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| 21:41 Uhr

Lausitzer Laubenpieper
Bangen um den Rhododendron

Kleingärtner Detlef Eichler aus der Sparte Heideland A in Weißwasser nutzt das sonnige Wetter zum Umgraben. Das Gewächshaus wurde während des Sturms Friederike übel zugerichtet. Es soll demnächst in Ordnung gebracht werden.
Kleingärtner Detlef Eichler aus der Sparte Heideland A in Weißwasser nutzt das sonnige Wetter zum Umgraben. Das Gewächshaus wurde während des Sturms Friederike übel zugerichtet. Es soll demnächst in Ordnung gebracht werden. FOTO: Richter-Zippack
Weißwasser. Weißwassers Kleingärtner starten voller Tatendrang in die neue Saison. Einige haben aber auch Sorgen. Von Torsten Richter-Zippack

Der Rhododendron-Strauch von Janine Stodian kann zwar dreifarbige Blüten bilden. Doch derzeit gibt das Gehölz ein eher trauriges Bild ab. Die Zweige hängen herunter, und die meisten Blätter sind gelb-braun. „Im Herbst war der Busch noch völlig gesund“, berichtet Stodian. „Und jetzt das.“

Möglicherweise, so vermutet die Weißwasseraner Kleingärtnerin, die ihre grüne Oase in der Sparte „Eisstadion“ bewirtschaftet, habe der strenge Frost Ende Februar/Anfang März ihrem Rhododendron zugesetzt. „Ich hoffe doch sehr, dass sich der Strauch wieder erholt.“ Ansonsten hat die vierfache Mutter ihr Gewächshaus bereits startklar gemacht. „Die Tomaten sind ausgesät, nach den Eisheiligen pflanze ich sie ins Freie“, erklärt sie. Darüber hinaus legt Stodian die ersten Erdbeerbeete an. „Bislang gab es im Garten nur Arbeit. „Ich mache es vor allem für meine vier Kinder. Sie können hier unbeschwert herumtoben. Außerdem wird fast jeden Tag nachgeschaut, wer sich so am Insektenhotel einfindet.“

Nur einen Steinwurf entfernt, aber bereits in der Nachbarsparte „Am Waldrand“ gelegen, befindet sich der Kleingarten von Hartmut Ungermann. Er ist gerade mit dem Kultivieren des Rasens beschäftigt. „Die Pflanzen brauchen ausreichend Luft zum Atmen“, erklärt der Weißwasseraner fachmännisch.

Dazu müsse das Moos entfernt werden. Tatsächlich wirkt der Rasen für Anfang April bereits erstaunlich grün. „Auch alle anderen Pflanzen sind gut über den Winter gekommen. Ungermann hat ebenfalls schon seine Tomaten gepflanzt. Natürlich unterm Zelt. Denn die Nachtschattengewächse vor den Eisheiligen Mitte Mai ins Freiland zu bringen, wäre unvernünftig. Unvernünftig seien auch diejenigen Zeitgenossen, die öfter die Schnapsflaschen auf einem Hauptweg durch die Sparte in zahlreichen Scherben entsorgen.

„Das ist doch eine Sauerei. Ich musste schon öfter aufräumen“, sagt Hartmut Ungermann. Bereits Anfang April hat Familie Dering mit den Arbeiten in ihrem Kleingarten in der Sparte „Kraftwerk Boxberg“ im Weißwasseraner Osten begonnen. „Die Rabatten sind gesäubert, die Rasenkanten abgestochen“, erklärt Doris Dering. „Frostschäden sind mit bislang keine bekannt. Zum Glück treiben auch die Rosen aus. Und die Hortensien hatten wir abgedeckt.“

Der Frost spiele in der Kraftwerkssparte eine unrühmliche Rolle. „Wir befinden uns hier in einem richtigen Kälteloch, obwohl wir die südlichste des ganzen Spartenkomplexes sind“, sagt Dering. Während bereits in den Gärten an der weiter nördlich liegenden Heinrich-Heine-Straße die Forsythien blühen, sei bei den „Boxbergern“ noch alles kahl. Die Derings, so sagen sie, gehören zu den Laubenpiepern der ersten Stunde. „Wir haben hier in den 1970er-Jahren mit den Wald gerodet. Seit 1976 bewirtschaften wir den Garten mit seinen 325 Quadratmetern“, erinnert sich Doris Dering.

Eine Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sagt, dass sie froh sei, dass jetzt wieder die warme und vor allem helle Jahreszeit angebrochen ist. „Ich habe nämlich Angst vor Einbrüchen“, lautet ihre Begründung. „Im Winter habe ich meinen Garten regelmäßig kontrolliert. Zum Glück ist nichts passiert.“ Jetzt gehe es an die Arbeit. „Erst ab Juni finde ich auch Zeit, den Garten wirklich zu genießen. Derzeit reicht es nur für Fünf-Minuten-Pausen.“

Auch in den nächsten Tagen bleibt laut dem Deutschen Wetterdienst die fast schon frühsommerliche Witterung erhalten. Allerdings können noch bis Mitte Mai in der Lausitz Spätfröste auftreten. Daher gelte als Stichdatum für das Pflanzen der Tomaten ins Freiland der 20. Mai.