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| 16:28 Uhr

Aus dem Gericht
Acht Jahre Haft nach brutaler Tat in Weißwasser

 Walter T. aus Weißwasser ist vom Landgericht Görlitz wegen Totschlags zu acht Jahren Haft verurteilt worden.
Walter T. aus Weißwasser ist vom Landgericht Görlitz wegen Totschlags zu acht Jahren Haft verurteilt worden. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Weißwasser/Görlitz. Das Landgericht Görlitz hat einen 25-jährigen Mann aus Weißwasser wegen Totschlags zu acht Jahren Haft verurteilt. Die außergewöhnliche Brutalität des Falles hatte im Sommer 2018 für großes Entsetzen gesorgt. Von Christian Köhler

Es klingt unfassbar, was sich an einem Sommerabend im August vorigen Jahres in einer Wohnung in Weißwasser abgespielt hat. Der 25-Jähriger Walter T. hatte seinen Nachbarn unter Einsatz mehrerer Messer und eines Hammers brutal getötet.

Das Landgericht Görlitz verhandelte den Fall seit Ende April und hat das Geschehen der Todesnacht dabei akribisch aufgearbeitet.

Walter T. hatte sich bei seinem späteren Opfer, Daniel B., an jenem Sommerabend in dessen Wohnung eingefunden. Als Grund dafür nannte er, dass er auf Katzen eines Nachbarn aufpassen sollte – die aber nicht in seine Wohnung lassen wollte. Deshalb sei er zu dem Bekannten gegangen.

Kopf des Opfers in Weißwasser beinah abgetrennt

Beide haben, so fasst es das Gericht in der Urteilsbegründung zusammen, ferngesehen und sind nach dem Konsum großer Mengen Alkohol eingeschlafen. Später wird ein Gutachter feststellen, dass es sich beim Tatzeitpunkt um mindestens 2,8 Promille handelte, die der Angeklagte zum Tatzeitpunkt im Blut hatte.

Plötzlich sei Walter T. erwacht und nahm an, von seinem Bekannten angegriffen worden zu sein. Daraufhin habe er zunächst die Halsvorderseite des Mannes aufgeschnitten. Anschließend habe der Angeklagte auf das Opfer mit einem Messer mehrfach eingestochen.

Nachdem der Mann auch diese Attacken überlebt hatte, soll der Angeklagte mit einem Hammer Schläge gegen den Kopf geführt haben, wodurch es zum Austritt von Hirnmasse gekommen sei. Schließlich habe der Angeklagte mit einem Brotmesser den Kopf des Opfers beinah abgetrennt.

Urteil gegen Walter T. wegen Totschlags in Weißwasser

„Die Kammer spricht von einer vorsätzlichen Tötungshandlung“, sagte Jörg Küsgen,der Gerichtssprecher, „nicht von einem grausam Mord.“ Das Gericht habe nämlich nicht nachweisen können, „dass es das Ziel des Täters gewesen war, sein Opfer leiden zu lassen“. Das nämlich, so der Gerichtssprecher, bedeute „grausamer Mord“.

Vielmehr sei es dem Angeklagten nach Ansicht des Gerichtes darum gegangen, sein Opfer schnell zu töten, was jedoch nicht gelang. „Deshalb hat er mehrere Tatwerkzeuge verwendet, um den vermeintlichen Angreifer schnell zu töten“, hieß es in der Urteilsbegründung. Ein Gerichtsmediziner habe zudem festgestellt, dass das Opfer eher verstorben war, als es der Täter angenommen hatte.

Warum Walter T. nach der Tat noch in Weißwasser mit einem Messer durch die Stadt lief und dabei mehrere Autoreifen von parkenden Fahrzeugen zerstochen hatte, sei nicht abschließend geklärt worden.

Görlitzer Staatsanwaltschaft fordert elf Jahre Haft für Walter T.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine besondere Grausamkeit bei der tat erkannt und daher auf elf Jahre Gefängnis mit anschließender Sicherungsverwahrung plädiert. Ein Gutachter hatte festgestellt, dass T. seit seinem zwölften Lebensjahr Alkohol zu sich nahm.

Die Verteidigung plädierte auf sechs Jahre mit anschließender Entziehung. Das Gericht entschied auf acht Jahre Haft und eine vorgelagerte Entziehung in einer geschlossenen Einrichtung.

Der Angeklagte nimmt das Urteil an, während die Staatsanwaltschaft noch nicht entschieden hat, ob sie Rechtsmittel gegen den Richterspruch einlegt.