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| 17:52 Uhr

Strukturwandel
Weißwasser hat zu wenig Industrieflächen

 Das Industriegebiet in Weißwasser ist voll belegt. Neue Flächen sind bis zur B 156 aber noch nicht erschlossen.
Das Industriegebiet in Weißwasser ist voll belegt. Neue Flächen sind bis zur B 156 aber noch nicht erschlossen. FOTO: Preikschat
Weißwasser. Der Revierbeauftragte der Landesregierung sichert Hilfe zu. Der Oberbürgermeister hadert unterdessen mit Sachsenforst. Von Christian Köhler

Es klingt unglaublich, ist aber wahr: Die Stadt Weißwasser hat für Investoren, die eine größere Fabrik oder ein Gewerbe im Stadtgebiet errichten wollen, zu wenige Industrieflächen. Das jedenfalls erklärt Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) der RUNDSCHAU. „Das Industriegebiet ist im Grunde ausgelastet“, berichtet er.

Das Problem: Viele brachliegende Flächen, etwa die ehemalige Bärenhütte, befinden sich nicht im städtischen Eigentum. „Der Eigner sitzt im Ausland und ist für uns kaum ausfindig zu machen“, so Pötzsch. Wieder andere Flächen, wie etwa das ehemalige Autohaus an der Jahnstraße vor der Bahnlinie sind, wie das Areal der Bärenhütte auch, mit Altlasten belegt, müssten erst entsprechend gereinigt werden. Das sei, so ist sich die Stadtspitze sicher, finanziell überhaupt nicht darstellbar. Hinzu kommt: alle Flächen sind zu klein.

Das fordert die Investoren

„Viele Investoren, die sich gern bei uns ansiedeln wollen, fragen drei Dinge ab: Wie viel Platz habt ihr? Wie viele verfügbare Arbeitskräfte gibt es? Wie weit ist es zur Autobahn?“, berichtet Pötzsch. Mit einer Antwort tut sich die Stadtverwaltung schwer, hofft auf Initiativen des Bundes, der gegenwärtig ein Gesetzespaket im Zusammenhang mit dem Ausstieg aus der Braunkohleverstromung schnürt. Schließlich sind es – jedenfalls in Richtung Norden – eine gute halbe Stunde bis zur A 15. Zur A 4 braucht man da schon wesentlich länger.

Deshalb: Gerade die Infrastrukturmaßnahmen – doppelter Schienenstrang mit Elektrifizierung der Bahnlinie sowie eine „Lausitzmagistrale“, die Landtagsabgeordneter Thomas Baum (SPD) fordert – seien hier entscheidende Projekte.  Denn eines ist klar, „ohne gute Anbindung, und dazu zählt auch die digitale Infrastruktur, wird es schwer, Investoren nach Weißwasser zu locken.“

Maßnahmen der Kohlekommission bringen wenig Jobs

In die Maßnahmeliste der Kommission für „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ hat es Weißwasser zudem mit Projekte wie etwa der Bahnhofssanierung, dem Volkshaus oder der Glasfachschule als Behördenstandort geschafft. „Aber was bringt das an Arbeitsplätzen?“, fragt Petra Greiner am Rande der Stadtratssitzung in Weißwasser. Die Stadt nämlich müsse zu sehen, für die Bevölkerung Jobs zu schaffen, etwa mit der Ausweisung von erschlossenen Industriegebieten.

Dabei will das Rathaus nunmehr nichts unversucht lassen, versichert Torsten Pötzsch. „Wir haben ein ausgewiesenes Industriegebiet entlang der Süßmuthlinie bis zur B 156“, sagt er. Das sei auch nötig, „denn wenn sich jemand für Weißwasser interessiert, werden Flächen von mindestens 20 Hektar abgefragt“, erklärt er, „und das können wir derzeit nicht bieten.“ Denn um das Industriegebiet bis zur Bundesstraße zu erweitern, müsste zunächst der Wald verschwinden, neue Straßen und Medien entstehen. „Da schiebt uns aber Sachsenforst einen Riegel davor“, nennt Pötzsch das Problem beim Namen.

Landesregierung will nun prüfen

Er habe sich deshalb an die Landesregierung und dem Revierbeauftragten Stephan Rohde gewandt. „Die Waldflächen zwischen der B 156 und der S 126 im Gebiet der Stadt Weißwasser stellen mehrheitlich Staatswald im Eigentum des Freistaates Sachsen dar, welcher durch Sachsenforst verwaltet wird“, bestätigt auch Regierungssprecher Ralph Schreiber. In dem Gebiet liegen aber auch Privat- und Körperschaftswaldflächen. „Die Stadt Weißwasser hat das Thema an den Revierbeauftragten der Staatsregierung herangetragen, der eine Prüfung zugesagt hat“, so Schreiber weiter. Grundsätzlich wolle der Freistaat die Stadt bei der Ansiedelung von Industrie unterstützen, heißt es aus Dresden.

Die Zukunftswerkstatt Lausitz hat nun aufgefordert, mögliche Industriestandorte zu benennen. „Wir haben als Stadt Weißwasser drei Flächen gemeldet“, erklärt Torsten Pötzsch auf Nachfrage. Die größte mit etwa 50 Hektar ist besagte Erweiterung des Industriegebietes an der Süßmuthlinie. Eine weitere ist laut Stadtverwaltung hinter dem Aldi an der Heinrich-Heine-Straße. Hinzu kommt das 8,8 Hektar große Areal an der Geschwister-Scholl-Straße, wo sich einst Wohnblöcke befunden haben. „Hier gehören einige Flächen der Stadt sowie den Wohnungsunternehmen“, so Pötzsch. Die Zukunftswerkstatt nun prüft, wie damit verfahren werden kann.