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Weißwasser – das Boot

Weißwasser.. Stadt des Glases und des Pucks wurde sie genannt. Aber dass Weißwasser vor Jahrzehnten auch Namenspatron für ein Minenräumboot der DDR-Volksmarine war, wissen heute nur noch wenige Zeitgenossen. Von Joachim Langner

Dem einstigen Stabsmatrosen Günter Weil aus Dahlen bei Oschatz ist es zu verdanken, dass dieses Ereignis nicht vollends in Vergessenheit geriet. Der damalige Wehrpflichtige gehörte nämlich drei Jahre lang zur Besatzung des Minenräumbootes „Weißwasser“ . 1962 erhielt es diesen Namen verliehen. Gestern am Vormittag gab es nun einen Empfang im Weißwasseraner Rathaus. Bau-Fachbereichsleiter Thomas Böse begrüßte als Ur-Weißwasseraner namens des Oberbürgermeisters den einstigen Matrosen mit seinem Freund Reiner Geßner aus Beicha unweit von Oschatz. Geßner brachte Weil eigentlich erst auf die Lausitzer Spur. „Ich hatte durch meinen einstigen Betrieb Takraf Leipzig viel mit dem Aufbau des Kraftwerkes Boxberg zu tun, später auch mit der Ausrüstung des Tagebaues Nochten.“ Während eines gemeinsamen Urlaubs verabredeten die beiden, Weißwasser nun einen Besuch abzustatten.
Matrose Weil gehörte 1962 zu jener Abordnung des Bootes, das den Freundschaftsvertrag mit Weißwasser besiegelte. „Es war ein Erlebnis. Gewohnt haben wir damals in der Ingenieurschule für Glastechnik“ . Von der „Gegenpartei“ des einst besiegelten Paktes war gestern auch ein Vertreter zugegen: Horst Dreihardt (77), damals Bürgermeister der Stadt. Und alle hatten sich viel zu erzählen: Dreihardt von den Zeiten zwischen Eisstadion-Weihe bis hin zur Premiere der Brauns teichbrücke. Günter Weil, der inzwischen ebenfalls in den verdienten Ruhestand geht, sprach von seiner Peenemünder Zeit zwischen 1960 und 63. „Wir lagen an diesem Standort und mussten mit der ,Weißwasser' an der Küste und im Bodden nach Minen aus dem Zweiten Weltkrieg suchen. Wir haben zum Glück keine aufgetrieben.“
Weil und Geßner gingen gestern übrigens noch auf Erkundungstour. Mittags stand der Braunsteich auf dem Programm, das Abendessen bei Schulzes in Boxberg. Weshalb gerade dort? „Hier gibt es das beste Rostbrätl, das ich kenne“ , so Reiner Geßner.