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Hilfsprojekt
Die Herzenswünsche schwerkranker Kinder

Sie machen sich stark für den neu gegründeten Verein Herzenswünsche-Oberlausitz: Vorsitzender Silko Hoffmann (vorn), Claudia Britze, Susann Lill, Dr. med. Lutz Buschmann., Tobias Hemmo, Bernd Frommelt und Sandra Bolano Salazar (v.l.n.r.).
Sie machen sich stark für den neu gegründeten Verein Herzenswünsche-Oberlausitz: Vorsitzender Silko Hoffmann (vorn), Claudia Britze, Susann Lill, Dr. med. Lutz Buschmann., Tobias Hemmo, Bernd Frommelt und Sandra Bolano Salazar (v.l.n.r.). FOTO: Gabi Nitsche / LR
Weißwasser. Neu gegründeter Verein in Weißwasser ist dafür angetreten, sie zu erfüllen. Erster Aktionstag am 16. Dezember. Von Gabriela Nitsche

Ein Herz in Regenbogen-Farben und ein Erdmännchen sollen Hoffnung symbolisieren. Hoffnung, die der neu gegründete Verein Herzenswünsche-Oberlausitz schwerkranken Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre geben möchte. „Wir sind angetreten, um diesen Mädchen und Jungen neue Kraft und Lebensfreude zu geben, sie für einen Moment von ihrem Kranksein abzulenken, in dem wir ihnen einen besonderen Herzenswunsch erfüllen“, umreißt Vereinsvorsitzender Silko Hoffmann die Aufgabe.

„Kinder sind oft stärker als Eltern, tragen den Schmerz auf ihren schmalen Schultern. Wir wollen einfach ein bisschen Hoffnung schenken. Die Gesundheit können wir ihnen nicht zurückgegeben“, ergänzt der Weißwasseraner. Dabei geht es ihm und den Mitstreitern längst nicht nur um Mädchen und Jungen, deren Körper von Krebs heimgesucht wurden. Muskelschwund, bösartige Muskel- oder Hirntumore, schwere Atemwegserkrankungen, Stoffwechselerkrankungen wie Mukoviszidose und anderes können das sein – lebensbedrohliche Erkrankungen, die nicht selten von heute auf morgen zum Vorschein kommen und betroffene Familien total aus der Bahn werfen, weiß Dr. med. Lutz Buschmann. Er gehört zu jenen Menschen, die den Verein unterstützen möchten. Genau wie Dr. med. Ulrike Wetzel, die erfahrene Chefärztin der Kinder- und Jugendabteilung im Krankenhaus Weißwasser. „Wir freuen uns sehr, dass wir Frau Wetzel für unsere Sache gewinnen konnten“, so Hoffmann. Weitere Ärzte, Pfleger, Krankenschwester möchten die Vereinsgründer noch für ihre gute Sache begeistern. „Wir möchten ja bestmöglich informiert sein über Krankheitsbilder, damit wir richtig entscheiden können“, begründet Silko Hoffmann.

Einen direkten Auslöser für die Vereinsgründung im August habe es nicht gegeben, wohl aber eint alle die gleiche Intension – helfen zu wollen. Neben Silko Hoffmann sind es Bernd Frommelt, Olaf Schober, Tobias Hemmo, Andreas Rösler, Katrin Irgang, Sandra Bolano Salazar und Manuela Marschner, die den Herzenswünsche-Oberlausitz-Verein aus der Taufe hoben.  Thomas Richter gestaltete die Internetseite, schuf das Logo. Auch Rechtsanwältin Claudia Britze engagiert sich für den Verein, und in Susann Lill, der Geschäftsführerin von Ihr Fruseur Cut & Style GmbH  hat dieser eine schlagkräftige Botschafterin gefunden. „Ich bin persönlich betroffen durch meinen Sohn. Das ist einige Jahre her. Dort, wo er behandelt wurde, gab es so einen Verein, der uns geholfen hat. Wir durften das als Familie erfahren mit ganz abwechslungsreichen Sachen“, berichtet sie. Ihr Sohn sei wieder gesund, doch das damals Erlebte bleibe unvergessen. „Auch hier sind viele erkrankte Kinder, oft ohne solchen Background, um diesen lang ersehnte Wünsche zu erfüllen. Warum also nicht unsere Kräfte bündeln? Mit einem Spendenpool können wir Unterstützung geben“, ist sich Susann Lill sicher.

