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| 18:48 Uhr

Nach Bruch der Glaswanne
Stölzle produziert trotz Havarie

Feuerwehreinsatz im Glaswerk in Weißwasser FOTO: lausitznews.de / LausitzNews.de/Jens Kaczmarek
Weißwasser. Großalarm in Weißwasser am Donnerstagabend. Feuerwehren rücken nach Bruch einer Schmelzwanne zum Glashersteller Stölzle aus. Bereits im April gab es Probleme mit der Wanne. Von Christian Köhler

Seit 130 Jahren wird an der Berliner Straße in Weißwasser Glas produziert. Das Unternehmen Stölzle Lausitz ist die nunmehr einzig verbliebene Glashütte in der Glasmacherstadt und mit mehr als 370 Angestellten einer der größten Arbeitgeber der Stadt. Und das feiert man das gesamte Jahr 2019 über. Am späten Donnerstagabend jedoch muss das Werk die Feuerwehr Weißwasser verständigen.

Flüssiges Glas ist aus einer Schmelzwanne gelaufen. Stundenlang sind rund 30 Kameraden der Stadtwehr und aus Weißkeißel mit sieben Fahrzeugen beim Trinkglashersteller im Einsatz. Um 6 Uhr am Morgen rückt die Wehr erst wieder ab. Ein Feuerwehrmann wurde leicht verletzt.

 Die Feuerwehren aus Weißwasser und Weißkeißel sind am Donnerstagabend zum Trinkglashersteller Stölzle Lausitz in Weißwasser ausgerückt. Stundenlang haben sie flüssiges Glas, das aus einer Schmelzwanne gelaufen war, abgekühlt.
Die Feuerwehren aus Weißwasser und Weißkeißel sind am Donnerstagabend zum Trinkglashersteller Stölzle Lausitz in Weißwasser ausgerückt. Stundenlang haben sie flüssiges Glas, das aus einer Schmelzwanne gelaufen war, abgekühlt. FOTO: Joachim Rehle

Feuerwehr kühlt mit viel Wasser das Glas herunter

„Es ist ein Leck in einer der beiden Schmelzwannen aufgetreten“, erklärt Stölzle-Sprecher Thomas Schulz der RUNDSCHAU. Die Glasmasse ist in der Folge mit rund 1500 Grad Celsius ausgelaufen. Als die Feuerwehr anrückt, ist schon ein beträchtlicher Teil des flüssigen Materials außerhalb der Wanne. „Unsere Aufgabe ist es gewesen, das flüssige Glas herunterzukühlen“, erklärt Jürgen Herzog von der Weißwasseraner Feuerwehr. Bis kurz vor Mitternacht sind die Wehren im Einsatz gewesen. „Wir konnten nur Wasser zur Kühlung verwenden“, sagt Herzog, „alles andere hat keinen Sinn.“ Neben C-Rohren ist auch ein Wasserwerfer im Einsatz gewesen. Fünf Kameraden blieben nach Mitternacht als Wache vor Ort.

Schon am Freitagvormittag laufen dann die Untersuchungen an, was an der Schmelzwanne zu dem Leck geführt hat. „Die Ummantelung ist mit hitzebeständigen Steinen gemauert“, erklärt Thomas Schulz, „und die Wanne ist erst vor drei Jahren eingebaut worden.“ Elektriker und Maschinisten sind seit den frühen Morgenstunden damit beschäftigt, den Schaden zu analysieren. „Denn die Produktion läuft weiter“, so der Stölzle-Sprecher.

Produktion ist wieder angelaufen

Noch am Freitag ist die Masse auf 1300 Grad Celsius in der Schmelzwanne erhitzt. Zuvor war sie über zwei Tage aus zwölf verschiedenen Substanzen umgewalzt worden – der Prozess läuft im Werk ständig, um jährlich rund 40 Millionen Gläser und Karaffen zu produzieren. „Über die genaue Schadenssumme können wir noch nichts sagen“, erklärt Thomas Schulz. Die Produktion sieht das Unternehmen derzeit nicht gefährdet. „Wir danken der Feuerwehr für die gute Arbeit“, so Schulz.

 Ende 2016, Anfang 2017 wurde die Schmelzwanne eingebaut. Sie fasst rund 28 Tonnen geschmolzenes Gemenge.
Ende 2016, Anfang 2017 wurde die Schmelzwanne eingebaut. Sie fasst rund 28 Tonnen geschmolzenes Gemenge. FOTO: Christian K“hler / Christian Köhler

Nicht der erste Zwischenfall

Schon im April dieses Jahres hatte es an genau derselben Wanne einen solchen Schaden gegeben. Seinerzeit sind ebenfalls die Feuerwehren als Sicherheitsmaßnahme ausgerückt. Mitarbeiter des Unternehmens hatten eine Schwachstelle an der Schmelzwanne entdeckt.

Stölzle exportiert in 120 Länder

Täglich werden in Weißwasser zwischen 100 000 und 130 000 Gläser und Karaffen hergestellt und in 120 Länder exportiert. Dabei nutzen die Glasspezialisten ein patentiertes Verfahren. Sie gehören damit zur Weltspitze. „Wir haben uns vor Jahren darauf eingestellt, eine große Lagerkapazität aufzubauen, um unsere Kunden jederzeit beliefern zu können“, so Schulz. Dafür hat das Unternehmen, das zur österreischischen GAC-Holding gehört, laut Geschäftsführer Peter Felscher in den vergangenen Jahren rund 20 Millionen Euro in Weißwasser investiert.

Feuerwehreinsatz im Glaswerk in Weißwasser FOTO: lausitznews.de / LausitzNews.de/Jens Kaczmarek