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Weißwasseraner besuchen „Zug der Erinnerung“ in Görlitz

Deutschlandtour: In Berlin hat der Zug der Erinnerung schon Station gemacht. Hier befestigt eine Frau im Ostbahnhof Blumen am Zug – sie sollen an die deportierten Kinder erinnern.Mit diesem Plakat werben die Ausstellungsmacher für einen Besuch im Zug der Erinnerung.
Deutschlandtour: In Berlin hat der Zug der Erinnerung schon Station gemacht. Hier befestigt eine Frau im Ostbahnhof Blumen am Zug – sie sollen an die deportierten Kinder erinnern.Mit diesem Plakat werben die Ausstellungsmacher für einen Besuch im Zug der Erinnerung. FOTO: Archivfoto: ddp
Weißwasser/Görlitz.. Vertreter der Arbeitsgruppe „Weißwasser gegen Rassismus“ werden am 5. Mai den „Zug der Erinnerung“ besuchen, wenn er in Görlitz Station macht. Archivfoto: ddp

Darüber informierte Karl-Heinz Melcher, Fachbereichsleiter Bildung und Soziales, der Stadt Weißwasser und als solcher ihr Vertreter in der Arbeitsgruppe. Er empfahl gleichzeitig auch allen anderen an ihrer Geschichte interessierten Weißwasseranern den Besuch dieser Ausstellung, die, in Eisenbahn-Waggons eingerichtet, nur für zwei Tage (am 4. und 5. Mai) auf dem Görlitzer Bahnhof zu sehen sein wird.
Görlitz ist zugleich letzter deutscher Ausstellungsort auf der Reise des Zuges, der mit zahlreichen Foto- und Textdokumenten an das Schicksal der deportieren jüdischen Bevölkerung erinnert, die von den Nationalsozialisten in einen grausamen Tod geschickt wurden - nach einem eiskalten System, das sich auch der Logistik der Deutschen Reichsbahn bediente.
Von Görlitz aus soll der Museumszug am 5. Mai auf seine letzte Fahrt gehen. Sein Ziel ist das Staatliche Museum Auschwitz (Oswiecim) in Polen, wo der Zug am 7. Mai ankommen wird. Am 8. Mai, dem Tag der Befreiung, werden mitreisende Jugendliche aus ganz Deutschland in der Gedenkstätte Erinnerungen an die Deportierten niederlegen. Das sind Lebenszeugnisse, die an etwa 60 Bahnhöfen in Deutschland gesammelt wurden.
Am 6. Mai ist ein Besuchsprogramm in der polnischen Nachbarstadt Zgorzelec geplant, am 7. Mai bricht der „Zug der Erinnerung“ nach Wroclaw (Breslau) auf. Dort wird er von Schülern der Stadt begrüßt werden. Nach diesem Zwischenstopp endet die Fahrt am selben Abend auf dem Bahnhof von Auschwitz, wo das größte Vernichtungslager der nazideutschen Todesmaschinerie stand.
Um die Mitreise von Jugendlichen zu ermöglichen, die vom „Zug der Erinnerung“ bisher nicht erreicht wurden, haben die Initiatoren eine begrenzte Platzzahl reserviert, heißt es auf der Internetseite www.zug-der-erinnerung.eu. Bewerbungen müssen in den kommenden Tagen eintreffen (info@ibb-d.de oder info@zugde.eu). Teilbefreiungen vom Fahrpreis sind in Einzelfällen möglich. Dass die Fahrtkosten reduziert werden können, verdankt der Zug dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk und der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ). Beide Organisationen beteiligen sich an der Finanzierung der letzten Etappe. Wartelisten für Interessenten aus dem nicht-schulischen Bereich sind jetzt offen.
Der Zug der Erinnerung besteht aus mehreren Waggons, in denen die Geschichte der europäischen Deportationen in beispielhaften Biografien nacherzählt wird. Schwerpunkt der Ausstellung ist das Deportationsgeschehen in Deutschland: die Zustellung der Deportationsbescheide, das Herrichten und Verlassen der Wohnungen, der Weg zu den Sammellagern und von dort am helllichten Tag durch die Dörfer und Städte zu den wartenden Zügen.
In einem eigenen Ausstellungsbereich werden mehrere Täter der unterschiedlichen Funktionebenen vorgestellt: Vom Reichsverkehrsministerium über die SS bis hin zu den Logistikplanern der Reichsbahn, die für den Transport der todgeweihten Kinder und Jugendlichen in die Vernichtungslager sorgten. Mehrere dieser Spezialisten setzten ihre Bahnkarrieren in der Nachkriegszeit fort.
Der Zug der Erinnerung hält auch eine Rechercheneinheit bereit: Computer und Handbibliothek laden zur Spurensuche ein. Hier besteht die Möglichkeit, über die Ausstellung zu sprechen und Erfahrungen auszutauschen. (thr/pm)