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| 16:47 Uhr

Veranstaltungstipp zu Pfingsten
Die geheimnisvolle Mühle

 Die Fotomontage von Andreas Trepzik zeigt eine Holländer-Windmühle an ihrem Standort in Weißkeißel. Das Ursprungsfoto stammt aus dem Jahr 1967.
Die Fotomontage von Andreas Trepzik zeigt eine Holländer-Windmühle an ihrem Standort in Weißkeißel. Das Ursprungsfoto stammt aus dem Jahr 1967. FOTO: Günter Rapp/Andreas Trepzik
Weißkeißel. Peter Berghof ist Fördermitglied im Museum Sagar und hat sich der Forschung der Mühlen verschrieben. Von Regina Weiß

Peter Berghof aus Weißkeißel haben es die Mühlen als Forschungsobjekt angetan. Er sammelt Fakten und Fotos. In der Deutschen Fotothek ist ihm eine Aufnahme vom Mühlenforscher Günter Rapp aufgefallen. Es zeigt das Grundstück im Finkensteg 1 in Weißkeißel als Windmüllerhaus. Nachfragen bei Alteingesessenen nach einer Windmühle führten zu Kopfschütteln. Auch in alten Karten ist diese Windmühle nicht zu finden, so Berghof.

So taucht er ein in die Geschichtsbücher. Loenhardi beschreibt 1806 in seinem Werk Erdbeschreibung der Churfürstlich- und Herzoglich-Sächsischen Land“ Weißkeißel am sogenannten Lange-Dammteich als Dorf mit 300 Einwohnern, mit einem Katecheten, 17 Bauern und einem Vorwerk. Auch G. Knie in seinen geografischen Beschreibungen von 1830 betrachtet Weißkeißel ausführlicher mit 55 Häusern und 346 Einwohnern, einer evangelischen Schule, einem Teerofen und einem Torflager, Kochholk genannt. Der dreiteilige Lange-Dammteich hat übrigens eine Meile Umfang und ist  teils mit Karpfen besetzt. 1861 hatte Weißkeißel schon 86 Häuser und 591 Einwohner. Der Lange-Dammteich existierte noch, er war lange Jahre wichtig für die Wasserversorgung des Eisenwerkes in Keula und der Karpfenverkauf war eine wichtige Einnahmequelle der Standesherrschaft Muskau. Mit dem Eisenbahnbau Cottbus-Görlitz wurde er 1867 stillgelegt, aber seine Dämme und Abflüsse sind zwischen dem Dominium (Vorwerk) und dem Bahndamm noch erkennbar.

In einer Zeitungsanzeige des Görlitzer Anzeiger von 1872 sucht der Mühlen-Besitzer Mattik in Weißkeißel bei Muskau einen Windmüller-Gesellen. Bereits 1874 versucht Mattik seine Windmühle zu verkaufen. In der Verkaufsanzeige war es eine aus Holz erbaute Holländer-Windmühle mit einem Mahlgang und Stampfen. Dazu sollten ein neu gebautes Wohnhaus mit Stall und Scheune und ein Morgen Land verkauft werden zu einem Preis von 1800 Thalern. Als Käufer fand sich der Müllermeister Carl Nossack, der aber bereits im Dezember 1878 die Windmühle für 1800 Thaler bei 600 Thalern Anzahlung loswerden wollte. Sicherlich war im Einzugsgebiet der Mühle mit Brand, Haide und Weißkeißel nicht so viel Getreide zu mahlen und auch Hirse zu stampfen, um erträglich von der Mühle leben zu können, vermutet Berghof.

Gustav Wauro, ehemaliger Bürgermeister (geboren 1886) berichtete 1967 Günter Rapp: „Die Windmühle hat an der Straße nach Krauschwitz rechts vor der Vulkanisieranstalt bei dem Hause, wo jetzt Elli Noack wohnt, gestanden. Das Haus hat die Nr. 4, bis 1945 wurde die Stelle noch mit Witernik bezeichnet. Das ist sorbisch und heißt Windmühle. Haus Nr. 4 war das Wohnhaus des Windmüllers. Mein Großvater hat die Windmühle selbst noch gesehen. In meiner Kinderzeit war sie nicht mehr da. Die Mühle soll dort gestanden haben, wo der Garten von Nr. 4 ist. Das Wohnhaus ist zum Teil aus blauen Schlacken-Steinen, wahrscheinlich vom Eisenhammer Keula bei Muskau aufgebaut.“

Verkaufen konnte Müllermeister Nossack seine Windmühle nicht mehr. Die Görlitzer Nachrichten berichten: „Weißkeißel 26. April 1880: Durch Blitzschlag entzündete sich in der Nacht vom 23. zum 24. bei Muskau die holländische Windmühle des Müllermeisters Carl Nossack (Nr. 117) hieselbst. Dieselbe ist bis auf den massiven Unterbau durch das Feuer total zerstört worden, auch von dem Gewerk sind nur einige nicht mehr zu verwertende Eisenteile übrig geblieben, ebenso ist der Inhalt an Mobilien, Getreide- und Mehl-Beständen mit vernichtet, da bei der schnellen Ueberhandnahme des Feuers eine Rettung unmöglich war. Letzterer ist nicht versichert, dagegen das Mühlengebäude mit 4500 Mark.“

Die Feuerwehr wurde erst am 1. Januar 1926 mit 18 Kameraden in Weißkeißel gegründet. „Hätte sie eher existiert, hätte vielleicht Schlimmeres verhindert werden können“, resümiert Peter Berghof.

 Die Fotomontage von Andreas Trepzik zeigt eine Holländer-Windmühle an ihrem Standort in Weißkeißel. Das Ursprungsfoto stammt aus dem Jahr 1967.
Die Fotomontage von Andreas Trepzik zeigt eine Holländer-Windmühle an ihrem Standort in Weißkeißel. Das Ursprungsfoto stammt aus dem Jahr 1967. FOTO: Günter Rapp/Andreas Trepzik