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Weißwasser – Zuhause für ein Jahr

OB Torsten Pötzsch überreicht im Namen der Stadt Weißwasser an Paola Teixeira (l.), Cecilia Vargas und Juan David Martinez Feredo Erinnerungsgeschenke.
OB Torsten Pötzsch überreicht im Namen der Stadt Weißwasser an Paola Teixeira (l.), Cecilia Vargas und Juan David Martinez Feredo Erinnerungsgeschenke. FOTO: Regina Weiß
Weißwasser. Die Rotarier haben auch im vergangenen Schuljahr den Jugendaustausch unterstützt. Am Montag abend hieß es, offiziell Abschied zu nehmen von Weißwasser. Regina Weiß

Das Seenland geht auf Reisen. Und das gleich dreifach. Es fliegt nach Kolumbien, Mexiko und Brasilien. Das geht, wenn das Seenland zwischen zwei Buchdeckeln eingepackt ist. Die Bücher hat Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) mitgebracht. Sie sollen Juan David Martinez Feredo (Kolumbien), Paola Teixeira (Brasilien) und Cecilia Vargas (Mexiko) an ihre Zeit in Weißwasser erinnern.

Für die Drei geht in wenigen Tagen beziehungsweise Wochen eine spannende Zeit zu Ende. Sie hat sie quer über den Atlantik in ein Abenteuer geführt. Dass dieses möglich war, daran hat auch der Rotary Club Weißwasser seinen Anteil dran. Seit 2003 haben sich die Mitglieder um Präsident Torsten Noack auch dem Jugendaustausch verschrieben. So gingen vor einem Jahr drei Schüler aus Weißwasser nach Kanada, Chile und Mexiko, derweil hier die Gäste aus Übersee empfangen wurden.

Nach knapp einem Jahr weit weg von zu Hause kehren sie dorthin zurück. Zwischenzeitlich haben die Drei nicht nur super Deutsch gelernt, sondern auch viele neue Freunde kennengelernt. Zudem nehmen sie viele Erinnerungen und neue Erfahrungen mit. Vor allem das Thema Sicherheit hat den 17-jährigen Kolumbianer in Deutschland begeistert. "Ich fahre so gern Zug", erzählt er der RUNDSCHAU. Das sei hier so einfach. Außerdem könnte er hier mit seinem Handy in der Hand auf offener Straße spazieren gehen, ohne Angst haben zu müssen, dass ihm etwas passiert. Auf die Mentalität der Menschen - in Kolumbien sei man offener -, das Essen und das Wetter habe sich Juan David Martinez Feredo allerdings erst mal einstellen müssen, erklärt er mit einem gewitzten Lächeln. Der Winter sei überhaupt nicht sein Ding gewesen. Dem deutschen Bier hätte er da schon mehr abgewinnen können. "Das schmeckt", lacht er. Außerdem haben es ihm die Pfannkuchen angetan. Die wird er vielleicht irgendwann als Student wieder ausprobieren können. Denn wenn er nach seiner Rückkehr ein IT-Studium aufnimmt, soll ihn ein Austauschsemester wieder nach Deutschland zurückbringen.

Deutschland war auch das Wunschland von Paola Teixeira für den Schüleraustausch gewesen. Die 18-jährige Brasilianerin erzählt, dass in den Süden ihres Landes viele Deutsche infolge des Zweiten Weltkrieges eingewandert sind. Deutsche Kultur sei ihr deshalb nicht fremd gewesen. "Bei uns wird auch Oktoberfest gefeiert", erzählt sie. Mit einem Intensivkurs hat sie sich auf die neue Sprache vorbereitet. Deren Kenntnis ist nicht zuletzt durch den Unterricht im Landau-Gymnasium Weißwasser und den Kontakt zu Gleichaltrigen besser geworden. Jetzt spricht Paola Teixeira vier Sprachen und mit der fünften, Französisch, hat sie in Weißwasser auch noch angefangen.

"Natürlich bin ich glücklich, wieder nach Hause zu kommen. Aber ich werde besonders meine Gastfamilie vermissen." Für Valerie war sie in den letzten Monaten so etwas wie eine Ersatzschwester.

Auch Cecilia Vargas hat sich bei ihrer Gastfamilie in Weißwasser gut aufgehoben gefühlt. Gerade mal zehn Worte habe sie auf Deutsch sagen können. Nicht nur die Sprachkenntnisse der 17-jährigen Mexikanerin sind deutlich besser geworden, sie findet auch, dass sie erwachsener und selbstständiger geworden ist. "Weißwasser war mein Zuhause für ein Jahr." So wie sie es sagt, ist zu spüren: Sie hat sich hier wohlgefühlt.

Dazu tragen nicht unerheblich die Gastfamilien bei. "Manchmal hilft es schon, wenn sie das Kind bei Heimweh einfach mal in den Arm nehmen", so Steffen Noack von den Rotariern. Er koordiniert den Jugendaustausch im Distrikt, der über Sachsen bis nach Regensburg reicht. Dabei muss er nicht nur die Jugendlichen im Blick haben, sondern auch manchmal mit Eltern klärende Gespräche führen. Wenn Kulturen aufeinanderprallen, dann sind Missverständnisse nicht ausgeschlossen. Doch am Ende ist es eine Lehrzeit für alle und alle profitieren, ist sich Steffen Noack sicher. Ihn bereichere diese Arbeit auf jeden Fall total. Er und seine Mitstreiter hoffen, dass die Austauschschüler positiv auf ihr Jahr in Ostsachsen zurückschauen. "Macht was aus eurem Leben", gibt ihnen Andreas Fuhrmann, stellvertretender Direktor des Landau-Gymnasiums, mit auf den Weg.

Das will auch die 16-jährige Pia Raddatz aus Weißwasser machen. Nach dem Realschulabschluss in Schleife stehen Abitur und möglicherweise ein Medizinstudium an. Doch am 9. August geht es erst mal nach Brasilien. Langsam aber sicher steige bei ihr und ihrer Mutter die Aufregungskurve. Schon seit Kindheitstagen begleite sie der Wunsch, ins Ausland zu gehen. Die Mutter musste nicht lange überzeugt werden.

Noch wird kein Gedanke daran verschwendet, wie Sachen für fast ein Jahr in einem Koffer untergebracht werden können. Jetzt müssen erst einmal die bürokratischen Hürden genommen werden. Leben wird Pia Raddatz dann für ein Schuljahr in São José do Rio Preto im Landesinneren von Brasilien. Wenn Pia Raddatz in den Süden fliegt, wird Carolina aus Ecuador gen Norden reisen. So geht der Schüleraustausch 2017 in eine nächste Runde.