Von Christian Köhler

Als hätte es an der Berliner Straße in Weißwasser nie ein dreigeschossiges Gebäude gegeben. So sieht es jetzt wieder aus, nachdem Anfang des Jahres auf dem Gelände des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Spiegel- und Farbenglas GmbH aufgeräumt wurde. „Wir wollten Anfang des Jahres wieder dort ansetzen, wo wir 2017 aufgehört hatten“, erklärt Christian Noack vom Unternehmen SpiegelArt in Weißwasser. Vor zwei Jahren nämlich wurde mit dem Abriss begonnen.

„Das Gebäude stand seit Jahren leer und war ein Schandfleck im Stadtbild“, erinnert sich Christian Noack. Für ihn und Vater Steffen Noack hatte sich 2015 die Gelegenheit ergeben, das Grundstück zu erwerben. „Für uns war immer klar, dieses Gebäude ist in seiner Form unbrauchbar und muss abgerissen werden.“ Im Herbst 2017 war es dann so weit. „Innerhalb von kürzester Zeit organisierten wir alle notwendigen Hilfsmittel und Genehmigungen“, sagt Noack. Und in nur drei Wochen wurde das Gebäude vollständig abgerissen. „Das war für uns unvorstellbar – und ein ganz besonderer und persönlicher Dank geht an Daniel Schneider und an dieser Stelle an alle Helfer und Unterstützer.“ Für den Rückbau wendete SpiegelArt einen fünfstelligen Betrag aus eigener Tasche auf.

Übrig geblieben sind dabei geschätzte 6000 Tonnen Schutt. Für das Unternehmen selbst sei es unmöglich gewesen, alles in einem Atemzuge zu beseitigen. Anfang 2019 hatte sich SpiegelArt deshalb an die Firmen Nadebor und Beil gewandt, die mit dem Bauschuttrecycling beauftragt wurden. Wiederum in nur drei Wochen wurde der Betonschutt pulverisiert und gebrochen. Der Keller des ehemaligen Verwaltungsgebäudes wurde ausgehoben, neu befüllt, gefestigt und begradigt. „Hier mussten wir wiederum einen nicht unerheblichen fünfstelligen Betrag aufbringen. Zumindest hoffen wir hier auf eine Förderung“, erzählt Christian Noack. Auf die Frage, was auf der Fläche entstehen soll, sagt er: „Das ist noch nicht abschließend geklärt.“

Im vergangenen Jahr nämlich hatte SpiegelArt ein sehr kompliziertes Jachtprojekt beschäftigt, wie Christian Noack berichtet: „Wir produzierten für eine über 100 Meter lange Luxusjacht Antikspiegel.“ Der Auftrag habe viel Kapazität in Anspruch genommen, sodass sich erst Ende des vergangenen Jahres die Lieferzeit für die Stammkunden wieder normalisierte.

Trotzdem ist 2018 die Unternehmensführung nicht untätig gewesen. Immerhin ist die Belegschaft in den vergangenen neun Jahren von fünf auf 15 angewachsen. Auch habe SpiegelArt einen Kundenzuwachs verzeichnet, weshalb man die Produktpalette erweitert habe. Darauf sei die Familie Noack sehr stolz und wolle den Standort Weißwasser weiter entwickeln. „Wir haben von der Zwangsversteigerung der alten Spiegelfabrik an der Berliner Straße erfahren und haben erfolgreich an der Versteigerung teilgenommen“, erzählt Christian Noack. In das Gebäude, in dem sich nach der Wende ein Teppichmarkt, später ein Online-Händler befunden hatte, ist nun wieder eine Spiegelproduktion eingezogen. „Wir konnten schon einige Teile der Produktionsstätte in Betrieb nehmen“, so Noack. Es seien allerdings noch einige Umbaumaßnahmen notwendig, denn „die Glasstadt Weißwasser soll, zumindest ein bisschen, wieder zur Glasstadt werden“.

Weitere Fotos von den Abrissarbeiten und dem Gelände gibt es unter www.lr-online.de/bilder

Bildergalerie Abriss an der Berliner Straße in Weißwasser