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| 16:29 Uhr

Lausitzer Wölfe
Hofhündin Schila wird brutal getötet

 Madeleine (l.) und Sindy Troll zeigen die Stelle, an der in Weißkeißel wahrscheinlich ein Wolf ihre Hündin Schila gerissen hat.
Madeleine (l.) und Sindy Troll zeigen die Stelle, an der in Weißkeißel wahrscheinlich ein Wolf ihre Hündin Schila gerissen hat. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Weißkeißel. In Weißkeißel hat mutmaßlich ein Wolf einen Bernersennen-Schäferhund gerissen. Familie Troll will um ihre geliebte Hofhündin Schila vier Wochen lang trauern. Ihr Nachfolger muss dann eine Bedingung erfüllen. Von Torsten Richter-Zippack

Von Schila existieren nur noch Fotos. Und die Erinnerungen an einen plüschigen Bernersennen-Schäferhund, der Haus und Hof von Familie Troll in Weißkeißel zehn Jahre lang bewachte. Schila lebt nicht mehr.

In den frühen Morgenstunden des Mittwochs ist das rund 35 Kilogramm schwere Tier gerissen worden. „Ich bin gegen 5 Uhr auf die Terrasse gegangen. In rund 200 Meter Entfernung sah ich einen Wolf auf der Wiese sitzen, der dort irgendetwas zu fressen schien“, berichtet Madeleine Troll. „Niemals hätte ich gedacht, dass es sich bei der Beute um unsere Schila handelt“, sagt die 43-Jährige.

 Hündin Schila ist in Weißkeißel wahrscheinlich vom Wolf gerissen worden.
Hündin Schila ist in Weißkeißel wahrscheinlich vom Wolf gerissen worden. FOTO: Sindy Troll

Etwa dreieinhalb Stunden später sorgt Jürgen Troll für traurige Gewissheit. „Ich habe unsere Hündin auf der Wiese gefunden. Ihr Kopf war komplett verschwunden, eine Pfote lag herum, und der ganze Körper war angefressen“, schildert der Senior seine Erlebnisse.

Hat in Weißkeißel ein Wolf einen Hund getötet?

Diesen Anblick hat Madeleine Troll ihrem zwölfjährigen Sohn Nils erspart. „Als er von Schilas Tod erfuhr, ist er zusammengebrochen“, berichtet die Mutter. „Schila gehörte einfach zur Familie. Nils ist mit ihr aufgewachsen.“

Bald sind die Nachbarn zur Stelle. Im weitläufigen Weißkeißeler Ortsteil Kaupen, rund zwei Kilometer vom Kerndorf entfernt, leben um die 30 Menschen. Auf fast jedem Hof sorgen Hunde für Ordnung. Laut den Anwohnern soll in der Unglücksnacht jeder Hund in einer ganz eigenartigen Tonlage gebellt haben. „Vielleicht ahnten sie, was passiert“, vermutet Madeleine Troll.

Schnell sind die Wolfsexperten zur Stelle. Ihr Fazit: „Der Wolf kann als Verursacher nicht ausgeschlossen werden“, heißt es aus der Fachstelle Wolf des Landesamtes für Umwelt. Der Kadaver des toten Hundes wird zur weiteren Untersuchung an das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin gebracht.

Die Fachleute nehmen dort Genetik-Proben. Sie erhoffen sich so weitere Aufschlüsse, ob der Wolf als Täter bestätigt werden kann und ob er genetisch bereits bekannt ist. Darüber hinaus werden auf dem Grundstück der Trolls mehrere Wildkameras installiert.

Hofhündin Schila soll in Weißkeißel begraben werden

Familie Troll hofft indes, dass die Überreste des Hundes wieder nach Weißkeißel gelangen. „Wir wollen unsere Schila würdig bestatten“, begründet Madeleine Troll. Vor rund einem Jahrzehnt hatte ihre Schwester Sindy Troll das damals neun Wochen alte Tier aus Großdubrau mitgebracht. „Es war klein, verspielt und super erzogen“, resümiert Sindy Troll. Zudem habe Schila stets auf die Kinder aufgepasst.

Jetzt wolle die Familie vier Wochen trauern. Anschließend sei es Zeit für einen neuen Hund. Denn noch nie in der Geschichte des über 100 Jahre alten Bauerngehöftes habe es eine längere Zeit ohne vierbeinigen Beschützer gegeben. Eine Bedingung stellt Madeleine Troll allerdings: „Der Nachfolger darf keineswegs so aussehen wie unsere Schila. Vorstellbar wären ein Labrador oder ein Golden Retriever mit kurzen Haaren.“

Nach Angaben von Vanessa Ludwig, Referentin der Fachstelle Wolf, sind Angriffe von Wölfen auf Hunde eher selten. Konflikte könne es aber geben, wenn sich Hunde allein im Gelände bewegen und dort auf Wölfe treffen. Bereits um die Jahreswende 2017/2018 hatte ein Wolf in Weißkeißel und Krauschwitz zwei Hunde getötet. Das verhaltensauffällige Tier wurde dann mittels Ausnahmegenehmigung des Landratsamtes Görlitz geschossen.