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Weißwasser gehört den Einwohnern

Claudia und Steffen Müller aus Weißwasser engagieren sich ehrenamtlich.
Claudia und Steffen Müller aus Weißwasser engagieren sich ehrenamtlich. FOTO: Köhler
Weißwasser. Weißwasser ist nicht nur Profisport und Unter- nehmerschaft. Die Stadt und ihre Vereine werden in erster Linie durch engagierte Ehrenamtler lebendig. Und die sind meistens gleich in mehreren Initiativen aktiv. Christian Köhler

Wer Weißwasser kennt, der weiß, was er kennt. Der Spruch hält sich hartnäckig - im Guten wie im Bösen. Aber Weißwasser lebt besonders von engagierten Bürgern, die selten in der Öffentlichkeit stehen, der Stadt aber allzu oft ein Gesicht geben. Man kennt sie. Da sind zum Beispiel die vielen Trainer, die Woche für Woche auf den Trainingsplätzen und in den Turnhallen die Sportler anleiten. Da sind Mitglieder von Fördervereinen, die sich für Tierpark, Feuerwehr, Volkshaus, Glasmuseum und, und, und engagieren.

Es gibt aber auch Einzelinitiativen wie etwa die von Robert Ehmann: die Aktion Weißwasser. Er ist vor einem Jahr in seine Heimatstadt zurückgekehrt und hilft mit, die Stadt attraktiver zu machen. Sein Fazit: "Ich habe viele Menschen kennengelernt, die sich für unsere Stadt einsetzen", sagt er, "aber leider wird das Ehrenamt zu wenig geschätzt." Dabei lebe jede Stadt von persönlichem Einsatz. Ehmann selbst mache alles freiwillig, bekomme keinen Stundenlohn für seine Aufräumaktionen. "Ich will einfach, dass unsere Stadt schön ist", sagt er.

Eine weitere umtriebige Familie in Weißwasser sind die Müllers. Beide betreiben die Kunstschmiede an der Schmiedestraße. Noch bevor dort die Touri-Info ansässig war, organisierten sie Ausstellungen, Diskussionsabende oder Workshops. Heute ist die Kunstschmiede wieder vermietet: für das Projekt "Sichtbar WSW". Anett Felgenhauer und Anja Holub wollen ehrenamtlich zeigen, was für Projekte in Weißwasser laufen, welche Initiativen sich für verschiedene Ziele starkmachen.

Claudia Müller beispielsweise ist in der evangelischen Kirchgemeinde aktiv, seit 2008 im Kirchenrat. Dort organisiert sie Veranstaltungen, setzt sich für soziale und ökologische Themen ein. "Unsere Gemeinde erhält Mitte August das Siegel ,Faire Gemeinde' von der Landeskirche", erzählt sie. Claudia Müller selbst wird Fairnessbeauftragte in der Weißwasseraner Gemeinde. "Es geht darum, soziale Themen wie Flüchtlingshilfe, Betreuung von Kranken und Schwachen ständig weiterzuentwickeln", erklärt sie. Auch ökologische Aspekte, etwa regionale Produkte zu kaufen, auf faire Handelswaren zu achten oder selbst weniger Müll zu verursachen, zählen dazu. Alle zwei Jahre erstattet sie der Landeskirche Bericht, wie sich die Gemeinde bei diesen Themen weiterentwickelt hat.

Steffen Müller wiederum hat ein anderes Steckenpferd: die Denkmäler der Stadt. Die würden ihm am Herzen liegen. "Ich bin Gründungsmitglied des Vereins Neufert-Bau", erzählt er. Nun ist er auch in die Weißwasseraner Denkmalkommission gewählt worden, tritt in die Fußstapfen von Uwe Mühle, der sich viele Jahre dort engagierte. "Ich möchte mithelfen, die Denkmäler der Stadt zu erhalten", sagt er. Und Weißwasser hat viele, deren Zustand beklagenswert ist.

Die Müllers, Robert Ehmann und viele Vereinsvorsitzende wollen mit gutem Beispiel vorangehen. "Denn die Stadt", so unterstreicht Sfeffen Müller, "sind wir Bürger". Weißwasser könne sich nur weiterentwickeln, wenn seine Bürger sich für etwas einsetzen, nicht gegeneinander, sondern füreinander arbeiten. "Das sollte selbstverständlich sein."

Zum Thema:
"Wir haben alle Vereine, Initiativen und Kulturschaffende in der Stadt angeschrieben und wollen den Ehrenamtlern bei einer kleinen Feier Danke sagen", informiert Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Die Feier soll Ende August im Weißwasseraner Jahnbad durchgeführt werden. Immerhin liege die letzte Danke-Schön-Veranstaltung für Ehrenamtler bereits mehrere Jahre zurück.