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| 01:24 Uhr

Weißwasser stand Kopf, wenn die Kanadier kamen

Joachim Ziesche (links) galt in Weißwasser nicht eben als Volksheld. Trotzdem wurden seine Leistungen immer gewürdigt. Hier ist der Berliner in trauter Runde mit Weißwasseraner Eishockey-Legenden: Dieter Greiner, Frank Braun, Erich Novy und Manfred Buder (v. re.).
Joachim Ziesche (links) galt in Weißwasser nicht eben als Volksheld. Trotzdem wurden seine Leistungen immer gewürdigt. Hier ist der Berliner in trauter Runde mit Weißwasseraner Eishockey-Legenden: Dieter Greiner, Frank Braun, Erich Novy und Manfred Buder (v. re.). FOTO: Archivfoto: Heider Jaschke
Regelrechte Eishockeyfeste fanden statt, wenn gegen kanadische Mannschaften gespielt wurde. Woraus entstand das Interesse? Jedenfalls war das Eisstadion jedesmal bis auf den letzten Platz gefüllt. Umfallen konnte kaum ein Zuschauer, denn es sollen bis zu 16 000 Eishockey-Fans anwesend gewesen sein. Von Klau Riehle(wird fortgesetzt)

Beeindruckend war dabei im weiten Rund des Freiluftstadions die Vielzahl der brennenden Feuerzeuge, Streichhölzer oder Kerzen, wenn die Spielfeldbeleuchtung ausgeschalten wurde.
In der Saison 1965/66 wurde die einmalige Meisterschaftsserie Weißwassers ausgerechnet im eigenen Kunsteisstadion unterbrochen. Der SC Dynamo Berlin, inzwischen härtester Konkurrent der Lausitzer, siegte im entscheidenden Spiel 2:1. Die Enttäuschung bei Spielern und Zuschauern war riesengroß, es gab nicht wenige mit feuchten Augen. Der „Aktuellen Kamera“ war dieses Ereignis wert, die laufende Sendung mit Livebildern aus Weißwasser zu unterbrechen, um die jubelnden Spieler aus Berlin zu zeigen.
Bei der folgenden Weltmeisterschaft in Ljubljana/Slowenien gelang der DDR-Mannschaft ein weiterer Paukenschlag. Die Eishockeynation Schweden musste eine 1:4-Niederlage hinnehmen. In, der Wertung der europäischen Mannschaft hätte die DDR-Mannschaft Bronze erhalten müssen. Das war damals laut Reglement nicht möglich. Erst 33 Jahre später wird den Spielern eine Medaille als Europameisterschaftsdritter überreicht. Mit Bronze wurden Manfred Buder, Joachim Franke, Klaus Hirche, Rüdiger Noack, Erich und Helmut Novy, Bernd Poindl, Heinz Schildan und Rainer Tudyka. Auch in den folgenden zwei Jahren konnten sich die Berliner Dynamos mit ihrem technisch gefälligerem Spiel bei den Landesmeisterschaften durchsetzen. Bei den Olympischen Winterspielen 1968 in Grenoble konnte eine DDR-Mannschaft teilnehmen. Das war natürlich ein Höhepunkt auch für Sportler aus Weißwasser. Für Weißwasser begann eine Umformierung der Oberligamannschaft. Junge Spieler wurden einbezogen. Als neuer Trainer stand Joachim Franke zur Verfügung. In den Jahren 1969 und 1970 wurden die Titel 16 und 17 nach Weißwasser geholt. Es waren gestandene und neue Spieler daran beteiligt. An der 17. Meisterschaft waren mit dem Kapitän Manfred Buder die Torwarte Klaus Hirche, Wolfgang Fischer, Roland Herzig, die Verteidiger Wilfried Sock, Helmut Novy, Hartwig Schur, Ralf Thomas, Bernd Engelmann, Ullrich Noack, Heinz Fabian und die Stürmer Rüdiger Noack, Peter Slapke, Rainer Tudyka, Rolf Bielas, Werner Domke, Rainer Mann, Wolfgang Mucha, Peter Domko, Dieter Huschto und Manfred Sekul beteiligt. 1969 kam Jürgen Franke als Jugendlicher auf eigenen Wunsch von Schönheide nach Weißwasser. Infolge des Kraftwerkbaus in Boxberg und der Erschließung von Kohlegruben in der engeren und weiteren Umgebung Weißwassers entwickelte sich das einstige Heidedorf in den f olgenden zwei Jahrzehnten zu einer Mittelstadt mit über 30 000 Einwohnern.
