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Geschichte
Glasbläser-Kunstwerk kommt ins Rathaus

Lob gibt es von der Denkmalkommission Weißwasser für die erfolgreiche Sanierung der Gaststätte Friedenseiche.
Lob gibt es von der Denkmalkommission Weißwasser für die erfolgreiche Sanierung der Gaststätte Friedenseiche. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Weißwasser. Das Wandbild „Lebensfreude“ erhält einen neuen Platz in Weißwasser und ein Seelöwe eine Umhausung.

Mit etlichen guten Nachrichten kann Karl-Heinz-Melcher als Vorsitzender der Denkmal-Kommission in Weißwasser aufwarten. Die Stadt, die reich an historisch wertvollen Gebäuden und Kunstwerken ist, kann sich glücklich schätzen über die jüngste Entwicklung. Denn für ein echtes Sorgenkind, dessen ungeklärte Zukunft vielen Weißwasseranern die Tränen in die Augen trieb, ist ein neues Zuhause gefunden worden: das Wandbild „Lebensfreude“. Das Werk von Georgios Wlachopulos fristete die letzten Jahre ein trostloses Dasein. „Die Wohnungsbaugesellschaft Weißwasser stellt es wieder auf“, verkündete Melcher jetzt freudig. Es soll an der Rückwand der ehemaligen Puck-Kaufhalle in alter Schönheit erstrahlen. „Wir freuen uns sehr“, so Melcher. Die WBG hat die gesamte Brache erworben, will Teile davon im nächsten Monat abreißen, sodass nur noch das Autohaus stehen bleibt.

Auch für das Glasbläser-Kunstwerk des Glasgravur-Künstlers Konrad Tag wurde ein entsprechendes Domizil gefunden, wo es öffentlich wirksam zur Geltung kommt. Karl-Heinz Melcher: „Es wird im ersten Obergeschoss neben dem OB-Bereich im Rathaus wieder aufgebaut.“ Und das voraussichtlich noch in diesem Jahr, spätestens im ersten Quartal 2018. Mit entsprechender Beleuchtung, die mit dem Denkmalschutz abgesprochen ist, so Melcher, würden die einzelnen Mosaikteile sehr gut zur Geltung kommen. Denn der „Glasbläser“ setzt sich aus neun einzelnen Segmenten mit den Maßen 70 Zentimeter mal 1,20 Meter zusammen. Die Fenstergravur zierte einmal das Treppenhaus der früheren Betriebsberufsschule des Kombinates Lausitzer Glas, heute Berufliches Schulzentrum (BSZ), an der Jahnstraße in Weißwasser. Dorthin konnte der „Glasbläser“ aufgrund von Statik- und Wärmeschutz-Auflagen nach der Sanierung des Gebäudes nicht mehr zurückkehren.

Der Chef der Denkmal-Kommission kündigt eine Ausstellung der gravierten Fensterbilder aus der Kita Ulja an. Dazu würden diese von der Tischlerei Nickel aufgebaut werden. Die Handwerksfirma von Beate Petrick hilft auch, die Seelöwen-Plastik, 1953 von Dorothea von Philipsborn geschaffen, im Kita-Garten mit einer mobilen wiederverwendbaren professionellen Umhausung zu versehen und so vor den Witterungseinflüssen in der kalten Jahreszeit zu schützen, um erneut Rissbildungen wie in der Vergangenheit zu vermeiden. Zwischenzeitlich bestand die Idee, den Seelöwen in die Kita zu verbannen. „Die Denkmalkommission und das Kita-Team haben sich dagegen entschieden“, so Melcher.

Kurz vor dem Druck ist das erste von zwei Denkmalbüchern, die die Stadt mit der Kommission herausgeben will. Melchers Vorgänger Günter Segger hat vor etwa zehn Jahren damit angefangen, Material zusammenzutragen, wurde zwischenzeitlich durch eine ABM unterstützt. „Jetzt hat sich darauf aufbauend Ortschronist Lutz Stucka der Sache angenommen. Wir können uns glücklich schätzen, ihn als Ortschronisten zu haben. Er hat viel Kenntnis und einen riesigen Fundus, das ist Wahnsinn“, lobt Melcher und sagt: „Das ist ein sehr gelungenes Buch für Bau- und Architekturspezis.“ Melcher liest gerade Korrektur, will es noch diese Woche an Stucka zurückgeben.

Geklärt ist inzwischen auch das Fragezeichen hinter einem kleinen Gartenhäuschen am Weißkeißeler Weg: Ist es von kulturhistorischer Bedeutung oder nicht? „Ja, ist es, es hat jetzt vom Land den Denkmalstatus erhalten“, sagt Melcher. Anfangs war angenommen worden, dass der bekannte Architekt Ernst Neufert in den 1940er-Jahren das Haus entworfen hat. „Ich habe recherchiert und herausgefunden, dass es Neuferts Konkurrent Professor Hans Spiegel war. In Niesky wurden damals 30 solcher Häuschen für Weißwasser industriell gefertigt. Sie wurden als Behelfsheime aufgestellt, wo Osram-Arbeiter aus Berlin untergebracht wurden und dann in der Einheit, heute Telux, arbeiteten.“ Das Gartenhäuschen ist das einzige, welches heute noch daran erinnert. Wenn die Besitzerin an dem kleinen Gebäude etwas ändern möchte, muss sie das mit den Dresdenern besprechen und könne auch Fördermittel dafür in Anspruch nehmen, so Melcher.

Doch der Weißwasseraner weiß genauso gut um jene Denkmale, die nach wie vor Sorgenkinder sind. Dazu gehört auch das Volkshaus. „Es braucht eine Grundsatz­entscheidung und eine Antwort, ob Sicherungsmaßnahmen förderfähig sind. Die Kommissionsmitglieder und Mitarbeiter aus dem Baureferat im Rathaus wollen sich bei einem Vor-Ort-Termin ein eigenes Bild von dem gegenwärtigen Zustand machen, sagt Melcher.