Am 22. Mai 1992, es war ein Freitag, gingen kurz nach 17 Uhr die ersten Notrufe bei der Polizei ein - der Wald im Hermannsdorfer Revier brennt, Rauchentwicklung an der Bahnlinie Weißwasser - Görlitz. Ein Trockengewitter soll der Auslöser gewesen sein, wie sich später herausstellte. Die grüne Lunge rings um Weißwasser war zu diesem Zeitpunkt knochentrocken. Innerhalb von vier Wochen im April/Mai hatte es bis dahin schon 16 Waldbrände gegeben.

Die Weißwasseraner Feuerwehr fuhr also mit einem TLF 16 raus und bemerkte zu diesem Brand noch weiteren Rauch aufsteigen aus Richtung Tagebau. "Die 150 Quadratmeter an der Bahnlinie haben wir allein gelöscht. Doch das zweite Feuer umfasste zehn Hektar Freifläche und Schonung. Die Umland-Wehren mussten nun mit ran. Und Ehrenfried Krause, der damalige Leiter vom Brand- und Katastrophenschutzamt." Gerd Preußing, heute Chef der Weißwasseraner Feuerwehr, war damals gerade hauptamtlicher Feuerwehrmann geworden. Am gestrigen Mittwoch blättert er in einem dicken Ordner mit Fotos, Zeitungsausschnitten, Karten und den Einsatzberichten von damals. "Das waren schon dramatische Zeiten", kommt es über seine Lippen.

In gut zwei Wochen, am 11. und 12. Mai, wollen die Floriansjünger aus Weißwasser an die Zeit erinnern. Doch nicht nur das. "Es geht vor allem darum, das Thema Waldbrandschutz damals und heute gegenüber zu stellen." Dafür bereiten die Kameraden nicht nur eine große Ausstellung im Generationstreff "SpinnNetz" vor, die am 11. Mai um 18 Uhr im Beisein von geladenen Gästen feierlich eröffnet wird. Gezeigt werden unzählige Fotos, die an die brenzligen Wochen damals erinnern und bereits zum 100-jährigen Bestehen der Feuerwehr für Beachtung bei den Besuchern sorgten. Ein zweites Thema richtet sich auf die Entwicklung des Feuerwachturmes. Wer sich dafür interessiert, ist am 12. Mai herzlich eingeladen.

200 Feuerwehren eingeladen

Diesen Tag sehen die Feuerwehr-Leute als den eigentlichen Höhepunkt an. Von 10 bis 16 Uhr machen sich die Brandschützer auf dem Sorauer Platz breit. Mit Mann und Technik, und sie bereiten ein Symposium vor.

"Wir haben alle Feuerwehren eingeladen, die damals hier bei uns im Einsatz waren - rund 200 aus ganz Deutschland", berichtet Gerd Preußing.

Denn das, was am 22. Mai 1992 ja noch ein "normaler" Waldbrand war, hatte sich im Laufe des Sonnabends zu einer Katastrophe entwickelt, die ohne die vielen, vielen Einsatzkräfte nicht zu stoppen gewesen wäre.

Die Flammen dehnten sich am 23. Mai 1992 in alle Richtungen aus. Gegen 14 Uhr wurde Katastrophenalarm ausgelöst. "Dabei fing der Tag so schön an. Wir waren alle nach Nochten gefahren zum Kreisjugendfeuerwehr-Tag. Plötzlich sahen wir den Rauchpilz hochgehen", blickt Gerd Preußing zurück. Da gab es nur eins: aufsitzen, Blaulicht, los.

Der Wind hatte aufgefrischt und vorhandene Glutnester aufgeheizt. Am späten Vormittag brannte es gleichzeitig an verschiedenen Stellen. "Zu diesem Zeitpunkt waren zehn Tanklöschfahrzeuge, zwölf Löschfahrzeuge und 126 Mann im Einsatz. Und es brannte immer weiter", so Preußing. Die Flammen dehnten sich in alle Richtungen aus. Einsatzleiter Krauses Argumente, Katastrophenalarm auszulösen, überzeugten. Das war gegen 14 Uhr. Preußing stützt sich auf den Einsatzbericht und eigene Erinnerungen. Gegen 15.30 Uhr wurde versucht, das Feuer an der alten B 156 zu halten. Sämtliche verfügbaren Kräfte bauten sich auf, bildeten eine Wassergasse und stemmten sich mit ganzer Kraft gegen die Flammen. Doch rund 300 Meter davor stand der Wald vom Boden bis zu den Wimpfeln in Flammen. "Die Thermik, die sich bei so einem Vollbrand entwickelt - das rauscht so gewaltig wie ein Düsenjet - ist enorm. Brennende Äste flogen hunderte Meter und entzündeten die Bäume im Altteicher Revier. Nun brannte es also auch im Rücken der Einsatzkräfte." Preußing erinnert sich, dass Frank Hilbig von der Weißwasseraner Wehr damals mit seinem Fahrzeug, einem LO, dort von einer Feuerwalze erfasst wurde. Das Fahrzeug brannte, Kameraden löschten es. "Frank kehrte auf die Wache zurück, stieg aus und verschwand. Er stand völlig unter Schock, musste dann auch mit Rauchvergiftung ins Krankenhaus."

Bis zum 7. Juni dauerte der Katastrophenalarm. 3500 Feuerwehrleute mit Technik, fünf Bundeswehr-Hubschrauber; unzählige Soldaten, Polizisten, Rettungskräfte und Forstleute kämpften bis an die Grenze der Belastbarkeit. Sie konnten dennoch nicht verhindern, dass 920 Hektar Wald vernichtet wurden.

Am 12. Mai 2012 geht es um Erinnerungen wie diese. Doch dabei wollen es die Kameraden nicht belassen und haben Fachvorträge organisiert. "Das Forstamt widmet sich dem Waldbrandschutz damals und heute, und der damalige Einsatzleiter Ehrenfried Krause schildert seine Sicht auf die Ereignisse 1992. Ein Agrarflieger spricht über Brandbekämpfung aus der Luft, und der SPN-Kreisbrandmeister berichtet über den Waldbrandschutz im Nachbarland Brandenburg", kündigt Gerd Preußing an.