgespeichert, sondern finden sich als Schwarz-Weiß-Aufnahmen im Fotoalbum wieder.

Dass Elvira Slawinski auch mit 68 Jahren noch eine große Bühne wuppen kann, das hat sie jetzt eindrucksvoll bewiesen. Die Sat-1-Sendung Voice Senior hat sie mit Weißwasseraner Flair und Mundart bereichert. „Ich habe nichts gespielt. ich bin wie ich bin“, sprudelt es aus hier heraus. Damit hat sie am Ende die Coaches überzeugt. Der Sänger Mark Forster hat gebuzzert und wählte sie in ihr Team.

Wobei eine Jury eigentlich nicht stimmt. Mehrere Vorstellungen waren erforderlich, bis es endlich in Berlin-Adlershof vor die Kameras ging. „Als ich im Januar den Aufruf gesehen hatte, habe ich mich selbst beworben“, erzählt Elvira Slawinski, die vielen als die letzte Volkshaus-Wirtin von Weißwasser in Erinnerung sein dürfte. Als Nächstes hat sie gemeinsam mit ihrer Tochter ein Video gedreht, um sich vorzustellen. Da versuchte sie den Drehort Küche auszublenden und mit ihrer Stimme, ihrem Auftritt zu überzeugen. Im April fuhr sie dann das erste Mal nach Berlin. Dafür hatte sie sich mit Musikerfreund Gerold Patzelt vorbereitet. Die Begleitmusik hatte sie sozusagen mit im Gepäck. In Erinnerung ist ihr und sicherlich auch der Jury geblieben, dass sie mitten im Auftritt ihre Brille in die Ecke gepfeffert hat. „Die fing plötzlich an zu rutschen und hat mich gestört. So bin ich eben“, sagt sie und lacht. Aus dem Konzept hat sie das beim Singen aber nicht gebracht.

Dafür war sie aus dem Häuschen, als bei einem Spaziergang durch den Tierpark in Görlitz plötzlich ihr Handy klingelte und Moderator Thore Schölermann anrief und ihr mitteilte, dass sie es in die „Blind Auditions“ (Vorsingen vor den Coaches, ohne, dass die einen sehen) geschafft hat. Mann Jozef, Tochter, Schwiegersohn und Enkel hatten es alle gewusst und dicht gehalten. „Als ich die Nummer sah, wollte ich erst gar nicht rangehen“, erinnert sie sich.

Dass sie es aus so vielen Bewerbern geschafft hat, macht sie stolz. Und auch von den 30 Mitstartern kann sie einige hinter sich lassen. Dabei kann sie bei den ihr vorgegebenen Liedern „Ich will keine Schokolade“ und „Morgens immer müde“ ihrer Ansicht nach ihre rockige „Saite“ gar nicht so richtig zum Klingen bringen. Nicht umsonst heißt sie seit Schulzeiten Elvis und ist in der Weißwasseraner Quetsche dabei, wenn dort Soul- und Rockbands aufspielen. Die Erfahrung, im TV vor vielen Kameras aufgetreten zu sein, möchte sie nicht missen. „Ich habe aus Spaß an der Freude mitgemacht. Es war toll. Aber auch anstrengend.“ Denn manche Aufzeichnung dauert doch länger, als es im Fernsehen scheint. „Bei meinem ersten Auftritt habe ich mich selbst sehr unter Druck gesetzt. Ich war extrem aufgeregt. Aber dann habe ich mir selbst gesagt, du machst jetzt nicht schlapp.“

Hat ja auch geklappt. Mark Forster sei lustig, ein richtiger Kumpeltyp gewesen. Auch unter den Mitbewerbern habe sie tolle Typen kennengelernt und sie gibt zu, dass der Kandidat und spätere Sieger Dan Lucas auch ihr Favorit gewesen ist.

Auch wenn alles schon ein paar Tage her ist, wirkt das TV-Ereignis noch heute in Weißwasser nach. Bis an die Kasse beim Supermarkt beispielsweise „Eine Kassiererin hat erst geguckt und mich dann erkannt und gesagt, dass mein Auftritt Bombe war“, freut sich die Weißwasseranerin.

Vom Singen will sie auch künftig nicht lassen. Überraschungsauftritte bei Geburtstagsfeiern, das kann sie sich jetzt öfter vorstellen, noch dazu, wo sie ihre Gewerbe in der 24-Stunden-Pflege gekündigt hat.