Die Sportführung des DTSB traf 1969/70 unerwartete Entscheidungen zu Disziplinen, für die kaum Medaillenchancen bei internationalen Meisterschaften bestanden. Besonders für Mannschaftssportarten wurde die Förderung eingestellt, so auch für Eishockey. Nur der Fußball- und Eishockeyfan Erich Mielke verhinderte für die beiden Dynamomannschaften das Aus nach dem Motto: „Ich liebe euch doch alle, am meisten Berlin.“ Also konnten die Schläger in Weißwasser und der DDR-Hauptstadt auch weiterhin gekreuzt werden. Talentierte Cracks aus den ehemaligen Leistungszentren Crimmitschau, Dresden, Erfurt, TSC Berlin und Rostock wurden auf die beiden verbliebenen Mannschaften aufgeteilt. So kamen Frank Braun, Frank Melzer, Reinhard Karger, Knut-Michael Meisel und andere zur Verstärkung in die Lausitz. Weißwassers Mannschaft konnte die nächsten Meisterschaften bis zur Saison 1974/75 in der Mini-Liga siegreich gestalten. Der SC Dynamo Berlin wurde zum Trost der damals Gewaltigen in Berlin immer Vizemeister. Zur Verbesserung der Trainingsbedingungen für den Lausitzer Verein wurde 1970 mit dem Bau einer Eishalle begonnen. Nach dem schrecklichen Eishockeybeschluss wurde festgelegt, dass statt der Ränge für 3000 Zuschauer eine Eisschnelllaufbahn um die Spielfläche herumgebaut wird. Hans Marko, viele Jahre technischer Leiter bei der SG Dynamo, wahrte f&u uml;r den Verein die Interessen beim Bau. 1974 wurde die erste Schnelllaufbahn unter einem Hallendach in Europa fertiggestellt. Weiterhin erhielt der Eissportkomplex am Wilhelm-Pieck-Kunsteisstadion ein Internat mit medizinisch-therapeutischen Räumen.
Bald nach der Reduzierung der Eishockeymannschaften entstand in Weißwasser eine Sektion Eisschnelllauf mit Jochen Philipp, Roland Schulze und Alfred Kraus an der Spitze. Viele Kinder haben beim Landtraining und auf dem Eis Freude an der sportlichen Betätigung gefunden. Erfolgreich verliefen viele Spartakiaden und Sichtungswettkämpfe für die Weißwasseraner Aktiven. Aus den vielen Trainingsgruppen wurden dann die besten Athleten nach Berlin, Dresden oder Erfurt delegiert und lagen bei nationalen und internationalen Meisterschaften mit vorn. Herausragendes Beispiel dafür ist Christa Luding, in Weißwasser unter ihrem Mädchennamen Rothenburger bekannt.
An dieser Stelle noch etwas zur Nachwuchsarbeit. Die Begeisterung der Jungen für Eishockey war gerade wegen der Erfolge riesengroß. Viele kamen zum Training der Laufgruppen, noch mehr spielten auf den Plätzen und Straßen mit Schläger und Puck. Familienbesuche von außerhalb stellten anerkennend fest: „Das gibt es sonst nirgendwo. Kein Wunder, dass ihr eine Spitzenmannschaft habt.“ Natürlich steckt dahinter die mühevolle Kleinarbeit vieler ehemaliger Spieler wie Paul und Siegfried Mann, Jürgen Johne, Kurt Stürmer, Wolfgang Blümel, Heinz Kuczera, Manfred Buder, Werner und Bernd Engelmann, Werner Domke, Hartwig Schur, Rainer Mann, Uwe Hoffmann, Andreas Heinrich. Die Liste ließe sich fortführen.