Wie viel schwerkrankes Kids es tatsächlich gibt, könne der Verein nicht mit Zahlen belegen. Susann Lill verweist auf das Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus. Dreißig bis fünfzig seien es dort bestimmt, sagt sie. Auch Mika, das Patenkind vom Ihr-Friseur-Team gehöre dazu. Für Sandra Bolano Salazar, die in Weißwasser ein Reisebüro leitet, sind die Besuche bei ihren Verwandten in Kuba der Auslöser, helfen zu wollen. „Ich habe dort viel Elend gesehen, und nicht nur dort, auch hier“, beschreibt sie ihr Motiv.

„Ich bekomme häufig Kettenbriefe, wo mir suggeriert wird, es sei der Herzenswunsch eines schwer erkrankten Kindes, den längsten Brief zu erhalten. Ich kann mir das nicht vorstellen“, so der Arzt Lutz Buschmann kopfschüttelnd.  Solche Kinder haben seiner Erfahrung nach ganz andere Wünsche – bei einem ist es eine Heißballonfahrt, ein anderer möchte seinen Lieblings-Fußball- oder –Eishockeyspieler persönlich treffen. Oder ein Kind wünscht sich sehnsüchtig ein Spiel oder ein Handy, will gern zu einem besonderen Ort“, zählt Buschmann mögliche Herzenswünsche auf. Susann Lill spricht auch von Therapien, die nicht jedes Elternpaar ihrem Kind ermöglichen können. „Von ganz kleinen bis zu großen Dingen – es gibt so viele unterschiedliche Dinge, von denen Kinder träumen.“

 Um erfolgreich agieren und Spenden erhalten zu können, braucht der Verein eine starke Lobby. „Wir hoffen, sehr viele Menschen zu finden, die unsere Sache unterstützen“, so Vorsitzender Silko Hoffmann. Dazu rühren die Mitstreiter tüchtig die Werbetrommel auf allen Kanälen, kündigten diese bei der offiziellen Vorstellung des Vereins an.  „Wir wollen in Informationsveranstaltungen aufklären über Krankheiten, die uns alle treffen können“, so Hoffmann.

Das geschieht bereits beim ersten Aktionstag „Krebs“ am Samstag, 16. Dezember, von 9 bis 21 Uhr. Treffpunkt für alle Interessierten ist um 9 Uhr das Friseur-Geschäft Cut & Style auf dem Boulevard. Dort kann man Haare spenden. „Es ist leider schwierig, Krankenkassen zu vermitteln, die Kosten für eine Echthaar-Perücke für ein Kind zu übernehmen“, weiß Chefin Susann Lill. Und für so eine Perücke braucht es schon bis zu 800 Euro.  Die Fachleute stehen mit der Schere bereit.

Vor Ort ist an dem Vormittag auch Dr. Buschmann, der sich seit vielen Jahren als Mitglied des Rotary Clubs Weißwasser dem Thema Knochenmark-Typisierung verschrieben hat. An dieser Aktion halten die Rotarier bereits seit 2003 fest und ermöglichten dank ihrer Spenden von über 43 000 Euro über 1250 Menschen,  sich typisieren zu lassen. Buschmann wird am Aktionstag berichten, wie schwer es ist, den genetischen Zwilling für einen an Blutkrebs erkrankten Menschen zu finden, um helfen zu können. Vor allem junge Leute ruft Buschmann auf, sich für die gute Sache piksen zu lassen. 1300 Euro stellt der Rotary Club aktuell zur Verfügung. Eine Typisierung kostet fünfzig Euro, und kann an dem Aktionstag sofort erfolgen. Dazu sind das Schwesternteam des Arztes und Grit Schulz von der Stammzell-Spendendatei Ost des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost im Einsatz. Um 13 Uhr folgt dann im Konferenzraum des Krankenhauses eine Vortragsreihe. Den Anfang macht die Selbsthilfegruppe Krebs, gefolgt von Ärzten aus dem Haus.