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Lausitzer Seenland
Wasserretter wollen neue Struktur

Boxberg. Die DRK-Wasserwacht hat in diesem Jahr am Bärwalder See knapp 1500 Dienststunden geleistet – bisher unentgeltlich. Eine Lösung wird gesucht. Von Sascha Klein

Die Wasserwacht hat sich in diesem Jahr wieder am Bärwalder See stark gemacht. Was die Mitstreiter der Boxberger DRK-Ortsgruppe um Frank Brosius bemerkt haben: immer mehr Touristen, immer mehr privater Passagierbetrieb, ein deutlicher Anstieg bei Kitesurfern und Surfern. Einige von ihnen überschätzten ihre Fähigkeiten deutlich, sagt Joachim Weiß, Referent Wasserwacht beim Landesverband des Roten Kreuzes in Dresden. Auch diese Seenutzer könnten in Zukunft immer öfter ein Fall für die Wasserwacht werden.

Damit ein Schutz aber gewährleistet ist, braucht es vor allem Menschen und Technik. Und beides muss bezahlt werden. Das ist im Moment der Knackpunkt am Bärwalder See und bei der Zukunft der Wasserrettung vor Ort. „Wir haben in diesem Jahr alles ehrenamtlich getragen“, sagt Joachim Weiß. Das bedeutet: 46 Wach- und Einsatztage, 1490 Dienststunden mit insgesamt 33 Einsätzen. Das DRK hat Helfer aus ganz Sachsen in die Lausitz gebracht, um die Sicherheit der Gäste in Klitten, Uhyst, Boxberg und auf dem See zu gewährleisten. Die Fixkosten für das DRK liegen dabei bei etwa 8000 Euro. Werden die ehrenamtlich geleisteten Stunden noch dazugerechnet, hat das DRK in diesem Jahr am größten See Sachsens eine Leistung in einem Geldwert von gut 24 000 Euro erbracht. Deshalb stellt DRK-Wasserwacht-Referent Weiß ganz offen die Frage: Welche Möglichkeiten gibt es, die Wasserwacht am Bärwalder See in Zukunft auf solide und ausfinanzierte Füße zu stellen? Sich beim Thema Wasserrettung allein auf die Feuerwehren der Anrainer zu verlassen, hält Weiß für zu kurz gedacht. Sie seien nicht schnell genug vor Ort.

In anderen Regionen, laut Weiß betrifft das unter anderem den Rettungszweckverband Südwestsachsen im Vogtland, sei die Wasserrettung über die Rettungsdienstpläne der Landkreise abgesichert. In der sächsischen Lausitz fehle diese Verknüpfung noch, so Weiß. Er plädiert jedoch auch in Hinsicht auf steigende Gästezahlen im Lausitzer Seenland dafür, die Wasserrettung in die Rettungsdienstplanungen zu integrieren. Das betreffe neben dem Bärwalder See alle Gewässer im Lausitzer Seenland sowie im Leipziger Neuseenland.

Um Geld für die Arbeit der Wasserwacht in Boxberg zu sammeln, haben die DRK-Mitstreiter in der Region bereits 29 Spendenboxen aufgestellt. Weitere sollen folgen. Das reiche jedoch noch lange nicht, um die Wasserrettung am Bärwalder See auszufinanzieren, sagt Joachim Weiß. Was er sich erhofft: ein Zusammenspiel von Gemeinde Boxberg, Landkreis Görlitz und mehreren Unternehmern in der Region. Sie gemeinsam könnten es schaffen, die Finanzierung für die kommenden Jahre auf die Beine zu stellen. Im Boxberger Gemeinderat hat die Wasserwacht kürzlich Lob für ihre Arbeit erhalten. Linken-Abgeordneter Horst Jannack dankte der Wasserwacht und betont: „Wir sollten uns mit unseren Möglichkeiten einbringen. Es ist beschämend, wenn man mitbekommt, dass die Arbeit über Spenden finanziert werden soll.“ Ebenso argumentiert Ratsmitglied Armin Hoffmann (WV Kringelsdorf): „Wir wachsen am See und sehen, dass der Anzug nicht mitwächst. Druck auf die Politik und auf den Landrat muss jetzt maßgeblich kommen.“