Nach der Beschränkung der Leistungszentren auf Weißwasser und Berlin wurden zur Entwicklung künftiger Asse Wettkampfreisen, besonders in die CSSR und nach Polen, unternommen. Beeindruckend waren die Turniere in Prag mit mehr als zwölf Mannschaften, aber auch in Plzen, Gottwaldov, Pardubice und Katowice gab es bei den Turnieren stets packende Wettkämpfe. Für die Nachwuchsmannschaften Weißwassers langte es überwiegend zu vorderen und mittleren Plätzen. Besonders die tschechischen Vereine konnten wegen der vielen Kunsteisflächen leistungsstarke Mannschaften aufbieten. Das Stillsitzen auf den langen Busfahrten fiel den Spielern oft nicht leicht. Auf der Rückfahrt vom ersten Turnier in Pardubice gab es zum Beispiel keine Probleme. Alle Akteure erhielten als Geschenk ein Pfefferkuchenhaus. Das hielten sie auf den Oberschenkeln im engen Bus fest. Und wehe, da hätte einer getobt und dabei vielleicht ein Pfeff erkuchenhaus eines Mitspielers zerbrochen!
1972 fand die letzte zentrale Kinder- und Jugendspartakiade im heutigen Chemnitz statt. Neben wenigen Eishockeyspielen fanden viele Wettbewerbe im Eiskunst- und Eisschnelllauf statt.
Letztere natürlich in der großen Halle! Leider waren dort nur wenige Spartakiadeteilnehmer als Zuschauer, denn die zog es in die Trainingshalle zum Eishockey. DTSB-Präsident Manfred Ewald war davon nicht begeistert. Wurden deshalb die Eishockeyspiele aus dem Programm gestrichen? Leider gaben viele veranlagte Jugendspieler in der Zeit nach 1970 das fast tägliche Eishockeytraining auf, weil sie für sich in der Männermannschaft keine Perspektive sahen.
Weißwassers Spielerdecke war teilweise so dünn, dass sogar Wilfried Sock, Peter Domko und Wolfgang Mucha wieder reaktiviert wurden. Der SC Dynamo Berlin hatte Vorteile, denn fast alle Spieler besuchten die Sportschule, hatten täglich zwei Mal Training und konnten somit besser ausgebildet werden. In Weißwasser konnte nur der Weg über die Konzentration der Spieler an eine Schule gegangen werden, eine Sportschule wurde nicht zugelassen.

Jubiläum Kreativwettbewerb bis 29. Oktober verlängert
 Der Eissport Weißwasser wird am 15. Dezember sein 75-jähriges Vereinsjubiläum mit einer großen Party feiern. Bereits am Vormittag finden erste Veranstaltungen im Stadion statt. Außerdem gibt es eine Festveranstaltung und ein Eishockeyspiel mit ehemaligen Profis. Nähere Informationen dazu folgen. Der extra für dieses Jubiläum ins Leben gerufene Kreativwettbewerb wurde unterdessen bis zum 29. Oktober verlängert. An diesem Wettbewerb können sich Kinder und Jugendliche aller Altersklassen beteiligen. Sie sollen ihre Ideen zum Thema "75 Jahre Eishockey in Weißwasser" künstlerisch umzusetzen. Dabei sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Bilder, Zeichnungen, Collagen, Fotoarbeiten und Computerpräsentationen können eingereicht werden. Für die Gewinner der jeweiligen Altersklassen stehen Preise im Wert von je 100 Euro bereit. Weitere 100 Teilnehmer erhalten Eishockey-Überraschungspreise. Neben der Prämierung der Einzelsieger werden als Teampreise Eislaufzeiten mit dem Besuch eines Trainings der Lausitzer Füchse, inklusive Autogrammstunde, vergeben.