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Mittelstand
Saubermänner im Einsatz gegen Keime

Die Firma Reha Wash in Weißwasser erweitert zurzeit ihre Produktionsstätte, baut diese aus und dämmt sie. In dieses Vorhaben investiert das Unternehmen circa 350 000 Euro.
Die Firma Reha Wash in Weißwasser erweitert zurzeit ihre Produktionsstätte, baut diese aus und dämmt sie. In dieses Vorhaben investiert das Unternehmen circa 350 000 Euro. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Weißwasser  . Weißwasseraner Firma stattet europaweit Krankenhäuser & Co. mit automatischen Wasch-Anlagen zum Reinigen und Desinfizieren von Rehamitteln, Betten und Matratzen aus.

Hinter manchen grauen Fassaden in Weißwasser verstecken sich echte Überraschungen – kleine Firmen, die riesige Umsätze stemmen und weit über die Grenzen der Stadt erfolgreich am Markt sind. Reha Wash gehört dazu. Mit ihren Medizinprodukten realisiert die Mannschaft um Rainer Kluge (65), ehemaliger internationaler Schiedsrichter im Eishockey, einen Jahresumsatz von etwa einer Million Euro. Die Weißwasseraner statten europaweit Krankenhäuser und Rehakliniken mit automatischen Wasch-Anlagen zum Reinigen und Desinfizieren von Rehamitteln, Betten und Matratzen aus. „Wir sind Tüv-zertifiziert und mit unserem Verfahren die einzigen in Europa“, ist Rainer Kluge stolz. „Wir setzen dabei auf warmes Wasser und Chemie, die ökologisch abbaubar ist.“ Und das nachweislich. „Mit unserer Chemie geht alles tot, wir töten mehr als wir müssen“, sagt er schmunzelnd. Die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Werte bei der Bekämpfung von Bakterien werden übertroffen, betont Rainer Kluge, sagt: „Wir sind immer besser.“

Die Weißwasseraner arbeiten dafür mit einem Institut in Marburg zusammen, und das schon 15 Jahre. Getestet werde regelmäßig. Dazu wird ein Metall-Spatel, der mit Bakterien behaftet ist, zum Beispiel an einen Rollstuhl befestigt. Dieser wird in der automatischen Waschanlage gereinigt und desinfiziert. „Anschließend wird der Spatel im Institut geprüft, um wie viel die Bakterien reduziert wurden“, erklärt der 65-Jährige. Tests wie dieser gehören zur Zertifizierung und erfolgen auch auf Kundenwunsch.

Das Patent hatte Rainer Kluge 2002 in den USA erworben, auch die Formen für die Waschzellen, damals noch aus Kunststoff. Bis 2004 waren 100 Anlagen in Weißwasser gefertigt.

Was den Kampf gegen die Keime angeht, so seien die Nordländer laut Kluge absolute Vorreiter. „Allein in Dänemark stehen 48 Maschinen von uns in Krankenhäusern und in zentralen Sanitätshäusern.“ Kluge zählt weitere Länder auf wie Finnland, Norwegen, England, Irland, Litauen, Frankreich ... Rund 400 Anlagen sind es derzeit in Europa, und weitere Länder wie zum Beispiel Estland hätten Bedarf angemeldet. Das Thema Krankenhauskeime spiele längst nicht nur in Deutschland eine Rolle. Wobei die Deutschen, so Rainer Kluges Einschätzung, den Nordlichtern in der Vergangenheit etwas hinterher hinkten, was die Umstellung auf die maschinelle Reinigung und Desinfektion angeht. „Aktuell sind wir jedoch immer mehr im Gespräch mit deutschen Kliniken“, bestätigt Vertriebskollege Lutz Röhle. Zurzeit sei man dabei, auch die Kooperation mit Spanien zu erweitern. Eine Maschine haben die Weißwasseraner bereits an ein Krankenhaus in Santiago de Compostella geliefert. Für rund 200 000 Euro hat Pakistan zwei komplette Waschstraßen in Weißwasser bestellt. „Auch wenn wir nur eine kleine Firma mit sechs Leuten sind, man kennt uns und weiß die Qualität zu schätzen“, berichtet Kluge und schwört auf die Mitarbeiter als wahre Spezialisten. Es werde auftragsbezogen gearbeitet, die Anlagen auf Wunsch mit individuellen IT-Programmen ausgestattet, die die von seinen Leuten auch geschrieben werden. Auch die Wartung übernehmen die Weißwasseraner europaweit.

