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| 15:41 Uhr

Strukturwandel
Kein Plan für die Rückverlegung der B 156

 Hier führte einst die B 156 geradeaus weiter nach Boxberg. Seither müssen die Weißwasseraner einen Umweg in Kauf nehmen, um nach Boxberg zu kommen.
Hier führte einst die B 156 geradeaus weiter nach Boxberg. Seither müssen die Weißwasseraner einen Umweg in Kauf nehmen, um nach Boxberg zu kommen. FOTO: Christian Köhler
Rietschen/Weißwasser. Revierbeauftragter Stephan Rohde: „Ich habe von dem Problem noch nicht gehört, aber wir nehmen es mit.“ Er erklärt auch, warum Gebiete in Polen besser gefördert sind als in Deutschland. Von Christian Köhler

Als der Revierbeauftragte der sächsischen Staatsregierung, Stephan Rohde, in Rietschen zu Gast ist, erklärt er: „Wir kommen deshalb in ihre Gemeinde, um zu erfahren, was es für Probleme vor Ort gibt.“ Man wolle in Dresden tunlichst vermeiden, „über die Köpfe der Menschen im Lausitzer Revier hinweg“ zu entscheiden. Zur Rückverlegung der B 156 kann er allerdings nichts sagen. Auf RUNDSCHAU-Nachfrage erklärt er: „Ich habe von dem Problem noch nicht gehört, aber wir nehmen es mit.“

Zum Hintergrund: Im Zuge des Braunkohleabbaus am Tagebau Nochten ist die ehemalige B 156 umverlegt worden. „Seither müssen Weißwasseraner einen Umweg in Kauf nehmen“, argumentiert Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Schon bei der Vorstellung der sogenannten „Leuchtturmprojekte“ des Freistaates in Weißwasser vor einigen Wochen, hatte sich Pötzsch in dieser Sache an die Landesregierung gewandt: „Durch den Truppenübungsplatz ist die Rückverlegung doch gar nicht mehr möglich“, so Pötzsch.

Tatsächlich ist der Truppenübungsplatz aufgrund der Weiterführung des Tagebaus Reichwalde nach Norden erheblich dezimiert worden. Einige Bereiche sind inzwischen von dem Gebiet zwischen Rietschen und Weißkeißel an die Spreestraße zwischen Boxberg und Mulkwitz umverlegt worden. Eine entsprechende Rückverlegung würde bedeuten, dass diese durch den TÜP führt.

Darüber hinaus geht Stephan Rohde auch auf die Wirtschaftsförderung im Nachbarland Polen ein: Bundestagsabgeordneter Tino Chrupalla (AfD) etwa ärgert sich darüber, dass in Polen die EU stärker fördert als in Ostsachsen. Er wolle, dass Investoren nach Deutschland kommen und hiesige Firmen stärker unterstützt werden. Dabei ist dies gar nicht so einfach, wie er allerdings verschweigt: „Das Nachbarland Polen hatte bei seinem EU-Beitritt bereits Sonderwirtschaftszonen ausgewiesen“, erläutert Rohde. Dadurch seien stärkere finanzielle Zuwendungen möglich und für Unternehmen sei es folglich attraktiver, dort zu investieren als in Ostsachsen. In Deutschland gab es dies beim EU-Beitritt nicht. Und schon gar nicht im Zuge der deutschen Wiedervereinigung. „Wir müssen uns deshalb auf einen langen Prozess einstellen, dies wieder für uns zu verhandeln“, erklärt er.

Insbesondere die Lausitzrunde hatte stets gefordert, dass die Lausitz zu einer Sonderwirtschaftszone erklärt wird. Inzwischen setzt sich dafür auch Sachsen ein.

 Hier führte einst die B 156 geradeaus weiter nach Boxberg. Seither müssen die Weißwasseraner einen Umweg in Kauf nehmen, um nach Boxberg zu kommen.
Hier führte einst die B 156 geradeaus weiter nach Boxberg. Seither müssen die Weißwasseraner einen Umweg in Kauf nehmen, um nach Boxberg zu kommen. FOTO: Christian Köhler