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| 16:35 Uhr

Aus dem Stadtrat Weißwasser
Neuer Sozialtrakt am Turnerheim

 Das Turnerheim Weißwasser nutzen wöchentlich mehr als 1000 Sportler, informiert die Stadtverwaltung.
Das Turnerheim Weißwasser nutzen wöchentlich mehr als 1000 Sportler, informiert die Stadtverwaltung. FOTO: Christian Köhler
Weißwasser. Der Weißwasseraner Rat hat bei der Haushaltsdebatte den Weg für den Anbau freigemacht. Kosten: 450 000 Euro. Von Christian Köhler

Mit einer ganzen Reihe von Bürgereinwänden zum Haushaltsbeschluss in Weißwasser hatte sich jüngst der Stadtrat zu beschäftigen. Zwei davon betreffen auch das Turnerheim in Weißwasser. Olaf Schober aus Weißwasser ist der Meinung, dass der Neubau eines Sozialtraktes keine Pflichtaufgabe der Stadt sei und zudem das Turnerheim nicht als solches der Allgemeinheit diene. Petra Greiner meint, es sollten keine weiteren Investitionen in die Sportstätte getätigt werden. Schließlich habe man bereits in Kunstrasenplätze investiert.

Auch SPD-Stadtrat Ronald Krause fragt per E-mail – er ist bei der Ratsdebatte nicht anwesend – welche Folgekosten ein Anbau für die Stadt haben würde. „Es gibt noch keine Kostenberechnung, da es auch noch keine Planung gibt“, antwortet Bauamtsleiter Thomas Böse. Er verweist auf den Betreibervertrag, den das Rathaus mit dem VfB Weißwasser vereinbart hat. Danach fließen jährlich 60 000 Euro von der Stadt zum Verein – „und dabei bleibt es“, so Böse.

Der Bauamtsleiter kann darüber hinaus überhaupt nicht nachvollziehen, dass „das Turnerheim nicht der Allgemeinheit zugute kommt“. Schließlich würden fast die Hälfte aller aktiven Sportler in Weißwasser das Areal nutzen. „Wöchentlich gehen dort 1000 Sportler duschen“, so Böse. Neben den Fußballern vom VfB nutzen das Turnerheim die Abteilung Fechten vom KSV 90 Weißwasser, die Ringer und Schachspieler von Grün-Weiß Weißwasser, die Sektion Radsport und viele Hobbysportler.

Auch VfB-Chef Hans-Jürgen Beil, der bislang für Klartext im Stadtrat saß, kann solchen Meinungen wenig abgewinnen. „Ich lade alle ein, sich am Nachmittag unter der Woche einmal anzusehen, wer und wie viele Weißwasseraner das Turnerheim nutzen“, sagt er der RUNDSCHAU.

Thomas Böse errinnert ferner daran, „wo wir einmal hergekommen sind“. In Weißwasser hat es vor mehreren Jahren noch sieben Großfeldplätze gegeben. „Und wir haben ein Sportstättenkonzept beschlossen, was für viele Vereine einen herben Einschnitt bedeutete“, so der Bauamtsleiter. Mehrere Sportstätten – wie etwa die Sportstätte „Glückauf“ – sind inzwischen geschlossen. Als Ausgleich hatte man vereinbart, das Turnerheim aufzuwerten. Allein deshalb ist es nötig gewesen, einen Großfeld- und einen Kleinfeldkunstrasenplatz anzulegen. „Und beide werden ständig genutzt“, berichtet auch Hans-Jürgen Beil.

Dass mit dem neuen Sozialtrakt auch ein Heizkraftwerk (BHKW) ins Turnerheim gebaut werden soll, bezeichnet Thomas Böse ebenfalls sinnvoll. „Derzeit haben wir dort eine alte Gaskesselanlage, die, wenn sie einmal kaputt geht, nicht mehr repariert wird“, erklärt er. Insofern gehe es bei dem Anbau auch darum, energetisch zu sanieren und das Gebäude im Winter kosteneffizienter zu betreiben.

Während die Mehrheit des Rates die beiden Bürgereinwände verwirft, enthalten sich Gudrun Stein sowie Bianka Hetmank (beide Linke) bei der Abstimmung. Kathrin Jung (SPD) stimmt den Bürgereinwänden zu.

Der Haushaltsbeschluss sieht nun vor, dass die Kosten von 450 000 Euro für den Sozialtrakt folgendermaßen finanziert werden sollen: 312 000 Euro sollen über die Rückerstattung der Zinszahlungen finanziert werden, die Weißwasser im Zuge der Vattenfall-Gewerbesteuerrückzahlung aufbringen musste. Noch allerdings ist nicht klar, ob diese tatsächlich zurückgezahlt werden. „Den Rest könnten wir über eine Sportstättenförderung finanzieren“, erklärt Thomas Böse, „sodass es mit Glück sogar eine Nullnummer für die Stadt wird.“

Die Planung für den Neubau soll 2020 beginnen. Die eigentlichen Arbeiten könnten laut Stadtverwaltung 2021 beginnen.

Petra Greiner hat im Zuge des Haushaltsbeschlusses ferner vorgeschlagen, einen eigenen Haushaltstitel für energetische Sanierungen von städtischen Gebäuden aufzunehmen. Damit, so argumentiert sie, würden die Kosten für deren Unterhaltung lang- und mittelfristig gesenkt. Weil der Stadtrat allerdings dem Vorhaben am Turnerheim und dem dortigen Einbau eines BHKW stattgab, ist ihr Vorschlag mehrheitlich abgelehnt worden. Bernd Frommelt (KJiK) hätte den Vorschlag jedoch begrüßt.

 Das Turnerheim Weißwasser nutzen wöchentlich mehr als 1000 Sportler, informiert die Stadtverwaltung.
Das Turnerheim Weißwasser nutzen wöchentlich mehr als 1000 Sportler, informiert die Stadtverwaltung. FOTO: Christian Köhler