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| 08:11 Uhr

Aus dem Gericht
Paketbote fährt in Weißwasser Fußgänger an, der später verstirbt

Weißwasser. Ein tragisches Unglück wurde jetzt vor dem Amtsgericht in Weißwasser verhandelt: Ein Paketbote hat einen 70-Jährigen angefahren, der an den Folgen seiner Verletzung verstorben ist. Von Christian Köhler

Es ist ein besonders tragisches Unglück, was sich am 30. Oktober 2018 in Weißwasser abgespielt hat. Ein Paketbote ist mit seinem Transporter rückwärts von der Humboldtstraße in eine Einfahrt der Gutenbergstraße zwischen zwei Häuserblöcken gefahren. Dabei hat der heute 37-Jährige einen 70-jährigen Weißwasseraner übersehen, der dabei gewesen ist, den Hausmüll zu entsorgen. Mit voller Wucht hat er den Senioren angefahren. Später ist der Mann an den Folgen seiner Verletzung verstorben.

Paketbote wollte so nah wie möglich zum Eingang

Vor dem Amtsgericht in Weißwasser hatte sich nun der Fahrer zu verantworten. Der Staatsanwalt hat die fahrlässige Tötung zur Anklage gebracht, über die nun Amtsgerichtsdirektor Martin Hinrichs zu entscheiden hatte.

„Ich bin rückwärts in die Einfahrt gestoßen, weil ich das schwere Paket so weit wie möglich zu dem Eingang bringen wollte, an dem ich es abzuliefern hatte“, erzählt der Angeklagte. Plötzlich habe er einen Knall gehört, sei abrupt stehen geblieben und ausgestiegen. „Ich habe gesehen, dass er schwer verletzt ist und habe sofort den Notarzt gerufen“, berichtet er weiter. Er selbst habe derart unter Schock gestanden, dass er eine Passantin zu Hilfe rief. Noch heute befindet er sich wegen des Unfalls in psychologischer Behandlung. „Ich kann nicht schlafen, weil ich das Bild einfach nicht aus meinem Kopf bekomme“, erzählt er dem Gericht.

Paketbote wendet sich an Familie des Opfers

Noch immer arbeitet er als Paketbote, „allerdings kann ich meine Arbeit nicht mehr so ausüben wie früher.“ Auch habe er sich an die Familie des Opfers gewandt, sich erkundigt, wie es dem Mann gehe. Eine Antwort habe er nicht erhalten. Erst später habe ihm die Polizei mitgeteilt, dass der Mann verstorben ist. „Er wirkte sehr gefasst“, berichtet der Polizist, der die traurige Nachricht zu überbringen hatte.

Auf die Frage des Staatsanwaltes, ob er denn Schrittgeschwindigkeit gefahren sei, entgegnet der Beschuldigte: „Ich bin etwas schneller als Schrittgeschwindigkeit gefahren“. Allerdings würde der Lieferwagen ein akustisches Signal beim Rückwärtsfahren aussenden, weshalb ihm nicht erklärlich sei, dass der Mann dies nicht bemerkt habe. „Und ich habe zuvor eine junge Frau mit Kopfhörern noch passieren lassen“, sagt er. Nachdem er den Knall gehört hatte, habe er noch gedacht, es sei ein Paket im Laderaum umgefallen.

Tod geht auf den Unfall zurück

Ein hinzugezogener Rechtsmediziner hat dem Gericht während der Verhandlung eindringlich die Verletzungen erläutert. „Der Tod geht auf den Unfall zurück“, erklärt Dr. Uwe Schmidt, Facharzt für Rechtsmedizin an der TU Dresden. Ferner hat Verkehrsgutachter René Schlütter aus Bautzen den Unfallhergang detailgetreu rekonstruiert. Auch er kommt zu dem Schluss, dass „alle Spuren, die ich gefunden habe, mit dem beschriebenen Ablauf übereinstimmen“. Ferner stellt der Gutachter fest, dass sich im Fahrzeug eine Kamera befindet, die dem Fahrer eine Rückwärtssicht erlaubt. Genutzt, so der Angeklagte, habe er sie kurz vor dem Unfall allerdings nicht.

Während die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe für den Paketboten in Höhe von 15 600 Euro forderte, hielt die Verteidigung die Geldstrafe für viel zu hoch. Sie forderte knapp 10 000 Euro. Richter Martin Hinrichs folgt in seinem Urteil der Anklage. „Ich weiß, es ist ein großes Unglück, richtet er sich an den Angeklagten, „aber letztlich haben Sie nicht in den Rückspiegel geschaut und die Ihnen zur Verfügung stehende Kamera im Auto nicht genutzt. Sie müssen bestraft werden“, so der Richter.