Bei den Zulieferern setzt Rainer Kluge überwiegend auf regionale Firmen. „Es gibt hier viele gute Unternehmen, auf die Verlass ist.“ So baut der Betrieb Fielitz aus Groß Kölzig die metallenen Chassis für die Waschanlagen. Ein weiterer von mehreren Partnern ist Eckhard Rudoba aus Bad Muskau, von dem Kluge & Co. die Rad-Waschvorrichtung bekommen. „Wir bauen hier dann alle Zulieferteile ein.“

Da die Nachfrage nach den Medizinprodukten made in Weißwasser steigt, wird derzeit die Produktionsstätte an der Berliner Straße erweitert und von außen gedämmt. In die Halle,1985 gebaut als Versandlager für Spiegelproduktion, fließen dafür rund 350 000 Euro an Investitionen. Rainer Kluge berichtet von Fördermitteln der Sächsischen Aufbaubank dafür und die Finanzierung über die Hausbank, die Sparkasse. Die habe das Potenzial der Firma erkannt. Vor zehn Jahren sei das anders gewesen, erinnert sich Rainer Kluge nur zu gut. Ihm wurde ein dringend notwendiger Kredit verwehrt. Die Folge war die Insolvenz. Die Rettung: „Ein Holländer, mit dem wir kooperierten, hat uns damals aufgekauft. Das war ein Glück für uns.“ Seither ist Rainer Kluge Betriebsleiter, ist jährlich per Auto und Flieger zig tausende Kilometer auf Achse, um für die Produkte auf einschlägigen Messen wie die Reha-Care in Düsseldorf, bei Krankenhäusern und anderen potenziellen Kunden zu werben. Seit drei Jahren habe er mit Lutz Röhle  eine spürbare Verstärkung an Bord. Positiv zahle sich auch die Zusammenarbeit mit Büros in einigen EU-Ländern aus.

Auch Sohn Torsten ist seit Anfang an mit in der Firma und leite die Produktion. „Wir sind ein gutes Team“, ist Vater Rainer stolz. Mit Torsten und Sohn Steffen habe er früher auch die Freude am Eishockey geteilt, beide Jungs spielten, und der Vater hat erfolgreich gepfiffen – auch international, bei Weltmeisterschaften, im amerikanischen Lake Placid, war Schieri-Chef in Sachsen und DEL-Beobachter. Vor 15 Jahren war Schluss damit, da hat der Weißwasseraner der Trillerpfeife den Ruhestand verordnet. „Da war die Firma, ich bin nur noch hin und her, da musste ich die Reißleine ziehen.“ Heute guckt er sich ab und zu ein Füchse-Spiel an, schnuppert Eisarena-Luft, „und wir sind ein kleiner Sponsor“, sagt Rainer Kluge.

Der heutige Betriebsleiter Rainer Kluge (r.) erklärt Frank Schenker und Bernd Stoppe aus Cottbus die Funktionsweise der Reha-Wash-Anlagen.
Der heutige Betriebsleiter Rainer Kluge (r.) erklärt Frank Schenker und Bernd Stoppe aus Cottbus die Funktionsweise der Reha-Wash-Anlagen. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Torsten Kluge, Sohn des Firmengründers und heutigen Betriebsleiters, ist für die die Produktion der Waschzellen und -straßen zuständig.
Torsten Kluge, Sohn des Firmengründers und heutigen Betriebsleiters, ist für die die Produktion der Waschzellen und -straßen zuständig. FOTO: Gabi Nitsche / LR