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| 16:57 Uhr

Kooperation mit tschechischer Stadt
Weißwasser will seine Glastradition neu beleben

 Die Delegation aus Tschechien wird von OB Torsten Pötzsch sowie der Leiterin des Glasmuseums Christine Lehmann (r.) begrüßt. Dabei sind Pavel Kopriva, Leiter der Glasfachschule, der Bürgermeister von Kamenicky Senov, Frantisek Kucera, Übersetzer Jan Hanzl und Projektleiterin Jana Panacková.
Die Delegation aus Tschechien wird von OB Torsten Pötzsch sowie der Leiterin des Glasmuseums Christine Lehmann (r.) begrüßt. Dabei sind Pavel Kopriva, Leiter der Glasfachschule, der Bürgermeister von Kamenicky Senov, Frantisek Kucera, Übersetzer Jan Hanzl und Projektleiterin Jana Panacková. FOTO: Christian Köhler
Weißwasser. Weißwasser trifft eine vielsprechende Kooperationsvereinbarung mit einer tschechischen Stadt. Zunächst geht es um ein Symposium. Dabei soll es aber nicht bleiben. Von Christian Köhler

Hinter den Kulissen ist in Weißwasser viel Bewegung. Und das nicht nur wegen des Ausstieges aus der Braunkohle. Dass nämlich die Stadt Weißwasser auf eine ruhmreiche Glastradition zurückblickt, wird oft beschworen. Die Antwort auf die Frage, wie sich diese wieder neubeleben lässt, fällt da wesentlich schwerer. Ein erster Schritt in diese Richtung ist am Mittwochmittag gemacht: In Weißwasser ist nun eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Stadt und dem tschechischen Kamenicky Senov unterzeichnet worden. „Wir hoffen, dass daraus noch eine intensivere Zusammenarbeit erwächst“, sagt Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) nach der Unterzeichnung.

Symposium für Glasgravur in Kamenicky Senov

Die Stadt Kamenicky Senov beantragt nämlich Fördermittel für eine Zusammenarbeit zwischen einer deutschen und einer tschechischen Stadt. „Wir planen ein internationales Symposium des Glasgravierens“, erklärt Jana Panacková vom Verein Glasgravur aus Kamenicky Senov. „Und welche Stadt käme da besser als Kooperationspartner infrage als Weißwasser“, fragt etwa Jan Hanzl, der als Übersetzer jegliche Sprachbarriere im Weißwasseraner Rathaus aus dem Weg räumt.

Die Stadt Kamenicky Senov an der tschechisch-deutschen Grenze ist von Weißwasser rund 130 Kilometer entfernt, besitzt die weltweit älteste Glasfachschule und blickt auf eine ebenso lange Glastradition zurück. Bekannt ist der Ort vor allem für sein Beleuchtungsglas. „Es ist ein logischer Schritt, dass wir zusammenarbeiten wollen“, unterstreicht der Leiter der Schule Pavel Kopriva, „denn Weißwasser ist auch bei uns Lehrstoff.“

Kunstausstellung in Weißwasser geplant

Hinter dem Symposium, dass es seit 1996 gibt, steckt die Idee, internationale Glasgravierer an einen Tisch zu bekommen. Das Glasmuseum in Weißwasser ist dabei ebenfalls ein Projektpartner. „Im Ergebnis des im Juni 2020 stattfindenden Symposiums werden etwa 30 Kunstwerke stehen, die dann in ganz Europa ausgestellt werden. Und die erste Station davon ist das Glasmuseum in Weißwasser“, erklärt Projektleiterin Jana Panacková. Das Symposium soll nicht nur Fachpublikum anziehen, sondern auch der breiten Öffentlichkeit das Thema Glas nahebringen. „Es soll zudem ein Festival der Beleuchtung geben“, erklärt Panacková. Und die Weißwasseraner Tanzformation „Dance Attack“ vom TSC Kristall Weißwasser soll dort auftreten.

 Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (l.) mit Jana Panackova und Jakub Jenínek, stellvertretender Leiter der Glasfachschule von Kamenicky Senov.
Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (l.) mit Jana Panackova und Jakub Jenínek, stellvertretender Leiter der Glasfachschule von Kamenicky Senov. FOTO: Joachim Rehle

Zusammenarbeit kann weitere Früchte tragen

„Ich sehe eine Chance in der Zusammenarbeit“, fasst die neue Leiterin des Glasmuseums in Weißwasser, Christine Lehman, zusammen, „dass wir die Glastradition in der Stadt wiederbeleben.“ Zwar gibt es in Weißwasser noch einen Glashersteller – Stölzle Lausitz beschäftigt fast 400 Mitarbeiter – allerdings gehe die Identifikation der Einwohner mit der Stadt als Glasmacherstadt nach und nach verloren. „Insofern sehe ich viele Möglichkeiten für unsere beide Städte“, deutet Torsten Pötzsch an.

Er spricht etwa die einstige Glasfachschule in Weißwasser an, die weiter auf eine Nutzung wartet. Pötzsch würde gern Firmen der Stadt mit tschechischen zusammenbringen. „Wir haben rund 25 Absolventen jährlich“, erklärt da der Leiter der Glasfachschule von Kamenicky Senov, Pavel Kopriva. Während der Großteil davon weiter zum Studium geht, mache sich auch ein Teil selbstständig. „Und Platz für Kreativwirtschaft haben wir“, sagt Pötzsch und verweist auf das Telux-Gelände, wo sich inzwischen zwei Kreativleute bereits angesiedelt haben. Das bestätigt Sebastian Krüger vom Soziokulturellen Zentrum Telux.

Tschechen zeigen sich aufgeschlossen

Aufgeschlossen zeigen sich die Tschechen auch für beiderseitige Exkursionen, Schülerpraktika oder Besuche von Schulen an Workshops zur Glasherstellung. „Ich lade Sie ein, sich unsere Glasfachschule anzusehen“, sagt der Bürgermeister Frantisek Kucera. Und der Leiter der Glasfachschule – die immerhin seit 1856 existiert – sagt: „Wir würden uns freuen, einen Teil zur Wiederbelebung ihrer Schule beitragen zu können.“

Zwar sei noch nichts in dem Topf, wo es schließlich kocht, aber beide Projektpartner sind gewillt, das zarte Pflänzchen, was nun gesteckt ist, weiter zu pflegen. „Wir müssen nicht bei dem Projekt stehen bleiben, sondern können sicher in mehreren Bereichen zusammenarbeiten“, sagt Glasfachschulenleiter Kopriva zum Schluss. Vor ihrer Abreise haben sich die Tschechen noch die einstige Glasfabrik Telux in Weißwasser angesehen.