ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:09 Uhr

Tag der offenen Tür
Wo Kunst an der Wand wächst

Die Wand der Philipshalle wird zur Leinwand- Fabrikart findet im Rahmen des einjährigen Geburtstages vom SKZ Telux statt.
Die Wand der Philipshalle wird zur Leinwand- Fabrikart findet im Rahmen des einjährigen Geburtstages vom SKZ Telux statt. FOTO: Regina Weiß
Weißwasser. SKZ Telux feiert in Weißwasser sein einjähriges Bestehen mit Mitmach-Angeboten und Fabrikart. Von Regina Weiß

Kunst beim Wachsen zuzusehen und dabei an einem Spätsommer-Samstag gemütlich im Liegestuhl abzuchillen, das hat doch was. Gleich dahinter wird es deutlich quirliger, denn auf dem Hof vom Soziokulturellen Zentrum (SKZ) Telux in Weißwasser ist ganz schön was los. Das freut natürlich die mehr als 20 Macher und Unterstützter, die das Fest zum einjährigen Bestehen des SKZ vorbereitet haben. Neben den Mitmachen-Angeboten, gibt es auch erstmals Fabrikart in Weißwasser. Die Wände der Philipshalle im Hof der Telux werden zur Großleinwand. Künstler Evolution Art ist aus Dresden angereist. Zum ersten Mal ist er in Weißwasser und arbeitet seit 11 Uhr an seinem Kunstwerk. „Es müssen noch mehr Details und Farbe rein“, sagt er zum Arbeitsstand zur besten Kaffeezeit. Gemeinsam mit seiner Frau vollendet er die überdimensionale Schlange samt Uhrwerk. Der Wandel der Zeit ist das große Thema. Von Weitem sieht es aus, wie ein Riesenmaul mit vielen spitzen Zähnen. Wird hier die Zeit gefressen? Das liegt wohl ganz im Auge des Betrachters.

Künstler Lapiz aus Hamburg hat über einen Streetart-Blog über die Aktion in Weißwasser erfahren und sich auf den Weg gemacht. Auch hier weit im Osten bleibt er seiner Linie treu. „Ich mache nur sozialkritische Sachen“, erzählt er der RUNDSCHAU. Dabei ist er froh, heute überhaupt zur Spraydose greifen zu können. Denn die Farblieferung ist nicht rechtzeitig eingetroffen. Doch Künstler untereinander helfen sich. René Kruner aus Spremberg muss sich bei seinem Kunstwerk noch ganz schön ins Zeug legen. Vom lichtdurchfluteten Wald sind erst zwei Stämme zu sehen und auch der Hinweis auf die Glasstadt Weißwasser fehlt noch. Derweil bringt Uwe Andrä aus Zittau erst die Umrisse seiner Skizze auf die Wand. Er ist in Weißwasser gleich in doppelter Funktion gefragt, gibt im Workshop sein Wissen an die Nachwuchs-Sprayer weiter. Die können sich an diesem Tag ganz legal im Sprayen ausprobieren.

Das SKZ wird von den Kreativen angenommen, ist auch am Samstag deutlich zu sehen. Und da spielt das Alter überhaupt keine Rolle. Mit ihren sieben Jahren ist Carlotta nicht mal die jüngste beim Kurs Fabrik-Nähe. Ihre Freundin Ella hat auch schon an der Nähmaschine gesessen und Jette hat sich mit fünf Jahren schon ausprobiert. Frei nach dem Motto: Früh übt sich, was eine Künstlerin werden will. Oder doch nicht? „Ich will Ärztin werden“, sagt Carlotta ganz selbstbewusst. Auch keine schlechte Wahl für die Zukunft von Weißwasser. Aber eine Ärztin, die sich selber ihren Kittel nähen kann, das hat doch was. Das sieht das Mädchen genauso. Doch Schritt für Schritt: Einem Kuschelkissen für sich, einem für den Opa und einem Kuscheltier mit Füchsen hat Füchse-Fan Carlotta schon die Nähte verpasst. Bei Letzterem hat die Mutti geholfen, erzählt das Mädchen begeistert. Und die Mutti ist wiederum stolz auf die Sachen Marke Eigenbau für ihre Tochter. Kursleiterin Stephanie Wehlam gibt gern ihr Wissen weiter. Seit dem  Frühjahr läuft das Angebot. Sechs Teilnehmerinnen finden sich regelmäßig dafür ein und arbeiten an neuen Kreationen.

Ebenfalls sechs Frauen bilden den „Flotten Pinsel“. Der Donnerstag gehört ihnen und ihrem Hobby, der Malerei. Viele Jahre treffen sie sich schon in Weißwasser und mussten nach dem Auszug der Verkehrsgesellschaft an der Heinestraße eine neue Heimstatt finden. Diese haben sie nun in der Telux. „Die Leute hier sind ganz toll“, lobt Gisela Krüger ihre Gastgeber. Mit Christine Rönsch und Brigitte Glowna-Adolph stellt sie am Samstag ihre Werke aus und sich den Fragen der Besucher. Weitere Hobbymalerinnen und -maler sind dort sehr willkommen. Spaß an der Freude steht über allem, wenn sie in die Welt der Ölfarben eintauchen. Da Kunst bekanntlich von Können kommt, sind die Frauen untereinander aber auch ihre besten Kritiker.

Das Angebot des SKZ soll im zweiten Jahr wachsen. Darüber wird die neue Homepage berichten können. In zwei Wochen soll sie im Netz stehen und so noch mehr Besucher anziehen helfen. Außerdem sind wie zum einjährigen Jubiläum quartalsweise Flyer geplant, die in jeden Briefkasten „wandern“.

Denn mehr Besucher geht immer, obwohl Timo Schutza schon die Erfahrung gemacht hat, dass sich das SKZ samt Hafenstube auch in Cottbus oder Görlitz rumgesprochen hat. Apropos Görlitz. Sozialdezernetin Martina Weber schaut Samstag auch vorbei, um zu schauen, wie sich die Einrichtung im ersten Jahr entwickelt hat.

Stephanie Wehlam hilft  Carlotta an der Nähmaschine. Fabrik-Nähe - den Kurs gibt es seit dem Frühjahr.
Stephanie Wehlam hilft Carlotta an der Nähmaschine. Fabrik-Nähe - den Kurs gibt es seit dem Frühjahr. FOTO: Regina Weiß
Gisela Krüger, Brigitte Glowna-Adolph und Christine Rönsch sind Hobbymalerinnen und froh, in den Räumen des SKZ eine Heimstatt gefunden zu haben.
Gisela Krüger, Brigitte Glowna-Adolph und Christine Rönsch sind Hobbymalerinnen und froh, in den Räumen des SKZ eine Heimstatt gefunden zu haben. FOTO: Regina Weiß