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| 16:53 Uhr

Strukturwandel
Sachsen rüstet sich für Nach-Kohle-Ära

 Die interministerielle Arbeitsgruppe „Strukturentwicklung sächsischer Braunkohlereviere“ hat in Weißwasser getagt. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat dazu eingeladen.
Die interministerielle Arbeitsgruppe „Strukturentwicklung sächsischer Braunkohlereviere“ hat in Weißwasser getagt. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat dazu eingeladen. FOTO: Christian Köhler
Weißwasser. In Weißwasser stellt die Staatsregierung ihre Projekte vor. Für die Lausitz geht es um Infrastruktur und 5-G-Technik. Von Christian Köhler

Zu einem Arbeitstreffen aller Ministerien des Freistaates hat Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Montag nach Weißwasser geladen. Dabei sind sieben von 14 Projekten, die Sachsen im Zuge des Kohleausstieges angehen will, vorgestellt worden. „Die Anbindung der Lausitz an die Metropoloregionen muss deutlich verbessert werden“, nennt Kretschmer eines der größten und sicher auch teuersten Vorhaben. Der Schwerpunkt der Anbindung in Sachsen soll auf Weißwasser, Boxberg und Hoyerswerda liegen, so Kretschmer.

Beim Schienennetz setzt Sachsen, so erklärt Bernd Sablotny, Abteilungsleiter für Verkehrsinfrastrukturprojekte des Wirtschaftsministeriums, auf drei Achsen. Allein für die Vorplanung der Elektrifizierung der Linie Dresden – Görlitz – Breslau nehme Sachsen zehn Millionen Euro in die Hand. „Bei der Elektrifizierung selber rechnen wir mit Kosten von 550 Millionen Euro“, so Sablotny. Die Linie Dresden – Kamenz soll ebenfalls elektrifiziert werden. „Die Haltepunkte Bernsdorf und Hosena sollen provisorisch ertüchtigt werden, damit der Zugang zum Lausitzer Seenland gewährleistet ist.“ Insgesamt fallen Kosten von 65 Millionen Euro an. Sachsen wolle ferner weiter an der ICE-Strecke Cottbus – Weißwasser – Zittau festhalten. „Ende Mai wird es dazu ein Spitzengespräch mit der Deutschen Bahn geben“, so Sablotny. Zwischen Niesky und Weißwasser werde zudem ein Umschlagsplatz für den Güterverkehr entstehen, „denn die Magistrale zwischen Knappenrode und Horka ist bereits fertiggestellt.“

Auch der Straßenverkehr müsse dringend verbessert werden. So soll die A 4 von Dresden bis zur polnischen Grenze sechspurig ausgebaut werden. „Wir erkennen hier einen besonderen Bedarf, weil der Anteil des Schwerlasttransportes extrem hoch ist“, so Sablotny. Für die Verlängerung der B 178n, die die Verbindung zwischen der A 15 bei Cottbus und der A 4 bei Weißenberg realisieren soll, liege ein erster Entwurf der Machbarkeitsstudie vor. „Der Verlauf muss aber noch diskutiert werden“, sagt Sablotny. Ferner soll das mitteldeutsche mit dem Lausitzer Revier durch eine Straßenverbindung verbunden werden. Die MiLau soll über 220 Kilometer lang von Leipzig über Elsterwerda, Hoyerswerda, Weißwasser bis nach Bad Muskau führen. „Es ist noch nicht klar, wie genau der Streckenverlauf ist“, fügt Sablotny an.

Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) gibt zu bedenken, dass die Verbindung zwischen Weißwasser und Bautzen unbedingt verbessert werde müsse. Hans-Jürgen Pfeiffer, Geschäftsführer des Nahverkehrszweckverbandes Zvon wünscht sich, dass der Nahverkehr schon jetzt mit Strukturhilfen verbessert werden müsse. Wolfgang Zettwitz, Geschäftsführer vom Regionalen Planungsverband-
es Oberlausitz-Niederschlesien, sagt, „auch alte Bahnverbindungen wieder in Betrieb zu nehmen, etwa zwischen Cottbus und Bautzen, wäre sinnvoll“.

Um Unternehmen vor Ort zu stärken und neue anzulocken, setzt der Freistaat auf das 5G-Forschungsfeld Lausitz. Das, so Sebastian Lindner von der sächsischen Staatskanzlei, soll länderübergreifend in Hoyerswerda und Welzow angesiedelt werden. Die Frequenzen der 5G-Technologie werden derzeit durch die Bundesnetzagentur versteigert. Die Technik soll schnelle Übertragungsraten ermöglichen, sodass autonomes Fahren und Fliegen sowie Industrieanwendungen entwickelt werden müssen. „Das Netzwerk soll von der TU Dresden begleitet werden“, so Lindner. In Hoyerswerda und Welzow werden die Forschungen betrieben. Vorgesehen ist zudem ein 5G-Campus für Ostsachsen. Damit ist ein mobiler Container gemeint, der die 5G-Technik enthält und beispielsweise in Industriegebiete verbracht werden kann. „So können ortsansässige Firmen auf die 5G-Technologie aufbauen können“, beschreibt Lindner.

Die Staatsregierung will zudem die Anstrengungen verstärken, neue Unternehmen in die Lausitz zu locken. „Ich reise mit den Ministerpräsidenten von Brandenburg und Sachsen-Anhalt am 6. Mai nach Brüssel“, berichtet Kretschmer. Dort wolle man für Behilfen zur Regionalförderung, zu Ausbildungen und Firmenansiedelungen werben.

Am 9. Mai wiederum lädt Sachsen zu einer Investorenkonferenz, zu der laut Kretschmer etwa 40 Unternehmen aus Baden-Württemberg geladen sind. Das habe die dortige Landesbank initiiert, „denn es gibt Firmen, die um den Raum Stuttgart nicht mehr wachsen können, wohl aber bei uns“, so Michael Kretschmer. Um die Firmen auch finanziell zu unterstützen, dafür wolle er in Brüssel für eine Sonderwirtschaftszone werben. Die Forderung hatte das kommunale Bündnis Lausitzrunde bereits artikuliert.

 Die interministerielle Arbeitsgruppe „Strukturentwicklung sächsischer Braunkohlereviere“ hat in Weißwasser getagt. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat dazu eingeladen.
Die interministerielle Arbeitsgruppe „Strukturentwicklung sächsischer Braunkohlereviere“ hat in Weißwasser getagt. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat dazu eingeladen. FOTO: Christian Köhler