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| 16:50 Uhr

Stadtgespräch
Klarer Dienstauftrag in Sachen Jahnbad

Anwohner vom Jahnteich in Weißwasser schauen sich mit großem Interesse die Pläne für das Gelände rund um das Gewässer an.
Anwohner vom Jahnteich in Weißwasser schauen sich mit großem Interesse die Pläne für das Gelände rund um das Gewässer an. FOTO: Regina Weiß
Weißwasser. Die Zukunft des Kleinods am Jahndamm in Weißwasser liegt vielen am Herzen, wie die 50 Besucher beim Bürgerdialog am Dienstagabend gezeigt haben. Von Regina Weiß

Der nächste Sommer kommt bestimmt und mit ihm der Wunsch nach dem Badevergnügen in Weißwasser. Nur gut, dass Weißwasser das Kleinod Jahnbad hat. Dieses soll auch in den kommenden Jahren seine Pforten öffnen. In welcher Form allerdings – darüber reden sich Stadträte und Stadtverwaltung gerade die Münder fusselig. Bewachtes Freibad oder unbewachte offene Badestelle? Das ist die Frage der Fragen in diesen Tagen.

Eine sehr deutliche Antwort haben darauf die 50 Frauen und Männer gegeben, die der Einladung der Stadtratsfraktionen Klartext und „Wir für Hier“ am Dienstagabend in den Pavillon des Stadtvereins gefolgt waren. Fast einem Appell gleich heißt es dort: Das Freibad muss bleiben, weil es für Familien mit Kindern eben eine schöne Einrichtung ist. „Ihr müsst nicht nur streiten, sondern auch eine Lösung finden“, macht Jens Werner eine klare Ansage in Sachen Stadtrat und Verwaltung. Als Mitglied zweier Sportvereine bringt er dieselben mit ins Boot, wenn sich künftig über die Zukunft unterhalten wird. Das greift Gert Emmrich, Leiter des Tierparks, auf: Vertreter von Vereinen und der Stadt sollten sich diesbezüglich noch in diesem Jahr zu einem Termin zusammenfinden, um auszuloten, was gemeinsam für dieses Bad möglich ist.

Da will auch der Verein Mobile Jugendarbeit und Soziokultur Weißwasser nicht außen vorbleiben. Er hat das Jahnbad die zurückliegenden Jahre betrieben. Den kulturellen Angeboten für die Großen, Spielen für die Kleinen und dem Kiosk, dessen Angebot im Sommer neue Qualitäten erreicht hatte, will sich der Verein gern weiter annehmen. Doch Vereinschef Christian Klämbt unterstreicht noch mal deutlich: Die Betreibung eines städtischen Bades ist nicht Aufgabe von Kultur. Dies habe der Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien als Fördermittelgeber dem Verein, der mit dem Soziokulturellen Zentrum Telux die Funktionsnachfolge der Turmvilla angetreten hat, ins Stammbuch geschrieben. Hinzu kommt auch, dass man in guten Jahren gerade so mit einer schwarzen Null aus der Betreibung gegangen sei. Im vergangenen Jahr musste der Verein ein Minus von rund 15 000 Euro selbst schultern.

Eine frei zugängliche Badestelle sieht Timo Schutza, Klartext-Stadtrat und Vereinskollege von Klämbt, kritisch. Die Stadt werde ja trotzdem die Kosten nicht los (Sicherung, Reinigung etc.). Außerdem habe er eine andere Auffassung zur Absicherung mit einem Bademeister als das die Stadt derzeit denke. Ohne den Fachangestellten für Bäderbetrieb wäre das Jahnbad auch als Badestelle für Kitas gestorben, macht eine Bürgerin aufmerksam. „Nehmt den Kindern doch nicht die Möglichkeit, ihre Schwimmkenntnisse dort zu vertiefen“, so die Seniorin, die einst als Erzieherin gearbeitet hat. „Was macht denn Weißwasser noch lebenswert?“, wirft Lars Tschäpel ein. Das Kleinod Jahnbad dürfe nicht aus finanziellen Gründen aufgegeben werden. „Der Stadtrat hat auch eine soziale Verantwortung für die Bürger“, so Tschäpel. Es dürfe nicht heißen, dass man sich das Bad nicht leisten könne, man muss es sich leisten wollen, findet er.

Dabei ist die Betreibung nicht das einzige Problem, das die Bürger am Jahnteich umtreibt. Der See verkrautet, habe Bäume im Wasser liegen, so dass sich die Wasserqualität verschlechtere, kritisiert Anwohner Thomas Kittan. Das Areal müsse deshalb besser gepflegt werden, sagt er deutlich. Der Wasserstand sei ebenfalls kritisch zu betrachten, so René Blümel vom Aqua Team. Der große Ruck könnte im wahrsten Wortsinn durch den Jahnteich dank eines EU-Förderprogramms (Efre – Mittel für regionale Entwicklung) gehen, wie Thomas Böse, Referatsleiter Bau im Rathaus, erklärt. Das Geld soll dem gesamten Zug zwischen Jahnpark und Waldeisenbahn zugute kommen, um dort eine bessere Verbindung zu schaffen. Für das Jahnbad sind allein 375 000 Euro vorgesehen. Bis Ende des Jahres soll die entsprechende Planung vorliegen. Fakt ist aber schon eins, die Anlagen im Wasser müssen aufgrund ihrer Baufälligkeit zurückgebaut werden. Für die Betrachtung der weiteren Anlagen am Bad gibt es zwei Varianten, die der Planer nun qualifizieren muss.

Von diesen möglichen Bauarbeiten abgesehen, steht die Stadtverwaltung nach dem Bürgerdialog nun vor der Aufgabe, für 2019 die Betreibung zu planen. Ohne Haushaltsbeschluss für 2019/20 gibt es keine Grundlage für eine Ausschreibung, erklärt Thomas Böse. Ob die wegen der Kurzfristigkeit beziehungsweise möglicher Interessenten überhaupt Sinn macht, ist zudem fraglich. Hinzu kommt die Frage des Personals. Zum einen sind Bademeister Goldstaub, zum anderen erinnert Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) an den Ratsbeschluss, dass er 200 000 Euro Personalkosten einsparen muss. Die Diskussion ums Jahnbad geht also sicherlich in den nächsten Wochen weiter.

Den Bürgerdialog am Dienstag fand Klartext-Stadtrat und Moderator Andreas Friebel schon mal gut. „Das ist Input für uns.“