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| 17:34 Uhr

Feuerwehr
Feuerwehr nun in ruhigem Fahrwasser

Marcel Nestler (l.) ist Stadtwehrleiter in Weißwasser.
Marcel Nestler (l.) ist Stadtwehrleiter in Weißwasser. FOTO: LR / Gabi Nitsche
Weißwasser. Die neue Weißwasseraner Wehrleitung treibt die Strukturveränderung voran. Es gibt aber auch neue Gesichter. Von Christian Köhler

Nach den turbulenten vergangenen Monaten ist bei der Feuerwehr in Weißwasser wieder Ruhe eingekehrt. Marcel Nestler als neuer Stadtwehrleiter und sein Stellvertreter Sven Müller haben das Ruder (wieder) übernommen, nachdem der Feuerwehrausschuss eine anberaumte Sondersitzung des Stadtrates in allerletzter Minute verhinderte. Zwischenzeitlich stand nämlich die gesamte Wehr ohne Führung da. „So etwas, wie das vergangene halbe Jahr, möchte ich nicht noch einmal erleben“, sagt Sven Müller sicher stellvertretend für die gesamte Mannschaft.

Trotzdem haben beide in diesen Tagen Positives zu vermelden: „Wir haben einige Rückkehrer, die neu bei uns eingestiegen sind und wir freuen uns auch über einen Feuerwehrmann aus Niederbayern, den es der Liebe wegen nach Weißwasser zog“, erzählt der neue Stadtwehrleiter Marcel Nestler. Zudem würden insgesamt sechs Neulinge aus der Jugendfeuerwehr zu den zwei Einsatzzügen dazu stoßen, womit die Zahl der aktiven Kameraden auf derzeit 45 gestiegen ist. In ein oder zwei Jahren, so die Hoffnung, wenn alle Ausbildungen abgeschlossen sind, dürfte die Zahl der fürs Ausrücken geschulten Feuerwehrleute weiter steigen. Allerdings ist auch der Wehrleitung bewusst, dass gerade bei Jugendlichen mehrere Unbekannte eine Rolle spielen: „Das fängt damit an, ob sie nach der Lehre auch einen gut bezahlten Job in der Region finden oder ob sie vielleicht jemanden kennenlernen, der nicht hier wohnt“, erklärt Marcel Nestler. Schnell sei dann nämlich vom Wegziehen die Rede.

Wie schwer es ist, neue Kameraden zu gewinnen, zeigt allein die Ausschreibung der Stadtverwaltung, die händeringend nach einem hauptberuflichen Oberbrandmeister sucht. „Einen fertigen Feuerwehrmann bekommen wir nicht einfach so“, gibt der Stadtwehrleiter zu verstehen. Sollte sich kein Bewerber gemeldet haben, sei die Wehrleitung froh, sich inzwischen auch mit dem Feuerwehrbeirat darauf verständigt zu haben, selbst die Ausbildung eines Brandmeisteranwärters voranzubringen. „Wir sind zufrieden, dass die Stadt die Notwendigkeit dafür erkannt hat“, sagt Sven Müller. Ihm ist es insbesonder ein Anliegen, dass künftig zügiger in Sachen Personalfragen reagiert wird.

Die Suche nämlich nach einem Stadtwehrleiter habe in Weißwasser viel zu spät begonnen. Im Februar, als klar war, dass der ehemalige Leiter Gerd Preußing die Wehr in Richtung Landkreis verlässt, haben Müller und Nestler sich bereit erklärt, kommissarisch die Wehr bis Juli zu führen. Als dann der Termin heranrückte, ist in Sachen neuer Wehrleitung jedoch nichts geschehen. Die Stadtverwaltung schien mit dem Aufstellen des Haushaltes derart beschäftigt zu sein, dass notwendige Entscheidungen ins Hintertreffen gerieten. „Wir haben uns ehrlich gesagt nicht getraut, die Beschlussvorlage in den Rat einzubringen“, rechtfertigt sich Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) rückblickend. Seit Juli nämlich hatte er die Wehr qua Amt zu leiten. Als dann im ersten Anlauf die Sondersitzung des Rates zu den Widersprüchen des OB mangels Rätebeteiligung ins Wasser fiel, konnte auch über die Stelle des Wehrleiters nicht beraten werden. Erst im August machte der Rat den Weg für die Neubesetzung des Wehrleiters frei. Anschließend allerdings zog sich die Suche nach dem Wehrleiter weiter hin. „Ich bin immer wieder vertröstet worden und es war kein Ergebnis in Sicht“, erklärt Sven Müller. Er hatte deshalb sein Stellverrteteramt zunächst niedergelegt. In der Folge forderten mehrere Stadträte, allen voran Stadträtin Kathrin Jung (SPD), eine weitere Sondersitzung, um eine Klärung in Sachen Feuerwehr auf den Weg zu bringen. Das allerdings wurde aufgrund der Einigung nicht mehr nötig.

Nun gehe es darum, die Strukturveränderungen in der Wehr weiter voranzutreiben und die verlorene Zeit wieder aufzuholen. „Wir haben den Zugführern mehr Rechte, aber auch mehr Pflichten eingeräumt“, erklärt Marcel Nestler. „Bei allem ist uns aber wichtig: Es gibt keine Unterscheidung zwischen Freiwilligen und Hauptamtlichen. Wir sind eine Wehr, wollen uns einheitlich präsentieren, für den Bürger da sein und in keine politisch-motivierten Mühlen geraten“, sagt der neue Stadtwehrleiter. Er wünsche sich eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt und den Räten. Die verbliebene Zeit bis zum 1. April des nächsten Jahres – dann läuft sein jetziges Beschäftigungsverhältnis aus und Marcel Nestler ist dann erst komplett bei der Stadt – wolle er nutzen, um sich in seine neue Aufgabe einzuarbeiten.

Ob bis dahin Lösungen für die im Brandschutzbedarfsplan aufgestellten Vorhaben vorliegen, könne auch die Wehrleitung nicht sagen. Der Plan sieht vor, einen zweiten Standort für die Feuerwehr aufzumachen. „Eines ist klar: Das lehnt die gesamte Mannschaft ab“, so Nestler. Er sieht allein am jetzigen Standort einen Investitionsbedarf.

Der stellvertretende Wehrleiter Sven Müller in Weißwasser.
Der stellvertretende Wehrleiter Sven Müller in Weißwasser. FOTO: Gabi Nitsche