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WBG kauft den Bahnhof in Weißwasser

Der Bahnhof in Weißwasser gilt als Eingangstor zur Stadt. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude soll nach dem Willen der Stadtverwaltung saniert werden. Der Stadtrat hat grünes Licht für die Fortsetzung der Sanierungsplanung gegeben.
Der Bahnhof in Weißwasser gilt als Eingangstor zur Stadt. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude soll nach dem Willen der Stadtverwaltung saniert werden. Der Stadtrat hat grünes Licht für die Fortsetzung der Sanierungsplanung gegeben. FOTO: Christian Köhler
Weißwasser. Die hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt, die Wohnungsbaugesellschaft Weißwasser GmbH (WBG), kauft den Bahnhof, um die Sanierung weiter voranzutreiben. Das erklären Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) und WBG-Chefin Petra Sczesny übereinstimmend auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Christian Köhler

"Wir stellen uns nach wie vor dieser schwierigen Aufgabe, allerdings sind noch Beschlussfassungen offen und Hausaufgaben zu erledigen", erklärt Petra Sczesny. Der Aufsichtsrat sowie die Gesellschafterversammlung der WBG hätten gleichwohl signalisiert, grünes Licht für den Kauf zu geben.

Voraussetzung für den Eigentümerwechsel sei jedoch die Förderung und Sicherstellung der Eigenmittel, so Petra Sczesny. Und hierbei gibt es eines der größten Probleme. Zwar liegen, wie Torsten Pötzsch erklärt, ein Fördermittelbescheid für die Sanierung sowie inzwischen auch die Baugenehmigung für den Bahnhof im Rathaus vor, aber die Kosten seien einfach für das Budget der Stadt zu hoch. Mit der WBG als Eigentümerin des Bahnhofes ließe sich zumindest ein Teil der Gelder aufbringen, so die Überlegung.

Insgesamt muss Weißwasser für die Bahnhofssanierung gegenwärtig etwa 1,2 Millionen Euro selbst aufbringen. Insgesamt kostet nach derzeitigem Stand die Sanierung in Gänze mehr als 2,8 Millionen Euro. Dabei hatte die Stadt ihre Pläne bereits gedrosselt - noch vor zwei Jahren waren mehr als drei Millionen Euro im Gespräch.

Die 2,8 Millionen Euro setzen sich nun wie folgt zusammen: 85 Prozent davon (das sind etwa 2,38 Millionen Euro) können über EU-Fördermittel gestemmt werden, die verbleibenden 15 Prozent der Sanierungskosten müsste der Eigentümer übernehmen. Das Problem dabei erklärt Torsten Pötzsch so: "Die Fördermittel setzen sich aus jeweils einem Drittel vom Bund, vom Land und der Stadt zusammen." Bliebe der Bahnhof also im städtischen Eigentum, müsste Weißwasser 800 000 Euro plus 15 Prozent der Gesamtkosten, also mehr als 400 000 Euro, aufbringen. Das sind zusammen 1,2 Millionen Euro, die bei der derzeitigen Finanzlage der Stadt nirgends abzuzweigen sind. "Wenn die WBG jedoch Eigentümerin ist, könnte sie zunächst einmal die 15 Prozent übernehmen", erläutert der Oberbürgermeister.

Für die verbleibenden gut 800 000 Euro jedoch müsse weiter nach einer Finanzierungsmöglichkeit gesucht werden. "Eine Option wäre beispielsweise", so Torsten Pötzsch, "durch ein weiteres EU-Programm Mittel zur Querfinanzierung zu bekommen." Dabei bedürfe es allerdings noch Abstimmungen mit dem sächsischen Innenministerium und einer Gemeinde in Polen, deutet der Oberbürgermeister vage an.

Unterdessen habe sich an der Planung für die Nutzung des Bahnhofes wenig geändert. "Nach wie vor wollen wir in der oberen Etage Arztpraxen ansiedeln", sagt Torsten Pötzsch. Augenarzt Aleksander Blitek, der bis zur Fertigstellung der Bahnhofssanierung in der Südpassage am Sachsendamm ansässig ist, sowie ein Allgemeinmediziner könnten dann einziehen.

Dass in das Bad Muskauer Kavaliershaus nach den derzeitigen Planungen das Besucherzentrum für den Geopark Muskauer Faltenbogen einziehen soll, begrüßt Torsten Pötzsch. "Für unseren Bahnhof wünschen wir uns einen Info-Punkt für die Welterbestätte", sagt er. Weiterhin ist vorgesehen, dass neben der Wartehalle noch die Tourismusinformation für Weißwasser, das Büro der Behindertenbeauftragen der Stadt sowie eine öffentliche Toilette angesiedelt werden. Das Stellwerk der Bahn bleibt im Gebäude, so der Oberbürgermeister.

Bei einem anderen Problem, was eine RUNDSCHAU-Leserin an die Stadt herangetragen hat, könne Pötzsch gleich helfen: Eine weitere Sitzgelegenheit soll am Bahnhof aufgestellt werden. Denn gerade Besucher aus dem Umland, die wegen eines Arzttermines nach Weißwasser mit dem Zug kommen, könnten so entspannter am Bahnhof warten.

Zum Thema:
Der Bahnhof in Weißwasser hat eine lange Geschichte. 1869 erbaut zählt er zu den wichtigsten Gebäuden der Stadt. Über Jahre war nach 1990 die Patron Elke S.a.r.L. aus Luxemburg Eigentümer des Hauses, nutzte es als Spekulationsobjekt. 2013 gelang es der Stadt, das Gebäude zu ersteigern. Ende 2015 brachte der Stadtrat die Vorplanung für die Sanierung auf den Weg. Im September 2016 beschloss der Stadtrat die Baugenehmigung. Seit dem Kauf des Bahnhofs flossen bereits 250 000 Euro für Planungsleistungen.