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| 14:35 Uhr

Muskauer Parkbrauerei
Wegen Kakaolikörs die Brauerei verloren

Peter Gloyna kennt die Muskauer Parkbrauerei wie kaum ein zweiter. Aber wohnen möchte er dort nicht mehr. Von Torsten Richter-Zippack

Wenn Peter Gloyna von der Muskauer Brauerei erzählt, beginnen seine Augen zu leuchten. Kein Wunder, hatte der heute 70-Jährige in den Jahren von 1947 bis 1952 im historischen Backsteinbau an der Berliner Straße gelebt. „Unser Flur war sehr lang und mehr als 40 Quadratmeter groß“, erinnert sich der gebürtige Muskauer. „Wir besaßen Wohn- und Schlafzimmer, zwei Kinderzimmer sowie Küche und Bad. Mit meinem Bruder habe ich mir einen Raum geteilt, den anderen bewohnte meine Schwester“, erinnert sich Peter Gloyna. Zudem gab es einen Zugang zum Dachgarten.

Heinz Gloyna, Peter Gloynas Vater, lebte mit der Familie in der Wohnung im zweiten Stock. Eine Etage tiefer befand sich das Zuhause der Großeltern. Großvater Wilhelm Gloyna hatte die Brauerei im Jahr 1930 erworben. Anfang der 1950er-Jahre wurde der aus Lugknitz stammende Unternehmer allerdings enteignet, erinnert sich Enkel Peter Gloyna. Der Grund: Dem Großvater wurde vorgeworfen, er habe Kakao aus Westberlin ohne Warenbegleitschein im Gesamtwert von mehr als 7300 D-Mark besorgt. Daraus stellte er den begehrten Kakaolikör her. Darüber hinaus, so ist es im Gerichtsurteil vom Sommer 1952 festgehalten, soll Wilhelm Gloyna ohne Genehmigung Bier gebraut haben.

Peter Gloyna will gar nicht ausschließen, dass sein Großvater tatsächlich nicht ganz unschuldig war. „Er hat versucht, den Schwund, der beim Umfüllen entsteht, auszugleichen.“ Doch letztendlich sei es die Willkür des kommunistischen Staates gewesen, der dem Unternehmer den Garaus bereiten wollte. Tatsächlich wurde Wilhelm Gloyna per Gerichtsbeschluss vom 18. Juli 1952 wegen angeblicher Steuerhinterziehung verurteilt und enteignet.

Zu jener Zeit, so berichtet Peter Gloyna, hatte sich sein Großvater bereits im Westen befunden. Schon im Spätherbst 1951 entzog sich der Brauer seiner Verhaftung durch die Flucht nach Westberlin. Später zog Gloyna nach Bonn. Ein Glück für den rührigen Firmeninhaber: Denn wäre er in der DDR geblieben, hätte ihn der Staatsapparat für fünfeinhalb Jahre ins Zuchthaus gesteckt. So ist es im Gerichtsurteil vermerkt.

Sohn Heinz Gloyna, der gemeinsam mit seinem Vater Wilhelm Gloyna die Brauerei betrieben hatte, wurde dagegen von den DDR-Behörden zur Rechenschaft gezogen. Neben einer hohen Geldstraße ging es für ihn ins Gefängnis nach Görlitz. „Für Vater war Flucht keine Option“, sagt Peter Gloyna. Nach seiner Entlassung verdiente Heinz Gloyna in verschiedenen Tätigkeiten sein Geld, beispielsweise als Autoinstandhalter, als Kraftfahrer und als Versandmitarbeiter in der Krauschwitzer Entstaubungstechnik. Zuletzt war der einstige Brauerei-Unternehmer Chef des Altstoffhandels in Weißwasser.

Die Familie zog nach der Enteignung innerhalb von Muskau um. Doch es sollte Jahrzehnte dauern, bis die Gloynas ihre einstige Wohnung wieder betreten konnten. „Nach der Wende lebte dort noch eine ältere Frau“, erinnert sich Peter Gloyna. Sein Kinderzimmer präsentierte sich allerdings als Büro. „Es gab noch den originalen Lichtschalter“, sagt der 70-Jährige. Er selbst hatte nach der Lehre im Kraftwerk des Lautawerkes im Kraftwerk Trattendorf als Schichtelektriker gearbeitet. „Aufgrund meiner Kriegsdienstverweigerung durfte ich nicht studieren“, erzählt Peter Gloyna. So absolvierte er in Cottbus die Meisterschule, ging anschließend ins Kraftwerk Boxberg, wo Gloyna ein Fernstudium aufnahm. In Boxberg war der Diplomingenieur bis zu seiner Pensionierung tätig.

In die Muskauer Brauerei würde er heute keinesfalls mehr einziehen. „Wir haben in Krauschwitz unser Häuschen gebaut. Und damit sind wir sehr zufrieden“, lautet die Begründung. Gloyna wollte sich nach der Wende die Brauerei zurückholen. Das Ansinnen scheiterte letztendlich aber aufgrund eines komplizierten Rechtstreites, da der damalige Getränkebetrieb die Insolvenz angemeldet hatte.

Glücklich sei Peter Gloyna, dass der Freistaat Sachsen 2017 das Ensemble erwarb. „Wieder eine Brauerei aufzumachen, halte ich für nicht machbar. Stattdessen wäre ein Gesundheitsressort super. Aber ich vermag nicht zu sagen, ob dies funktionieren würde.“ Allerdings war bereits vor zehn Jahren die Fürst-Pückler-Thermen und Gesundheitsresort GmbH mit ihrer Kurzentrum-Idee in der Brauerei gescheitert. Derzeit gibt es noch kein Nutzungskonzept für das in den Jahren von 1843 bis 1845 errichtete Gebäude.