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| 11:47 Uhr

Brandschutz
Großübung für Katastrophen-Waldbrand

 Im Wald weisen immer wieder rote Tafeln auf die nächsten Wasserquellen hin. Das ist im Brandfall lebenswichtig, wissen die Kameraden der Feuerwehren, die an diesem Tag zur Übung ausgerückt sind.
Im Wald weisen immer wieder rote Tafeln auf die nächsten Wasserquellen hin. Das ist im Brandfall lebenswichtig, wissen die Kameraden der Feuerwehren, die an diesem Tag zur Übung ausgerückt sind. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Weißwasser. Etwa 50 Kameraden aus der Region Weißwasser haben den Ernstfall eines Löscheinsatzes bei einem Waldbrand geprobt. In einem der größten Wälder der Lausitz kann die Orientierung der Einsatzkräfte zum Riesenproblem werden. Von Torsten Richter-Zippack

Zwischen Schleife, Rohne, Mulkwitz, Trattendorf, Spremberg und Graustein erstreckt sich eines der größten Waldgebiete der mittleren Lausitz. Rund zehn Kilometer in der Ost-West-Richtung sowie sieben Kilometer von Nord nach Süd umfasst diese durchweg von Kiefern geprägte Region. Au ch zwei Bahntrassen führen durch den Wald, außerdem eine Ferngasleitung. Hinzu kommen das Grausteiner Umspannwerk, mehrere Stromtrassen sowie die Mulkwitzer Hochkippe. Und nicht zuletzt drei Kreis- und zwei Landesgrenzen. Wehe, wenn es dort einmal brennen sollte.

Genau dieses Szenario haben jetzt rund 50 Kameraden aus den Landkreisen Görlitz und Spree-Neiße durchgespielt. Im Rahmen des zweiten von der Feuerwehr Weißwasser organisierten Waldbrand-Seminars sind die Feuerwehrleute in die Eigenheiten dieses Waldgebietes eingeführt worden. Falls dort ein Brand gemeldet werden sollte, muss eine Frage ganz oben stehen: Nördlich oder südlich der Görlitzer Bahn? Denn deren Beantwortung kann über Leben und Tod entscheiden. Der Grund: Zwischen Schleife und dem ehemaligen Bahnhof Graustein gibt es auf rund sechs Kilometern keinen Bahnübergang. „Wer dann auf der falschen Seite des Gleises unterwegs sein sollte, müsste also lange fahren“, sagt Sven Müller, stellvertretender Weißwasseraner Wehrleiter.

Auch die Versorgung mit Löschwasser ist in dem großen Waldgebiet nicht ganz ohne. Natürliche Wasserstellen gibt es nicht. Und die Trinkwasserleitung, die das Areal durchschneidet, wird wegen des Tagebaus zurückgebaut. Dafür erfolgt der Bau mehrerer neuer Löschteiche nördlich und südlich der Bahn.

 Bei Rohne befindet sich die Waldbrandtafel mit allen wichtigen Informationen zum Gebiet. Die Kameraden verstehen diese als „Hilfe zur Selbsthilfe“.
Bei Rohne befindet sich die Waldbrandtafel mit allen wichtigen Informationen zum Gebiet. Die Kameraden verstehen diese als „Hilfe zur Selbsthilfe“. FOTO: Richter-Zippack Torsten / Torsten Richter-Zippack
 Bei Rohne befindet sich die Waldbrandtafel mit allen wichtigen Informationen zum Gebiet. Die Kameraden verstehen diese als „Hilfe zur Selbsthilfe“.
Bei Rohne befindet sich die Waldbrandtafel mit allen wichtigen Informationen zum Gebiet. Die Kameraden verstehen diese als „Hilfe zur Selbsthilfe“. FOTO: Richter-Zippack Torsten / Torsten Richter-Zippack

Den Feuerwehren rund um den großen Forst ist die Brisanz der Lage bewusst. So weisen im Wald rote Pfeiltafeln den Weg zum nächsten Löschteich. Darüber hinaus steht am westlichen Ortsausgang von Rohne eine Waldbrandtafel. Diese gibt den Kameraden Informationen, wo sich Löschteiche, Hydranten und Bahnübergänge befinden und in welchem Richtungsverkehr die Feuerwehren fahren sollten. Denn bei den schmalen Waldwegen dürfte es schnell eng werden, sollten sich dort zwei Tanker begegnen.

Dem Weißwasseraner Kameraden Andreas Hanl liegt das Thema Waldbrand besonders am Herzen. Hat er doch im Frühsommer 1992 als Siebenjähriger die bedrohliche Lage während des Katastrophenwaldbrandes südlich seiner Heimatstadt miterlebt. Damals vernichteten die Flammen rund 1600 Hektar Wald. Bereits ab einer Brandfläche von 100 Hektar wird von einem Katastrophen-Waldbrand gesprochen. „Seit rund einem Vierteljahrhundert ist unsere Region von einer weiteren derartigen Lage verschont geblieben. Doch es kann jederzeit wieder passieren. Die Frage ist nicht das Ob, sondern das Wann“, weiß Hanl, der im Jahr 1996 in die Jugendfeuerwehr eintrat und fünf Jahre später seinen ersten Einsatz bestritten hatte.

Das Problem heute: „Wir haben in den Wehren sehr viele junge Kameraden, die einen solchen Katastrophen-Waldbrand noch nie mitgemacht haben. Diese müssen wir darauf vorbereiten“, stellt Andreas Hanl klar. Beispielsweise Damon Scholta. Der 16-jährige Weißwasseraner, der bereits acht Jahre in der Feuerwehr vorweisen kann, fühlt sich durch die Ausbildung gut gerüstet. „Bislang hatten wir die Waldbrände immer in der Theorie. Ich denke, im Ernstfall wüsste ich, was ich zu tun habe“, gibt er zu verstehen.

Der Schleifer Gemeindewehrleiter Detlef Slabina gehört zu den wenigen Kameraden während des 2019er-Waldbrand-Seminars, die im Mai/Juni 1992 gegen die Weißwasseraner Flammenwand ankämpften. „Klar kann ein solcher Fall jederzeit wieder passieren. Aber wir sind heute technisch wesentlich besser aufgestellt. So gab es damals nur Tankfahrzeuge mit 2400 Liter Wasser, heute fassen sie 4500 Liter. Das ist schon ein Unterschied.“

Doch auch im Jahr 2019 haben die Kameraden mit Problemen im Wald zu kämpfen. Beispielsweise mit dem lückenhaften Funk. Eigentlich sollte in Rohne ein entsprechender Funkmast errichtet werden. Doch wegen des Widerstands der Einwohner ist daraus nichts geworden. Immerhin hoffen die Rohnschen Kameraden, dass bis zum kommenden Jahr ihr neues Gerätehaus gebaut wird, sagt der stellvertretende Wehrleiter des Ortes, Thomas Kasper. Der Fördermittelbescheid ist inzwischen eingetroffen. Investiert werden soll fast eine Million Euro.

 Im Wald weisen immer wieder rote Tafeln auf die nächsten Wasserquellen hin. Das ist im Brandfall lebenswichtig, wissen die Kameraden der Feuerwehren, die an diesem Tag zur Übung ausgerückt sind.
Im Wald weisen immer wieder rote Tafeln auf die nächsten Wasserquellen hin. Das ist im Brandfall lebenswichtig, wissen die Kameraden der Feuerwehren, die an diesem Tag zur Übung ausgerückt sind. FOTO: Torsten Richter-Zippack