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Weißwasser will ein Leistungszentrum im Eishockeysport werden

Früh am Morgen geht es für den Nachwuchs wieder aufs Eis.
Früh am Morgen geht es für den Nachwuchs wieder aufs Eis. FOTO: Verein
Weißwasser. Weißwasser will Leistungszentrum im Eishockeysport werden. Das jedenfalls wünschen sich die Verantwortlichen des Eissportvereins Weißwasser (ESW). Nachdem sich nämlich die "Großen" vom Profi-Team der Lausitzer Füchse am Freitag bei der Saisoneröffnung am Wagenfeld-Ring vorgestellt haben, hat auch der Nachwuchs die Chance genutzt, sich zu präsentieren. Christian Köhler

Einziger Wermutstropfen - im wahrsten Sinne des Wortes - ist das Wetter. Zwischenzeitlich hat es wie aus Eimern gegossen. "Es ist so schade", sagt die Chefin der Wohnungsbaugesellschaft mbH Weißwasser (WBG) Petra Sczesny. Sie hat gemeinsam mit dem Verein die Saisoneröffnung organisiert. "Ich möchte mich deshalb bei allen Mitarbeitern bedanken, weil ich weiß, wie viel Arbeit dahinter steckt." Denn eine Überraschung hat die WBG an diesem Freitag in petto. "Wir machen ein Geschenk gleich in dreifacher Hinsicht. Unseren Mietern, der Stadt Weißwasser und dem Eishockey-Sport", sagt Petra Sczesny, der dabei schon eine Freudenträne die Wange herunterkullert.

Die Gerüstbauer haben sich dann nicht zwei Mal bitten lassen und die Folien vor dem auf drei Etagen abgesenkten Wohnblock herabgelassen. Kurz darauf kommt ein überdimensionaler Füchse-Spieler, der vor einem historischen Foto die Scheibe führt, zum Vorschein. "Es war gar nicht so einfach hinter der Folie, das Bild zu sprühen", sagt Markus Hillegaart. Er hat gemeinsam mit Thomas Strauss in monatelanger Arbeit an dem Wandbild gearbeitet. "Wir haben uns zig Fotos angesehen und uns dann entschieden", erzählt der Cottbuser Designer der RUNDSCHAU. Der Spieler ist anonym, stehe symbolisch für den Eishockeystandort Weißwasser.

Und um genau den geht es neben den zahlreichen Sponsoren des Vereins auch den Verantwortlichen für den Nachwuchs. Immerhin zählt der ESW gut 200 aktive Mitglieder, ist, wie ESW-Vorstand Bernard Stefan berichtet, in allen Altersklassen voll besetzt und spielt mit seinen Teams in den höchsten deutschen Nachwuchsligen. "Wir haben nun alle Voraussetzungen geschaffen, um im Fünf-Sterne-Programm die volle Punktzahl zu erreichen", sagt er. Bis dato kann Weißwasser immerhin vier Sterne vorweisen.

Hintergrund des vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) aufgelegten Programms ist es, die Strukturen der Nachwuchsarbeit vergleich- und bewertbar zu machen. Dazu hat der DEB einen Bewertungskatalog aufgelegt, den die 52 Vereine aus der DEL, der DEL2 und der Oberliga erfüllen müssen, um die Stern-Zertifizierung zu bekommen. An dieser hängt nämlich nicht nur entsprechendes Fördergeld, sondern auch die Spielberechtigung in den Nachwuchsligen sowie die Entscheidung, wo künftig die Leistungszentren des deutschen Eishockeys angesiedelt sein werden. "Die Sterne sind für den Weißwasseraner Eishockeysport überlebensnotwendig", betont ESW-Vorstand Jan Garreis. Immerhin verfüge der Club über kein Internat und keine Sportschule wie große Vereine in Berlin, Köln oder Düsseldorf, wolle aber trotzdem eine professionelle Ausbildung dem Nachwuchs bieten und nicht zuletzt eine Talentschmiede für das Weißwasseraner Profi-Team bleiben.

"Angefangen haben wir in der Saison 2014/2015 mit drei Sternen", erinnert sich Garreis. Damals verfügte der ESW nur über drei Nachwuchstrainer, die darüber hinaus nur neun Monate beschäftigt waren. "Das haben wir geändert und inzwischen vier ausgebildete Trainer über das ganze Jahr angestellt", erklärt Bernard Stefan. Mit dem finnischen Nachwuchschefcoach Jari Heiniola habe der Verein exzellente Voraussetzungen geschaffen, gewinne durch ihn immer wieder neue Talente dazu. Inzwischen üben Nachwuchsspieler nicht mehr nur aus Weißwasser in der Eisarena, sondern aus Italien, der Slowakei, Polen oder Tschechien. Das in Summe brachte dem ESW letztlich in der vergangenen Saison auch die vier Sterne. "Wir arbeiten Stück für Stück und wollen uns stetig weiterentwickeln", sagt Torsten Tiefensee, der beim Eissport allerlei Organisatorisches regelt.

Nun, mit einer weiteren Neuverpflichtung im Trainerstab durch den Finnen Mikka Kapanen im April dieses Jahres, habe jede Nachwuchsmannschaft - wie vom DEB gefordert - ihren eigenen Trainer. Das Thema Eiszeiten war zuletzt, besonders durch den Stadionneubau in Niesky, schwierig. Fast rund um die Uhr tummelten sich Hobbymannschaften, Jungfüchse, Nieskyer oder Bad Muskauer in der Eisarena. Dadurch konnte der ESW nicht jedem Nachwuchsspieler sechs Stunden Eiszeit garantieren. "Wir haben das jetzt an die Vorgaben angepasst", berichtet Stefan, "und bedanken uns für das Verständnis bei der Stadt und den Hobbymannschaften." Seit dieser Woche ist nun endlich auch wieder Training am Morgen in der Eisarena möglich.

Schon zu früher Stunde um 6.30 Uhr geht es für die Nachwuchsspieler auf dem Eis zur Sache. "Das bedeutet für uns natürlich auch jede Menge Organisation", erklärt Torsten Tiefensee. Jeder Spieler müsse noch vor Schulbeginn ans Gymnasium, an die Schulen nach Krauschwitz, Schleife, Spremberg oder Rothenburg gebracht werden. Ferner habe der ESW zwei Pädagogen angestellt, die rund um die Uhr die Spieler betreuen, deren Eltern nicht in Weißwasser wohnen. Zudem sind einige der 21 Spieler bei Gastfamilien untergebracht. "Im Prof.-Wagenfeld-Ring haben wir zudem insgesamt sechs Wohnungen angemietet, in denen mehrere Jugendspieler untergebracht sind", erklärt Jan Garreis. Laut WBG können die Spieler dann ab Oktober dort einziehen.